Infrastruktur MAG 21-10

Wie Testautomatisierung die S/4-Hana-Migration beschleunigt

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Geschrieben von Alexander Ertl, Tricentis

SAP S/4 bringt mehr Agilität, Geschwindigkeit und Innovationskraft. Doch viele Unternehmen schieben die Migration noch auf, weil sie Angst vor den Risiken haben. Testautomatisierung hilft dabei, den Umstieg sicher und effizient zu meistern.

Wer SAP nutzt, kommt früher oder später nicht an einem Wechsel auf S/4 und Hana vorbei. Das neue ERP-System bringt für Unternehmen viele Chancen und unterstützt sie bei ihrer Digitalisierung. 63 Prozent der DSAG-Mitglieder, die auf S/4 bereits wechselten, sagen, dass sie aufgrund S/4 ihre Geschäftsprozesse optimieren konnten. 48 Prozent sehen sich durch das neue System besser aufgestellt, um Innovationen schneller umzusetzen. Und 44 Prozent bestätigen, dass sie von einer Performance- und Effizienzsteigerung profitieren. 

Doch die Migration von ERP/ECC 6.0 auf S/4 ist ein großer Schritt, der auch Risiken mit sich bringt. In den meisten Unternehmen ist das ERP-System seit vielen Jahren in Betrieb und tief in die IT-Landschaft integriert. Unzählige Geschäftsprozesse sind damit verknüpft, die in der neuen Welt womöglich so nicht mehr funktionieren.

Unternehmen müssen ihr Customizing und ihre Integrationen neu evaluieren, gegebenenfalls überarbeiten und neu implementieren. Viele Eigenentwicklungen lassen sich durch die Standardfunktionen von S/4 ersetzen und sollten ausgemustert werden. Eine Herausforderung besteht auch darin, auf das neue Daten-modell von S/4 umzustellen und Daten aus verschiedenen Quellen anzubinden.

Migration und Updates

Es gibt also viele Bedenken, die mit der Migration verbunden sind. Die Risiken zu kennen und richtig einzuschätzen ist wichtig, um den Umstieg besser zu meistern. Traditionelle Testverfahren helfen hier nicht weiter. Üblicherweise lassen Unternehmen bei einem Update meist zunächst ihre Power-User testen, ob es Probleme gibt. Anschließend folgt eine aufwändige Hypercare-Phase.

Dieses Vorgehen ist schon im laufenden Betrieb ineffizient und teuer. Für die S/4-Migration ist es gänzlich ungeeignet. Denn Unternehmen brauchen bereits vorab eine klare Vorstellung davon, wo es welche Risiken geben könnte. Doch 70 Prozent der Anwender, die auf Hana und S/4 umstellen, sagen, dass ihnen ihre Testverfahren hier zu wenig Einblick geben. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Unternehmen ihre Migration noch aufschieben. Erst 59 Prozent der SAP-Bestandskunden in der EMEA-Region haben teilweise auf S/4 umgestellt oder erst damit begonnen. Die Angst vor dem Unbekannten bremst also die Digitalisierung aus.

Lösen lässt sich das Dilemma, indem Unternehmen moderne, automatisierte Testverfahren einführen. Eine automatische Code-Impact-Analyse identifiziert zum Beispiel Code-Änderungen zwischen dem alten und neuen System und zeigt geschäftliche und technische Risiken auf, die sie mit sich bringen. So können Unternehmen diese Bereiche gezielt angehen. Sogenannte Quality Gates helfen zudem, die Datenintegrität standardisiert und automatisiert zu testen und dadurch Probleme mit Datenformaten zu vermeiden.

DB-Wechsel

Vodafone, eines der weltweit führenden Telekommunikationsunternehmen mit rund 625 Millionen Kunden, beschloss bereits 2017 die Einführung von SAP S/4. Im ersten Schritt erfolgte die Konvertierung der Datenbank von Oracle zu Hana. Anschließend wurde die SAP-ECC-Anwendungsschicht neu in Fiori implementiert.

Vodafone hatte zuvor zwar schon Script-basierte Testautomatisierung im Einsatz. Diese unterstützte jedoch nicht die neueste SAP-Technik. Außerdem konnte man mit dem Verfahren in der Kürze der Zeit nicht den geforderten Testumfang abdecken.

Auch im Hinblick auf künftige, kürzere Update-Zyklen wollte Vodafone mehr Agilität beim Testen gewinnen. Daher führte das Unternehmen die Testautomatisierungs-lösung von Tricentis ein. Sie ermöglicht es Mitarbeitern, zielgerichtet auf die höchsten Risiken zu fokussieren und automatisierte Testumgebungen um bis zu 200 Prozent schneller zu gestalten. Außerdem konnte Continuous Testing in die CI/CD–Pipeline integriert werden.

Die neue Lösung trug dazu bei, dass es Vodafone gelang, die gesamte Umstellung auf S/4 in nur 18 Monaten abzuschließen. Alles in allem handelt es sich um eine der fünf größten S/4-Implementierungen der Welt.

Über den Autor

Alexander Ertl, Tricentis

Alexander Ertl ist Group Product Manager SAP bei Tricentis.

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