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Trotz Suite-7-Wartungsverlängerung 2027/2030: Brownfield oder Greenfield?

[shutterstock.com: 97283357, VLADGRIN]
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Geschrieben von E-3 Magazin

SAP hat eine Wartungsverlängerung für ERP/ECC 6.0 und Business Suite 7 festgelegt. Bis 2027 bleibt das führende ERP-Produkt in der Standardwartung. Bis 2030 bietet SAP eine Extended Maintenance an. Warum? Weil den meisten Bestandskunden noch immer eine S/4-Roadmap fehlt.

Eine kürzlich veröffentlichte Lünendonk-Studie zeigt, dass erst wenige SAP-Bestandskunden eine konkrete Roadmap zur Transformation der Business Suite 7 zu S/4 besitzen, bereits umsetzen oder den Wechsel gar schon abgeschlossen haben.

Das heutige zaghafte Handeln würde zu einem Projektstau zum Jahr 2025 führen – dem ursprünglichen Wartungsende von ECC 6.0. Eine der zentralen Fragestellungen bei der Migration auf S/4 bleibt und ist die Überlegung, ob der Brownfield-Ansatz – also die Migration des bestehenden Systems sowie dessen Prozesse zum neuen System – oder der Greenfield-Ansatz – die Neuimplementierung des SAP-Systems – genutzt wird.

„Unsere Kunden zeigen uns, dass sie mit SAP S/4 Hana den Weg Richtung Zukunft beschreiten möchten. Sie erwarten von SAP ein langfristiges Bekenntnis zu dieser Plattform“

sagte Christian Klein, Co-Vorstandssprecher der SAP.

„Wir wissen, dass unsere Kunden umfangreiche Transformationsprojekte durchführen. Darüber hinaus weist die deutschsprachige User Group in ihrer kürzlich veröffentlichten Umfrage darauf hin, dass die Investitionen der Kunden in S/4 Hana deutlich zunehmen.“

SAP will vollständige Transparenz zur Wartung für die Business Suite 7 bieten und verlängert für zwei weitere Jahre die Mainstream-Wartung für Kernanwendungen aus ERP/ECC 6.0. In dieser „Auslaufphase“ wird SAP weiterhin die umfassenden Leistungen der Standardwartung bieten.

Es soll nach Aussagen von SAP dabei weder Vertragsänderungen geben noch werden zusätzliche Gebühren anfallen. Nach dieser Phase bietet SAP den Bestandskunden die Möglichkeit, zu wählen, wie sie die Wartung für Kernanwendungen der Business Suite 7 ab 2028 fortsetzen möchten.

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Frage: In welcher Phase befindet sich Ihr Unternehmen bei der Umstellung der bisherigen ERP-Systeme auf die neue ERP-Version von SAP? (Quelle: Lünendonk)

Suite-7-Bestandskunden, die Support für ihre Anwendungen in längeren Umstellungsphasen auf S/4 benötigen, können auf das bewährte Angebot der Extended Maintenance zurückgreifen.

Dies ist verbunden mit einem Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die bestehende Wartungsbasis und gilt für alle Supportangebote. Extended Maintenance steht für drei weitere Jahre von 2028 bis 2030 zur Verfügung.

Bestandskunden, die sich nicht bis Ende 2027 für die erweiterte Wartung entscheiden, sondern ihre Softwaresysteme mit der SAP Business Suite 7 weiterführen möchten, werden automatisch auf die Customer Specific Maintenance umgestellt. Diese beinhaltet die Lösung bereits bekannter Probleme bei unveränderten Gebühren.

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Frage: Auf welchen Migrationsansatz setzt Ihr Unternehmen bei der Umstellung auf S/4 Hana?

„Die gesamten Ankündigungen sind ein wichtiger und vor allem der richtige Schritt von SAP. Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass SAP seinen Kunden und Stakeholdern Gehör schenkt“

sagte Andreas Oczko, Fachvorstand Service & Support, Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG).

„Die langfristigen Zusagen führen die Diskussion weg vom Zeitdruck und zurück zum Wesentlichen.“

Diese gewonnene Zeit muss laut Andreas Oczko umgehend genutzt werden:

„Die Wartungszusagen für S/4 Hana bis mindestens 2040 sowie für die Business ­Suite 7 bis Ende 2030 sind kein Freibrief, weiter zu warten.“

Neben dem verminderten Zeitdruck durch das Wartungsende lassen sich dennoch gute und sachliche Gründe für den Umstieg auf S/4 finden. Die Lünendonk-Studie zeigt, dass viele Unternehmen erst allmählich mit der Umsetzung beginnen.

Auch wenn nur drei Prozent der Befragten angeben, lieber noch abzuwarten und auf eine – nun realisierte – Verlängerung der ECC-6.0-Wartung zu setzen, sind insgesamt viele Unternehmen in frühen Planungsphasen zu verorten:

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Frage: Was sind die drei wichtigsten Gründe, warum Sie sich für den Brownfield-Ansatz entschieden haben? (Mehrfachnennungen, Quelle: Lünendonk)

52 Prozent führen erst Vorstudien durch und 30 Prozent sind mit der Entwicklung einer konkreten Roadmap beschäftigt. Magere zehn Prozent der befragten Unternehmen haben die S/4-Transformation bereits abgeschlossen.

„Mehr als jedes zweite untersuchte Unternehmen, 57 Prozent, wird sich nach aktuellem Planungsstand für den Brownfield-Ansatz entscheiden und die Prozesse weitestgehend unverändert lassen“

so Mario Zillmann, Partner bei Lünendonk und Hossenfelder und Studienautor.

Die wesentlichen Gründe für den Brownfield-Approach sind vor allem die weitere Nutzung und die Optimierung der bestehenden Prozesse und Strukturen (51 Prozent). Ein Drittel spricht sich dafür aufgrund der schnelleren Umsetzung im Vergleich zum Greenfield-Ansatz aus. Weitere Gründe stellen der geringere Aufwand sowie niedrigere Kosten durch den Brownfield-Ansatz dar.

Demgegenüber bevorzugen 25 Prozent der befragten Unternehmen den Greenfield-Ansatz. Innerhalb der Finanzdienstleistungsbranche steigt der Wert sogar auf ein Drittel.

Die Hälfte der Unternehmen gibt an, sich für diesen Ansatz zu entscheiden, um sich von Altlasten zu befreien und eine neue Systemlandschaft aufbauen zu können, mit der sie für die Zukunft gerüstet sind.

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Frage: Was sind die drei wichtigsten Gründe, warum Sie sich für den Greenfield-Ansatz entschieden haben? (Mehrfachnennungen, alle Grafiken bis auf DSAG: Lünendonk-Studie 2019 „Mit S/4 Hana in die digitale Zukunft“)

Weiterhin entschieden sich 25 Prozent der Befragten für die Neuaufsetzung des ERP-Systems, da somit keine Einschränkung der laufenden Geschäftsprozesse stattfindet.

„Um das Kerngeschäft nicht zu behindern, bleiben die IT-Prozesse bestehen und parallel dazu werden neue Geschäfts- und IT-Prozesse aufgebaut, die den Anforderungen an die Digitalisierung entsprechen“

fügt Mario Zillmann hinzu.

Die Analyse zeigt, dass sowohl unternehmens- als auch branchenspezifische Anforderungen ausschlaggebend sind und nicht die Unternehmensgröße.

„Ein zentrales Kriterium sollte sein, ob sich ein Unternehmen mit der aktuellen Prozesslandschaft auch für die Zukunft gut aufgestellt fühlt oder ob die Prozesse beispielsweise stärker kundenzentrisch ausgerichtet werden müssen“

gibt Zillmann zu bedenken.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.