CFO - Kolumne Die Meinung der SAP-Community MAG 20-11

Überzeugt S/4 Hana Banking for Complex Loans?

CFO-Kolumne
Geschrieben von Volker Behnke, Innobis

In vielen Banken wird zur Bearbeitung von strukturierten Finanzierungen das SAP Loans Management for Banking herangezogen. Die Prozesse sind dabei oft ineffizient. S/4 Hana Banking for Complex Loans kann eine Lösung sein.

Im Bereich Core Banking ist S/4 Hana Banking for Complex Loans ein Standardprodukt. Die Software bietet die effiziente Bearbeitung von strukturierten Finanzierungen. Im Einzelnen ermöglicht sie die Verarbeitung und Überwachung von komplexen Finanzierungsstrukturen einschließlich der darin enthaltenen Syndizierungen, Stammdaten, Konditionen, Regeln (für Ziehungen, Zahlungssteuerung und Zahlungsketten), Covenants sowie die erforderlichen Geschäftsvorfälle (z. B. bei Rücktritten, Verzichten, Rückzahlungen, Prolongationen und Schuldnerwechseln). Technisch fußt sie als Add-on auf dem SAP Loans Management for Banking ERP (ehemals SAP FS-CML) und nutzt die S/4-Technologie.

Der Kern der SAP-Komponente ist der Finanzierungsarbeitsplatz (Financing Workplace), der allen Personen von Belang einen gemeinsamen Einstieg zum Anlegen und Bearbeiten von Finanzierungen und Syndizierungen bereitstellt. Die so entstandenen Finanzierungselemente werden im Back-End als Verträge der Darlehensverwaltung oder andere Konten abgelegt.

Im Detail: Der Finanzierungsarbeitsplatz ermöglicht es, alle Bestandteile der Finanzierung gemeinsam abzubilden und zu bearbeiten, quasi wie mit einer Excel-Tabelle, in der in jeder Zeile ein Darlehen gezeigt wird, sodass die Finanzierungsbestandteile übersichtlich dargestellt sind. Mittels Regelwerken können Konditionen automatisch abgeleitet und ergänzt werden.

Zu den Weiterentwicklungen der Software gehören eine angepasste User Experience sowie optimierte Workflows und ein erhöhter Automatisierungsgrad. Gerade im Hinblick auf das bisherige SAP Loans Management for Banking sind die Veränderungen augenfällig.

Die Oberflächen basieren auf dem Designkonzept von Fiori. Durch intuitive Masken und Erfassungshilfen ist eine leichte Dateneingabe möglich. Die User Experience gewinnt zudem durch eine vertragsnahe Darstellung komplexer strukturierter und syndizierter, aber auch bilateraler Kredite über die Abbildung in einer dreistufigen Hierarchie (Finanzierung – Tranche – Ziehung). Der Nutzer kann sich anhand der wichtigsten Informationen in vergleichsweise kurzer Zeit eine gute Übersicht über die Finanzierung verschaffen.

Des Weiteren bekommt der Anwender Unterstützung durch Workflow- und Monitoring-Prozesse, die beispielsweise in Freigabeprozessen bei Änderungen am Kreditvertrag, bei Covenants-Prüfungen, beim Ablauf von Inanspruchnahmefristen oder der Fälligkeit von impliziten Optionen zum Einsatz kommen.

Vorteilhaft in der Handhabung sind auch die Möglichkeit der Vererbung von Konditionen in Ziehungen und die Option, mit Kopien von strukturierten Finanzierungen verschiedene Vertragsänderungen zu simulieren. In puncto Automatisierung lässt sich festhalten, dass die Kreditbearbeitung mit einer Vielzahl von bekannten oder zusätzlichen neuen Geschäftsvorfällen deutliche Unterstützung erfährt.

Jetzt stellt sich für Kunden natürlich die Frage: Überzeugt die Software? S/4 Hana Banking for Complex Loans ist eine durchdachte Lösung für strukturierte Finanzierungen mit hohem Einsparpotenzial in der laufenden Bearbeitung wie auch im Rückbau der bisherigen IT-Eigenentwicklungen. Die Funktionalitäten und die neuen Oberflächen liefern einen hohen Mehrwert für die Bank.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Fachbereich lässt sich an der Oberfläche und den dort unterstützen Funktionalitäten zur Erfassung erkennen. Mit der Basis SAP Loans Management für Datenhaltung und Berechnungen wird zudem ein ausgereiftes Standardprodukt von SAP genutzt.

In der Theorie zeigt sich die neue Lösung äußerst smart – sie besticht durch wesentliche technische Verbesserungen für eine effiziente Arbeitsweise im Fachbereich. Eine Voraussetzung, die man allerdings bedenken muss: Die Software fordert beinahe zwingend den Umstieg auf das neue ERP-System S/4 Hana, denn die Einführung eines Parallelbetriebs mit einer hybriden Lösung wäre unrentabel.

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Über den Autor

Volker Behnke, Innobis

Volker Behnke ist Manager Consulting Services bei Innobis.

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