MAG 21-09 No/Name - Kolumne

Wir sind SAP

NoName
Geschrieben von no-name

Wir betrachten SAP mit Wohlwollen. Der Vorstand ist gut aufgestellt, auch wenn die Zusammenarbeit nicht friktionsfrei läuft. Im Detail gibt es Baustellen, Missverständnisse und Irrtümer. Die Konsolidierung ist noch nicht abgeschlossen.

Ja, wir bekennen uns zu SAP. Unser robustes Fundament sind R/3 und ECC 6.0. Mit AnyDB haben wir Bestandskunden bei Microsoft, Oracle und IBM hinreichend gute Erfahrungen gemacht. Dem strategischen Releasewechsel haben fast alle zugestimmt. Auch die jüngste Umfrage von ASUG und unserer DSAG bestätigt das Wohlwollen und die Bereitschaft, aber die Ergebnisse zeigen auch, dass im Detail es mehr Fragen als Antworten gibt, dass die Richtung stimmt, die Wege aber nicht klar und sicher sind.

Die ASUG-DSAG-Umfrage zeigt, dass die SAP-Bestandskunden bereit sind, Hana und S/4 zu akzeptieren – nur belässt SAP noch viele Fragen unbeantwortet. Meine Befürchtung: Es ist kein Mangel an Respekt gegenüber uns Bestandskunden, sondern schlichtes Nicht-Wissen. Wir sind SAP, aber nicht bereit den sicheren Boden eines R/3 und ECC 6.0 für einen Ausflug in die Cloud und nach Hana und S/4 zu verlassen. Wir sind SAP, aber wir brauchen von SAP mehr als eine 18-Monate-Vision und eine passende Perspektive.

Ich wäre glücklich, wenn ich kraft meiner Position, meiner Verbindungen zu unserem Verein DSAG und meiner Freundschaften in Walldorf bei SAP hier nun Rede und Antwort geben könnte. Aber ich weiß es nicht: Wie verlässt ein SAP-Bestandskunde die Cloud ohne On-prem-Lizenzen? Exitstrategie? Wie vermeidet ein SAP-Bestandskunde doppelte DB-Gebühren während des S/4-Releasewechsels? Was sind die Auswirkungen von FUE, Full User Equivalent? Niedrigere oder höhere Cloud Subscription? Ist Signavio oder Celonis besser? Das eine steht, das andere stand in der PKL. Ist S/4 nach vielen Jahren am Markt noch ein hinreichend modernes ERP? Was wird aus meinen CCC-Managern und MaxAttention? Welche Zukunft hat das On-prem-Modell? Warum hat SAP den Cloud-Partner Microsoft kalt abserviert und kokettiert jetzt mit Google? Was kann Google, was Microsoft nicht kann? Wie gefährlich ist SAP? Diesen Sommer besuchten mich Berater von KPMG und wollten mir eine Versicherung für und gegen Lizenz-Malversationen verkaufen – sehr teuer, soll aber wirken!

Noch einmal: Wir sind SAP! Diese offenen Fragen und die Ergebnisse der ASUG-DSAG-Umfrage zeigen aber, dass SAP zu viele Probleme hat, um die kommenden Jahre heil zu überstehen. Hasso Plattner, Henning Kagermann, Werner Brandt, Gerd Oswald, Michael Kleinemeier und andere Executives haben gemeinsam mit uns Bestandskunden ein robustes und nachhaltiges Fundament errichtet, auf diesem gedeiht unser Geschäft. Die scheinbar aktuellen Erfolge von Christian Klein und Luka Mucic sind diesem gewaltigen Fundament geschuldet. Noch hat die neue und junge Generation nicht bewiesen, dass sie etwas ähnlich Nachhaltiges erschaffen hat.

Christian Klein, Jürgen Müller und Thomas Saueressig haben viele Probleme gelöst, wenn auch nicht alle – aber das ist eine andere Geschichte. Ich hingegen meine Nachhaltigkeit – also Produkte, Strategien und Visionen, aus denen wieder neue Produkte, Strategien und Visionen erwachsen. Ganz im Sinne der nachhaltigen Bewirtschaftung eines Waldes – angelegt für Generationen und immer wieder wachsen Bäume nach. Ist S/4 noch zeitgemäß? Wie schaut die nächste ERP-Generation aus? Was kommt aus Walldorf nach 2030?

Ich werde 2030 meinen Ruhestand mit meiner Frau genießen. Ich weiß aber, dass mein SAP-Reich und natürlich SAP selbst wie ein riesiges Tankschiff reagieren. Ein Drehen am Steuerrad wirkt sich erst ein paar Kilometer später aus. Der Bremsweg ist mehrere Kilometer lang. SAP sollte mir in den kommenden zwei bis drei Jahren ganz genau erklären, was jenseits des Horizonts 2030 auf uns Bestandskunden zukommt. Wir sind und bleiben SAP, aber wir sehen kein Licht am Ende des Tunnels – um bei diesem Bild zu bleiben: Im Tunnel hat Christian Klein viele Hindernisse beseitigt, damit wir im Dunklen nicht stolpern und zu Fall kommen. Sehr gerne würden meine SAP-Stammtischschwestern und -brüder ein Licht – in Form eines neuen ERP – am Ende des Tunnels sehen.

Christian Klein sollte lernen, mit uns Bestandskunden zu kommunizieren – nicht durch den Filter unserer DSAG, auf teuren und exklusiven Events oder durch eine perfekte Sapphire-Show. Christian Klein sollte die SAP’sche Echokammer verlassen. Die SAP-Community hat zu viele offene Fragen, um auf offene Diskussion verzichten zu können.

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Unser geheimnisvoller, anonymer Kolumnist.

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