Infrastruktur MAG 1512

Unicode 2020

2015
Geschrieben von E-3 Magazin

Wie SAP im Vorjahr angekündigt hat, werden alle neuen NetWeaver Releases nach 7.40 und darauf basierende Produkte nur noch mit dem Zeichensatz Unicode kompatibel sein. Upgrades von Nicht-Unicode-Systemen auf Releases höher als NetWeaver 7.40 ohne vorherige Unicode-Konvertierung erhalten somit keinen Support mehr.

Welchen Herausforderungen sich Unternehmen nun stellen müssen, aber auch welche Vorteile durch diese Umstellung entstehen, haben wir mit Patrick Behr besprochen.

Er ist Teamleiter für den Bereich Technology Operation bei der BIT.Group, einem mittelständischen IT-Dienstleister mit Standorten in Bautzen, Dresden und Hannover. Er beschäftigt sich intensiv mit der Unicode-Thematik.

E-3: Was ist Unicode und wofür wird das verwendet?

Patrick Behr: Unicode ist ein allgemeingültiger Zeichensatz, welcher eine Vielzahl von Schriftzeichen vereint. Besonders im Bereich IT, mit immer mehr global zusammenwachsenden Märkten und international operierenden Unternehmen, ist Unicode ein wichtiger technologischer Bestandteil geworden. Mithilfe von Unicode ist es möglich, Sprachen, welche verschiedene Zeichensätze verwenden, in einem System abzubilden.

Winshuttle

E-3: Mit dem neuen SAP ERP Enhancement Package 8, welches noch 2015 erscheinen soll, wird für Unternehmen eine Unicode-Einführung zur Pflicht. Wie lange wird der Support für Nicht-Unicode-Systeme noch gewährleistet?

Behr: Der Support hängt an der grundlegenden Komponente des SAP Net­Weaver. Die aktuelle Version 7.4 ist bis einschließlich 2020 in der generellen Wartung. Alle nachfolgenden Releases von NetWeaver 7.4 werden nur noch unicodefähig sein und keine Single Codepages mehr zulassen.

Auch wenn bis zum Wartungsende von NetWeaver 7.4 noch fünf Jahre Zeit ist, werden sich die Anforderungen der Unternehmen an ihre SAP-Systeme weiterentwickeln. Enhancement Packages bringen neue Funktionalitäten und Technologien mit sich.

Deswegen werden viele Unternehmen den Sprung von Non-Unicode-Systemen hin zu Multi-Codepage-Systemen vor Ende der Wartung machen.

E-3: Welche Vorteile hat Unicode für Unternehmen, welcher Mehrwert könnte sich für Unternehmen ergeben?

Behr: Die Vorteile von Unicode sind vielfältig. International operierende Unternehmen haben Partner auf verschiedenen Kontinenten. Vor allem in Asien, aber auch in Europa werden andere Zeichensätze verwendet.

Klar liegt es auf der Hand, dass chinesische oder arabische Schriftzeichen nicht mit dem mitteleuropäischen Zeichensatz kompatibel sind. Aber auch vor unserer Haustür stoßen wir auf diese Probleme, denn unsere Nachbarländer Tschechien, Polen oder Dänemark haben eigene Codepages. Arbeiten in einem SAP-System ist da in den Landessprachen nicht möglich.

E-3: Was ändert Unicode an diesem Problem?

Behr: Mit Unicode können wir dieses Problem lösen und Niederlassungen von Unternehmen oder Partnerfirmen über ein SAP-System arbeiten bzw. interagieren lassen. Wie schon erwähnt, spielt auch ERP 6.0 Enhancement Package 8 eine große Rolle.

In der Planung sind an die 100 neue Business Functions, die den Leistungsumfang von SAP-Systemen deutlich erhöhen und Dinge möglich machen, die mit dem aktuellen Release noch nicht denkbar sind.

E-3: Wie viel Prozent der Systeme laufen schätzungsweise noch nicht mit Unicode?

Behr: Momentan laufen nach Schätzungen noch viele Tausend produktive Systeme im Non-Unicode-Mode. Das sind etwa 30 Prozent aller SAP-Installationen weltweit.

E-3: Wie können sich Unternehmen schon jetzt am besten auf das Thema Unicode vorbereiten?

Behr: Auch wenn eine Unicode-Migration ein Projekt mit einer gewissen Tragweite ist, sollten sich Unternehmen durchaus schon jetzt darauf vorbereiten.

So kann etwa mithilfe der Transaktion UCCHECK geprüft werden, welche kun­deneigenen Programme nicht unicodekompatibel sind. Weiterhin können im Vorfeld auch schon die Kommunikationswege und Schnittstellen zu Geschäftspartnern auf Unicode-Fähigkeit geprüft werden.

E-3: Eine Frage zur optimalen Vorgehensweise mit Hinblick auf die Unicode-Einführung: Wie würden Sie vorgehen und was würden Sie Unternehmen raten?

Behr: Prinzipiell muss man sich bewusst sein, dass die Einführung von Unicode ein Daten-Migrationsprojekt ist, welches mit einigen Vor- und Nacharbeiten und einer System-Downtime verbunden ist.

Das optimale Vorgehen würde ich wie folgt beschreiben:

  1. Analyse der kundeneigenen Programme auf Unicode-Kompatibilität,
  2. Objekt-Konsistenzprüfung,
  3. Anpassen der Objekte und erneuter Kompatibilitätstest,
  4. Durchführung der Migration auf Entwicklungs-, Test- und Produktivlandschaft in mehreren Wellen, inklusive intensiver Testphasen.

E-3: Sie haben mit Ihrem Team ein Assessment zur Analyse und Vorbereitung zur Unicode-Einführung entwickelt. Wie genau läuft dieses ab?

Behr: Das ist richtig! Basierend auf den langjährigen Erfahrungen mit Migrationen und dem (Uni-)Codepage Support ist ein Assessment entstanden, mit welchem wir unsere Kunden auf eine „geräuschlose“ Einführung von Unicode vorbereiten.

Dabei prüfen wir sämtliche Objekte auf Kompatibilität und Konsistenz und unterstützen bei der Anpassungsentwicklung. Besonders wichtig ist der in diesem Kontext erstellte Ablaufplan, welcher neben der zeitlichen Planung auch eine Menge an zusätzlichen Informationen und Handlungsanweisungen bereitstellt.

Unsere erfahrenen Berater stehen dabei als Mentor bereit oder übernehmen sämtliche Aufgaben im „Rundum-sorglos-Paket“. Das alles bieten wir zu einem Festpreis an.

E-3: Kann die BIT.Group Unternehmen bei der Unicode-Einführung aktiv unterstützen und wie sieht bei Ihnen die Betreuung nach einer erfolgreichen Migration aus?

Behr: Natürlich haben wir aufbauend auf dem Assessment einen Unicode-Migrationsservice etabliert. Hierbei führen erfahrene Berater die Migration zu Unicode durch, egal ob es sich um 1-, 2- oder 3-Systemlandschaften handelt.

Wir haben für alle Anforderungen das passende Paket. Natürlich gehört dazu auch der typische „After-Go-Live-Support“, nach erfolgreicher Durchführung der Migration. Wir als BIT.Group verstehen uns als Dienstleister in der „Run-Phase“ und bieten eine breite Palette an Dienstleistungen rund um den SAP-Basis-Betrieb und das typische Applikation-Management an.

Angereichert durch allumfassende Expertise im Bereich des SAP Solution Manager, welcher als zentrales Administrationswerkzeug für SAP-Systemlandschaften verschiedener Komplexität im Betrieb genutzt wird.

E-3: Wie lange müssen Unternehmen für Analyse und eine darauffolgende Unicode-Einführung einplanen und kann man schon eine Aussage zum Invest treffen?

Behr: Das kann man nicht pauschalisieren, da der Aufwand für die Vorbereitung stark von der Anzahl der Kundenobjekte im System abhängt. Je mehr Programme im Kundennamensraum modifiziert werden müssen, desto höher ist der zeitliche und finanzielle Aufwand.

Bei der eigentlichen Migration der Systeme tun wir uns leichter und bieten Festpreis-Pakete an. Auch wenn der Aufwand und die Dauer der Migration von der Datenbankgröße abhängen, haben wir aufgrund unserer Erfahrungen feste Services entwickelt.

E-3: Seit Mitte Oktober 2015 ist das neue Release zum SAP NetWeaver – Version der 7.5 – auf dem Markt. Was können die Kunden davon erwarten?

Behr: Mit NetWeaver 7.5 wird es eine neue Basiskomponente für die SAP Business Suite und S/4 Hana geben. Eine interessante Neuerung ist die Unterstützung von Java 8, welches vor allem in den Lösungen des Enterprise-Portals oder der Process-Orches­tration verwendet wird und eine Menge an Vorzügen mit sich bringt.

Im Abap-Umfeld sind die Core Data Services (CDS) eine innovative Neuerung. Mit diesem Framework wird das Design von komplexen Datenmodellen auf Datenbankebene erleichtert und nutzt vor allem die Vorteile der In-memory-Verarbeitung.

Weiterhin wurde einiges an der Hana-Cloud-Plattform (HCP) verbessert, was die Integration von cloudbasierten Systemen in hinlänglich bekannte On-premise-Lösungen verbessert. Zusätzlich wird die Integration des Internet of Things weiter vorangetrieben. Von diesen Vorzügen kann man jedoch nur profitieren, wenn die Systeme wie erwähnt auf Unicode laufen.

E-3: Zum Schluss möchten wir Sie noch um einen kurzen Ausblick bitten: Wie werden Systeme künftig aussehen und macht es Sinn, schon jetzt den Fokus auf Hana zu legen?

Behr: Wenn man mal in die Vergangenheit blickt, haben sich SAP-Systeme im letzten Jahrzehnt von simplen Systemen hin zu komplexen, verteilten und global operierenden Landschaften entwickelt.

Der Trend Hana und Cloud ist allgegenwärtig und SAP ist in der Entwicklung des R/3-(ERP)-Nachfolgers namens S/4. Die ersten Lösungen dafür stehen auch schon bereit und werden im Moment von einigen Kunden eingeführt.

Ich denke, dass der Trend weg vom System- hin zum Geschäftsprozess-Denken geht. Dabei wird es zukünftig egal sein, wo die Geschäftsprozesse abgebildet sind: Zum einen in typischen On-pre­mise-Landschaften, zum anderen aber auch über hochspezialisierte On-demand-Lösungen aus der Cloud.

Natürlich ist auch Hana in Hinblick auf große Datenmengen im Kontext von Big oder Easy Data und immer höherer Geschwindigkeitsansprüche in aller Munde. Riesige Datenmengen in noch kürzerer Zeit auszuwerten und bereitzustellen sind die neuen Herausforderungen, vor denen SAP steht. Hana kann dafür die Antwort sein. Und um den Bogen zurück zu Unicode zu spannen: Hana verlangt ein unicode­kompatibles System.

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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