Mag 22-04 No/Name - Kolumne

Tagessätze und S/4-Budgets

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Game changer
Geschrieben von no-name

Für unseren zentralen Standort habe ich eine finale S/4-Roadmap und ein Budget. Bei der Präsentation und Nennung der Gesamtsumme blieb mein CFO überraschend ruhig. Seine Frage verunsicherte mich: Was bekommen wir dafür?

Es ist die alte Diskussion in der SAP-Community im Zusammenhang mit dem Thema technischer Releasewechsel. Rise with SAP ist aktuell ein Marketingversprechen und eine rudimentäre Blaupause für den Weg zum Cloud Computing. Ich habe gute Präsentationen zum Thema Process Mining gesehen und fast jeder redet bei uns im Unternehmen von der digitalen Transformation – das Tagesgeschäft sieht aber anders aus.

Ein CFO gibt niemals freiwillig Budgetmittel frei. In meinem Fall wurde mir für das anstehende IT-Budget jedoch signalisiert, dass es auch etwas mehr sein darf, wenn der Gegenwert stimmt. Hier gerate ich ins Nachdenken: Wo finde ich den Mehrwert von Hana und S/4? Wie kann ich mit diesem Releasewechsel eine zeitgemäße Plattform garantieren?

Vor mir liegt die Herausforderung, ein passendes Preis-Leistungs-Verhältnis für die S/4-Conversion zu finden. Auf der einen Seite könnte ich mit hohen Tagessätzen genügend Berater engagieren, um meinen Releasewechsel bis 2027 abzuschließen; auf der anderen Seite weiß ich jetzt schon, dass diese enormen Kosten das Resultat nicht rechtfertigen. Mein Unternehmen hätte dann 2027 ein flächendeckendes S/4 mit einer hervorragenden Datenbankplattform, aber zu einem Preis, der durch nichts zu rechtfertigen ist.

Leider sieht SAP diese Herausforderung nicht, weil auch nach 50 Jahren SAP noch immer nicht gelernt hat, ganzheitlich zu denken. Ich habe mich zu Beginn meiner CIO-Karriere nicht freiwillig mit Betriebswirtschaft befasst und die vielen Abende, die ich mit unserem CFO in der Kantine gesessen bin, werde ich auch nicht vergessen. Aber ein SAP-System wird nur dann als Erfolg wahrgenommen, wenn es einen Ausgleich zwischen Betriebswirtschaft, Organisation, Technik und Software-Lizenzen gibt.

Eine nicht mehr zeitgemäße Technik mit hohen Tagessätzen zu customizen erscheint mir wenig ratsam. Weil ich noch nicht weiß, wie es nach Hana und S/4 weitergeht, ist die Bereitschaft gering, große Summen für den S/4-Releasewechsel auszugeben. Vereinfacht gesagt: Millionen von meinem CFO zu verlangen für einen Zeithorizont bis 2027/2030 erscheint mir verantwortungslos.

Diese S/4-Conversion hat zu wenig Mehrwert und sollte demnach als Vollkostenrechnung wesentlich preiswerter zu bekommen sein. Mit niedrigeren Tagessätzen und SAP-Lizenzen wäre auch das Risiko wesentlich geringer und die Frage des Vorstands, was er dafür bekommt, auch leichter zu beantworten. Die SAP-Community ist jedoch kein Lieblingsspielplatz der Informatiker. Es ist schwierig, Entwickler und Berater zu finden, die in meinen Budgetplan passen.

Meine aktuelle S/4-Roadmap ist somit ein Abwarten und Hinhalten: Wir machen aktuell die notwendigen Vorbereitungen auf einen Datenbankversionswechsel und beschäftigen uns theoretisch mit S/4 in zahlreichen Proof of Concepts. Diese Unentschlossenheit können wir noch 18 Monate durchhalten, dann müssen wir eine Entscheidung fällen oder SAP gibt uns eine Antwort, wie es jenseits von S/4 aussieht.

Auch eine andere Antwort wurde von SAP noch nicht gegeben und somit will ich auch ein wenig zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine beitragen und zum Nachdenken einladen. In einem Interview auf Spiegel Online wurde an den jungen Mychajlo Fedorow (31), ukrainischer Minister für digitale Transformation und Vizepremierminister, die Frage gestellt: „Sie haben die deutsche Firma SAP bisher vergeblich aufgefordert, ihre Geschäfte mit Russland zu stoppen. Können deutsche Firmen mehr tun, um der Ukraine zu helfen?“

Mychajlo Fedorow antwortete den Spiegel-Reportern Monika Bolliger und Christoph Scheuermann: „Deutsche Firmen können den russischen Markt verlassen und vor allem Verträge mit der Regierung und mit Entitäten im Staatsbesitz kündigen. Ganz besonders SAP kann mehr tun. Sie sind das Rückgrat von staatlichen Betrieben und Banken, sie machen Profit in Russland und zahlen Steuern, die den Krieg finanzieren. Die Ukrainer haben nichts getan, um diesen Krieg zu verdienen. Dieser Krieg hat die Welt in Schwarz und Weiß geteilt. Deshalb ist es an der Zeit, dass die globalen Unternehmen Farbe bekennen und uns unterstützen. Wir würden auch finanzielle und andere Unterstützung schätzen, etwa für unsere Cyberkapazität.“

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