Information und Bildungsarbeit von und für die SAP®-Community

Und es bewegt sich doch

Naturgemäß bewegt sich S/4. Die SAP-Bestandskunden sind dazu verurteilt, auch diesen ERP-Versionswechsel noch zu vollziehen – koste es, was es wolle.
Das-Letzte-Satire
avatar

Der klassische SAP-Bestandskunde kennt die Herausforderungen eines Releasewechsels und die SAP-Community kennt die Diskussion um den Mehrwert eines Releasewechsels. Viele Projekte sind lediglich technischer Natur, damit die vorhandene Version nicht aus der Wartung fällt.

Oft war in der Vergangenheit der Release-wechsel aber auch Anstoß zur Entwicklung neuer Geschäftsprozesse. Seit einigen Jahren heißt es nicht mehr Business Process Reengineering, sondern digitale Transformation. Letztendlich geht es um bessere Orchestrierung, Synchronisierung und Effizienz des ERPs. Für die SAP-Bestandskunden ist es ein mühsamer Weg – aber SAP verdient sehr gut daran.

Die vielen Releasewechsel beruhen auf einem simplen Trick: Die Standardleistung der Software wird fortlaufend reduziert, sodass der Bestandskunde bei jedem Wechsel neue Zusatzprodukte erwerben muss, um den gleichen Funktionsumfang wie vor dem Wechsel zu erreichen, siehe Illustration. SAP verdient gut daran: Natürlich ist die Illustration auch eine versteckte Anspielung auf die sehr großzügige Autopolitik der SAP. Nahezu die Hälfte der SAP-Mitarbeiter in Deutschland fährt ein Dienstauto, am Freitag gibt es keine Meetings und Homeoffice ist eine Selbstverständlichkeit. SAP verdient sehr gut. SAP ist reich und kann sich vieles leisten.

Die mittlerweile über zehn Jahre alte Illustration gibt einen kurzen Einblick, woher das Geld kommt. Bereits zur Regentschaft von Ex-SAP-CEO Professor Henning Kagermann, hier als wortgewaltiger Autoverkäufer, musste der Bestandskunde zu jedem Releasewechsel tief in die Geldbörse greifen. Aktuell ist es ähnlich. Der Releasewechsel schmerzt und dennoch bewegen sich die S/4-Hana- Installationszahlen stetig aufwärts.

Viele SAP-Bestandskunden haben momentan keine Wahl. Sie müssen sich in Richtung S/4 bewegen. Das alte System ERP/ECC 6.0 fällt aus der Wartung und das neue System wird notwendig, um den Anschluss ans Cloud Computing nicht zu verlieren. Wider besseres Wissen begeben sich die Anwender auf den S/4-Weg – ähnlich, wie einst der italienische Mathematiker, Physiker und Philosoph Galileo Galilei widerrief, als er die Folterinstrumente der Inquisition sah. Er schwörte dem heliozentrischen Weltbild ab, auch Kopernikanisches Weltbild genannt, und akzeptierte die von der katholischen Kirche vorgegebene Lehrmeinung, das geozentrische Weltbild.

Viele SAP-Bestandskunden verlassen in dieser Zeit den ECC-Weg, obwohl der SAP-Anwenderverein schon vor vielen Jahren festgestellt hat, dass eine digitale Transformation auch mit der SAP Business Suite 7 gut gelingen kann. Noch schwören die Anwender auf S/4, auch wenn es teuer wird. Optionen wie Rise, Cloud und FUE kosten viel Geld und Zeit. Der Weg ist von SAP bis 2040 abgesichert. Was danach kommt, liegt aber im Dunkeln.

Mutige Bestandskunden beginnen bereits jetzt nach Alternativen zu suchen. Auch Galileo Galilei glaubte weiterhin an das heliozentrische Weltbild und sagte später leise: „Und sie bewegt sich doch“ – gemeint war die Erde, die um die Sonne kreist. Wahrscheinlich gehört SAP einem sterbenden IT-Zeitalter an und in vielen Jahren wird auch die SAP-Community erkennen, dass das geozentrische Weltbild, mit SAP im Zentrum von allem, nicht unbedingt richtig sein muss.

Erstmals wurde die Karikatur von Robert Platzgummer (1975 bis 2016) in der E-3 Ausgabe März 2007 veröffentlicht. Damals war Professor Henning Kagermann der Chef bei SAP in Walldorf und praktizierte das Wechselspiel zwischen kostenfreien Add-ons, Pflegegebühr und NetWeaver-Erweiterungssets.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

magnifiercrosschevron-down