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Zusammen immer besser

Interview: Inkonsistente Daten kosten schlicht Geld
Interview: Inkonsistente Daten kosten schlicht Geld

Das Thema SAP ERP und Microsoft Excel ist nicht unumstritten und frei von Emotionen. Werden die Stärken und Schwächen richtig kombiniert, ergibt sich aus dem ERP und Excel eine erfolgreiche und nachhaltige Plattform. Im Interview erklärt Eckard Moos vom SAP-Partner Kern die Roadmap.

Wenn Sie in der SAP-Community hören „zurück zum Standard“, fühlen Sie sich als Add-on-Lieferant und Excel-Anbieter ausgeschlossen oder gehört Excel zum SAP-Standard?

Eckard Moos, Kern: Sehr geehrter Herr Färbinger, bitte entschuldigen Sie, dass ich bei Ihrer Rede von der Kern als Excel-Anbieter laut lachen muss: Stellen Sie sich bitte vor, ich würde Sie in Ihrer Profession als Chefredakteur des E-3 Magazins als ein Verkäufer von Zeitungspapier oder Druckerschwärze bekannt machen. Da würden Sie mir ganz zu Recht einen Klaps auf den Hinterkopf geben wollen.

Klar, Sie arbeiten tagtäglich mit Papier und Tinte. Aber Ihre Unique Selling Proposition begründen und festigen Sie dadurch, dass Sie ein Verknüpfungs-Know-how haben, konkret die SAP-Szene kennen, wie sonst wenige. So ist das auch bei uns. Tauschen Sie Papier gegen SAP, Tinte gegen Excel und wechseln Sie den Chefredakteur gegen den Business Process Engineer und schon sind Sie bei der Kern.

Nun zu Ihrer Frage: „Gehört Excel zum SAP-Standard?“ Ja, absolut und genau dann, wenn Excel als integrale Oberfläche innerhalb von SAP genutzt wird. Ja und genau dann, wenn nichts außerhalb, sondern alles innerhalb von SAP passiert: Berechtigungen und Daten, Transaktionen und Prozesse usw.

Also ein Miteinander?

Moos: Das ist das Faszinierende, ich will sogar sagen das Beglückende an unserer Arbeit und an unserem SAP-integrierten Produkt Allevo: Es gibt nie eine Konkurrenz zwischen SAP und Excel, sondern immer ein Miteinander; es gibt nie Teilprozesse hier und Teilprozesse da, sondern immer einen Gesamtprozess – und zwar vollständig innerhalb von SAP.

Wer sich außerhalb der SAP-Vorgaben bewegt, auch im Z-Namensraum zahlreiche Abap-Modifikationen customized, wäre nicht mehr release- und revisions­sicher. Stimmen diese Argumente?

Moos: Nein – jedenfalls nicht für diejenigen Anbieter, die den Umgang mit SAP beherrschen. Persönlich befasse ich mich seit Mitte 1994 aktiv mit SAP, meine ersten Customizing-Projekte liefen unter R/3, Release 2.0. Seit meiner Selbstständigkeit Mitte 1996 beschäftigt sich Kern arbeits­täglich mit SAP und die ersten Kunden haben unser Produkt Allevo unter den Releases 4.5b und 4.6c, also vor gut 20 Jahren, eingesetzt.

Damals hätte man die Re­leasefähigkeit von 3rd-Party-Applikationen an­zweifeln können, aber doch nicht heute angesichts einer Geschäftswelt, in der sich die Nachfrage nach Schnittstellen potenziert. Aus meiner Erfahrung ist deshalb ist ein klar: Die SAP hat immer verlässliche Schnittstellen angeboten und wird das auch künftig tun. Nach meiner Überzeugung wird nicht die SAP der Engpass sein, sondern die Professionalität der 3rd-Parties.

Was sind die wesentlichen Vorteile aus der Kombination Excel und ERP/ECC 6.0?

Moos: Generationen von IT-Experten jagen dem Ideal nach, Excel durch eine homogene betriebswirtschaftliche Applikation abzulösen. Treiber dieser Absicht ist ein fundamentaler Irrtum: Nicht Excel als Oberfläche erzeugt das Risiko, sondern Excel als Ort, in dem Daten gespeichert werden. Vor einer Antwort zähle ich die Schwächen und Stärken von Excel auf.

Schwächen: miserable Datenhaltung, hochkritische Berechtigungssteuerung, singuläre „Geschäftsaktionen“ statt integrierter Geschäftsprozesse. Stärken: Kalkulationen modellieren, Anwender durch gut gemachte Oberflächen steuern, Subsidiaritätsprinzip, will sagen, dass die Geschäftsprozesse-Experten ihre Aufgaben selbst erledigen können.

Nun zur Antwort: Sobald Sie die Schwächen von Excel beseitigen und stattdessen die Stärke von Excel voll zur Geltung kommen lassen, sind Sie auf dem optimalen Pfad. Treffender muss ich sagen: Sie sind jedenfalls dann auf dem Pfad zum Bliss Point, zum Punkt der absoluten Glückseligkeit, wie die Volkswirte schmunzelnd sagen, wenn Excel in die betriebswirtschaftliche Standardsoftware inte­griert wird.

Welche Möglichkeiten und Chancen ergeben sich für Excel und S/4?

Moos: Wenn Sie eine knappe Aussage wünschen, dann die: Beide Applikationen werden immer besser; zusammen werden sie noch stärker; die Anzahl der Geschäftsprozesse steigt ständig an, genauso wie deren Diversität und kundenspezifische Ausprägung. Excel integriert in S/4 bietet die ideale Antwort auf ständig steigende und wechselnde Anforderungen an Prozesse und Nutzerführung. Genau das leistet Allevo: Mit unserer Applikation schaffen Sie schnelle, punktgenaue und SAP-
konforme Lösungen.

Was wäre ein typisches Szenario, eine relevante Aufgabenstellung, damit ein SAP-Bestandskunde sein System um das Kern-Excel-Angebot erweitert?

Moos: Ich kann hier Hunderte von Prozessen abreißen und daraus typische Szenarien destillieren. Nur, diese Liste nützt Ihnen nichts, denn unsere Erfahrung lehrt, dass jeder Anwender schon aus Selbstschutz versucht ist zu behaupten, dass sein je eigener Prozess auf keinen Fall generalisierbar und deshalb höchst individuell zu behandeln ist. Zielführend sind hingegen einfache Beobachtungen, die Sie ohne großen Aufwand anstellen können.

Wird die Akzeptanz von Excel bei zukünftigen S/4-Anwendern zu- oder abnehmen?

Moos: Der Anreiz, sein eigenes Ding zu machen, ist eine anthropologische Konstante. Deshalb ist Excel unsterblich – SAP aber auch. Die Aufgabe, das Beste daraus zu machen, ist also eine ewige Aufgabe. Um es mit Albert „Excel“ Camus zu sagen: Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.

Danke für das Gespräch.

Kern-AG

Über den Autor

Eckhard Moos, Kern AG

Eckhard Moos ist Geschäftsführer der Kern AG

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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