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6. September 2022

Supply Chain Planning

Die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen bringen Unternehmen an ihre Grenzen. Gut aufgestellt sind die Unternehmen, die über transparente Prozesse in der Supply Chain verfügen.
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Sie können mit einer smarten Steuerung ihrer globalen und lokalen Grob- und Feinplanungsprozesse Gegenmaßnahmen einleiten und die Auswirkungen abmildern. Supply Chains bergen in der aktuellen Zeit für Unternehmen oftmals die größten Herausforderungen. Wenn etwa aufgrund einer Havarie die Containerschiffe ausbleiben oder Wirtschaftssanktionen verhindern, dass dringend benötigte Baugruppen geliefert werden. Wie schafft es ein prosperierendes Unternehmen, sich die nötige Transparenz zu verschaffen, um proaktiv gegensteuern zu können? Durchgängig digital vernetzte Lösungen helfen hier oftmals weiter. Zwar lassen sich damit keine Störungen beim Warentransport lösen, dafür lassen sich aber möglicherweise die Auswirkungen auf die Produktion im Unternehmen durch hohe Transparenz abmildern, indem sich die Warenströme clever umsteuern lassen. Dazu bedarf es gut aufeinander abgestimmter, transparenter Grob- und Feinplanungsprozesse, die sich von der Absatzplanung über Einkauf, Produktion und Bestand bis hin zur Distribution sowie einer optimierten Maschinenbelegung erstrecken.

Die Ruhe ist vorbei

Die Tage, in denen alles wie am Schnürchen lief, sind Vergangenheit. Mit in die Jahre gekommenen Enterprise-Resource-Planning-Systemen lassen sich die neuen Herausforderungen nicht meistern, da sie lokal sehr begrenzt sind sowie keinen detaillierten Blick auf die internationalen Warenströme und die finanzielle Situation des gesamten Unternehmens bieten. Die neuen Lösungen von SAP erlauben eine ganzheitliche Sicht auf die relevanten Unternehmensprozesse. Angefangen bei der Absatzplanung über die Logistik, die Produktion bis hin zur Lieferung zum Kunden – bei einer optimalen Modellierung sogar nahezu in Echtzeit. Schlüsselkomponenten sind dabei SAP Integrated Business Planning (IBP) für die Grobplanung der Produktion und Distribution sowie Production Planning und Detailed Scheduling (PP/DS) für die Feinplanung. Mit beiden Lösungen lässt sich ein nahezu lückenloser Weg der Produkte vom Wareneingang über die Veredelung bis hin zum Kunden nachzeichnen.

Warenströme dirigieren

Das Big Picture im SCM bietet die Grob-planung mit IBP. Die SaaS-Lösung schafft Transparenz über Bedarfe, Bestände und Kapazitäten entlang der Supply Chain. Innovative Prognoseverfahren und Planungsalgorithmen für Absatzplanung, Produktion, Distribution und Beschaffung unterstützen bei der gezielten Bestandsoptimierung und stellen so die Lieferbereitschaft über das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk sicher. Simulationen verschiedener Planungsszenarien helfen zudem Anwendern, im Rahmen von What-If-Analysen den Überblick über die Folgen von Veränderungen und Entscheidungsalternativen zu behalten.

Da IBP aufgrund seiner Cloud-Architektur von der On-premises-Welt entkoppelt ist, entfällt nicht nur die Notwendigkeit, große Softwarepakete einzuspielen, sondern auch die Beachtung spezieller Release-Stände. Grund: SAP aktualisiert die SaaS-Lösung automatisch und versorgt die Lösung permanent mit Funktionsupdates. Die Wartung der Lösung gestaltet sich dadurch sehr komfortabel und entlastet die Unternehmens-IT. Die Prozess- und Datenintegration mit externen Systemen stellt ein ERP-Add-on für SAP ERP/ECC 6.0 und S/4 Hana sowie diverse Schnittstellen sicher.

Vier Module, ein Dashboard

IBP setzt sich im Grundsatz aus den vier Modulen – IBP for Demand, IBP for Response and Supply, IBP for Sales und Operations und IBP for Inventory – zusammen. Über ihnen thront der Supply Chain Control Tower. Er funktioniert als eine Art zentrales Dashboard, das Anwendern dabei hilft, den Überblick über vorhandene Daten zu behalten, Störungen frühzeitig zu erkennen und diese richtig zu priorisieren. IBP sieht bereits Möglichkeiten für das Ausnahmenmanagement und die Einbindung externer Stakeholder vor. Mit dem Supply Chain Control Tower erhalten Unternehmen zusätzlich umfangreiche Alert-Monitoring-Funktionalitäten, ein Fallmanagement zur Bearbeitung der Alerts und eine Integration von SAP Ariba, einem cloudbasierten B2B-Marktplatz für Einkäufer und Lieferanten. Dadurch wird die Transparenz verstärkt; außerdem werden das Performancemanagement mit standardisierten und kundenspezifischen Kennzahlen sowie das Eventmanagement mit Fall- und Aufgabenbearbeitung optimiert.

Globalisierung im Fokus

Die Absatzplanung gehört aufgrund saisonaler Schwankungen, flexiblerer Produktpaletten und anspruchsvollerer Kunden zu den großen Herausforderungen im Supply Chain Management. IBP for Demand sorgt hier mit einer präzisen Bedarfsprognose und der kurz- bis mittelfristigen Ermittlung von Absatzmengen für mehr Robustheit in allen folgenden Planungsschritten. Diese Bedarfsprognose basiert auf ausgefeilten statistischen Methoden, welche wiederum die Grundlage für die Beschaffungs-, Bestands- und Produktionsplanung schaffen. Im Rahmen des Prognoseverfahrens werden vergangene Daten aufbereitet und bereinigt – sie bilden das Fundament für eine präzise Absatzplanung. Zur Präzision trägt außerdem das Demand Sensing bei, mit dessen Hilfe Informationen bzw. aktuelle Daten aus den Lieferketten sehr schnell genutzt werden können. Außerdem können mit IBP globale und lokale Planungen in Einklang gebracht werden. Consilio-Kunde Rehau setzt beispielsweise auf dieses Modul aufgrund der benötigten Vorhersage-Algorithmen und der PLM-Funktionalitäten.

Kundenbedarfe im Blick

Eine abgestimmte Response-and-Supply-Planung ist die Voraussetzung, um auf schwankende Kundenbedarfe und auf Störungen im Netzwerk reagieren zu können. Im Blickpunkt stehen dabei die Prozesse zur taktischen, operativen und reaktiven Supply-Planung. Diese werden in IBP for Response und Supply durch performante sowie kosten- und regelbasierte Verfahren unterstützt und sind je nach zeitlichem Horizont zeitreihenbasiert oder auftragsbasiert. Taktische Supply-Planung ist zeitreihenbasiert und ermöglicht infinite und finite Produktions- und Distributionspläne zur mittel- bis langfristigen Planung von Mengen, Kapazitäten, Kosten und Umsätzen. Darüber hinaus kann man dank Kapazitätserweiterung, Komponentenersetzung, automatischer Produktmixanpassung und Multi-Sourcing auf Veränderungen und Störungen im Netzwerk planerisch reagieren. Diese Funktionalität war etwa für Teekanne ein wichtiges Entscheidungskriterium, IBP einzuführen, um eine grobe zeitreihenbasierte Planung für seine Supply Chain zu realisieren. Eine operative Supply-Planung ist auftragsbasiert und für die finite und tagesgenaue Planung von Aufträgen für Produktion, Einkauf und Umlagerung geeignet. Die Planung basiert auf einer regelbasierten Kundenauftrags- und Prognosepriorisierung. Auf dieser Grundlage überträgt IBP Bestätigungen ins ERP, woraufhin kurzfristige Distributionsaufträge erstellt werden können. Reaktive Response-Planung ist ebenfalls auftragsbasiert und eignet sich für flexible Reaktionen auf Änderungen im Bedarf und in der Supply Chain durch Umplanung von Produktions-, Distributions- und Beschaffungsaufträgen. 

Was wäre, wenn …?

SAP IBP for Sales und Operations bietet integrierte Prozesse für die Synchronisation der Absatz- mit Supply- und Finanzplanung. Daneben können auch andere Bereiche wie Forschung und Entwicklung, Beschaffung oder externe Stakeholder eingebunden werden. IBP for Sales und Operations ermöglicht einen stetigen Austausch durch wöchentliche oder monatliche Review-Meetings. Dadurch lassen sich Abstimmungen für die gesamte Supply Chain auf einer einheitlichen Datengrundlage treffen (Single Source of Truth). Integrierte Excel-Planungssichten und Fiori-Dashboards gewährleisten zudem eine einheitliche und intuitive Nutzerführung und ermöglichen die optimale Nutzung relevanter Funktionen wie einer einfachen statistischen Bedarfsplanung, infiniter Supply-Planung oder einer Chancen- und Risikoplanung. Bedarfsweise lassen sich auch Funktionen von anderen IBP-Modulen einbinden oder Simulationen, etwa zu Bestellmengen oder zum Schichtbetrieb, durchführen.

Christoph Habla, Consilio
SAP IBP bietet den Zugriff auf innovative IT-Planungs-werkzeuge für Produktion, Distribution und Beschaffung, mit denen Unternehmen künftige Herausforderungen erfolgreich bewältigen. Christoph Habla, Partner, Head of IBP, Consilio GmbH

Das Lager unter Kontrolle

Für Unternehmen ist es eine große Herausforderung, sowohl knapp am Bedarf ausgerichtete Bestände zu realisieren als auch für zufriedene Kunden zu sorgen. IBP for Inventory ermittelt, wie viel Bestand an welchen Punkten der Supply Chain gehalten werden sollte, um einerseits Kunden beliefern zu können und andererseits Bestandskosten zu minimieren. Der dynamische Ansatz des Moduls ermöglicht es Planern, den Bestand der kompletten Supply Chain zu optimieren und Prognosefehler, Bedarfsschwankungen und Beschaffungsunsicherheiten zu minimieren.

Bestände planen

IBP for Demand-driven Replenishment erlaubt eine Planung auf Basis der tatsächlichen Kundennachfrage unter Nutzung strategisch entkoppelter Materialflüsse, um Störungen in der Lieferkette zu überwinden. Inhärente dynamische Anpassungen von Bestandspuffern schützen dabei den Materialfluss und regulieren die Kapitalbindung. So lassen sich Bestandspuffer bestmöglich planen.

Wenn’s um die Details geht

Feinplanungsprozesse sind mit IBP nicht realistisch abbildbar, da es mit seinen Algorithmen und im Rahmen eines S&OP-Prozesses (Sales und Operations Planning) den Fokus auf eine profitable Allokation der Kapazitäten und Mengen legt. In diesem Bereich kommt die integrierte Feinplanung SAP Embedded PP/DS ins Spiel (ePP/DS). Sie ermöglicht werks- und dispostufenübergreifend abgestimmte, geglättete und machbare Produktionspläne und reduziert dadurch die Durchlaufzeit in der gesamten Produktionskette. Da die Feinplanung sämtliche Fertigungsrestriktionen wie Maschinen-, Personal-, Fertigungshilfsmittelkapazitäten und -verfügbarkeit simultan berücksichtigt, lässt sich mit PP/DS eine rüstoptimierte Planung und optimale Nutzung der Ressourcen realisieren. Der Automobilzulieferer und Consilio-Kunde Dr. Schneider nutzt beispielsweise die Vorteile von PP/DS für die Optimierung seiner Kuppelproduktion im Spritzguss, um eine hohe Transparenz in der Fertigung zu erhalten.

Den SAP-Standard erweitert das Consilio-Add-on PP/DS Analytics. Es ermöglicht zusätzlich den Zugriff auf die Livedaten von PP/DS-Daten und erlaubt dadurch eine dynamische, KPI-basierte Bewertung der Planungsqualität mit Tools wie Embedded Analytics.

Georg Klinger, Consilio
Ein guter Produktionsplan muss Restriktionen in der Supply Chain wie Maschinen, Personal oder Werkzeuge berücksichtigen, aber gleichzeitig so flexibel sein, dass sich Engpässe oder Marktveränderungen adressieren lassen. Mit dem Gespann aus IBP und PP/DS lässt sich das realisieren. Georg Klinger, Partner, Senior SCM Architect, Consilio GmbH

Das volle Potenzial

Grob- und Feinplanung adressieren unterschiedliche Planungsprobleme, -ebenen und -horizonte. Es ist daher im Normalfall falsch, dass man alle Planungsprobleme mit nur einem der Ansätze bzw. nur mit einer der beiden Lösungen IBP oder PP/DS bewältigen kann. Insbesondere aus Supply-Chain-Gesamtsicht ist es nicht zielführend zu versuchen, alle Planungsprobleme mit nur einem Feinplanungswerkzeug wie PP/DS lösen zu wollen, da der Fokus einer zukunftsorientierten Feinplanung darin liegt, im Kurzfristhorizont Detailentscheidungen zu treffen. Gleiches gilt auch andersherum. IBP punktet vor allem in der Grobplanung, weil es alle Werkzeuge mitbringt, um eine profitable Allokation der Kapazitäten und Absatzmengen wie beispielsweise Werke, Lager, Produktionsressourcen, Produktgruppen, Kunden, Lieferanten und Perioden zu planen – eine Feinplanung ist damit aber nicht sinnvoll möglich. Daraus folgt: Wer das Planungspotenzial ganzheitlich ausschöpfen will, kombiniert IBP und PP/DS und sorgt mit aufeinander abgestimmten Grob- und Feinplanungsprozessen – dem sogenannten Synchronized Planning – für eine effiziente Planung seiner Supply Chain und Produktion.


Lebensmittelindustrie

Die Dr. Schneider Unternehmensgruppe zählt im Bereich der Belüftungssysteme und bei Fensterrahmenverkleidungen zu den Weltmarktführern im Automotive-Premiumbereich.

In der Fertigung setzt Dr. Schneider auf eine Kuppelproduktion. Das bedeutet: Mittels spezieller Werkzeuge werden mehrere Produkte gleichzeitig aus demselben Material hergestellt. Folge: Wenn Produkt A geplant wird, wird Produkt B gleichzeitig mitgeplant beziehungsweise abgeworfen. Das Unternehmen wollte jedoch, dass dieser Prozess mit separaten Aufträgen abgebildet wird. Um die Kosten transparenter zu gestalten, sollte die Kuppelproduktion nicht über einen, sondern über mehrere Aufträge abwickelt werden, da sonst auch die Kosten im Controlling über einen statt über separate Aufträge zurückgemeldet werden. Mit dieser Methode werden die unterschiedlich hohen Ausschussmengen sichtbar und lassen sich so im Auftrag abbilden, um Kosten und Ausschussmengen für einzelne Produkte getrennt zu betrachten und zu definieren. Zusammen mit Consilio hat Dr. Schneider die Anforderungen im PP/DS realisiert.

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Kunststoffindustrie

Rehau, ein führender Polymerspe-zialist in den Bereichen Wassermanagement, energieeffizientes Bauen, regenerative Energien, Mobilität und Future Living, holt sich bei der Einführung der cloudbasierten Planungssoftware IBP Unterstützung bei Consilio.

Durch die Einführung von IBP verspricht sich der Polymerspezialist Rehau eine zukunftssichere und flexible Planung der Supply Chain, eine erhöhte Effizienz der Planungsprozesse, eine optimierte Nutzung der verfügbaren Ressourcen und geringere Wartungsaufwände für die IT.

Bei der Umsetzung durch Consilio sollen die Prozesse Absatzplanung, Netzwerkplanung und Fertigwarendisposition abgebildet werden. Dafür kommen die Module IBP for S&OP als Grundmodul und zur Modellierung der Supply Chain sowie IBP for Demand wegen der benötigten Vorhersage-Algorithmen und der PLM-Funktionalitäten zum Einsatz.

Rehau Logo

Automotive

Die Dr. Schneider Unternehmensgruppe zählt im Bereich der Belüftungssysteme und bei Fensterrahmenverkleidungen zu den Weltmarktführern im Automotive-Premiumbereich.

In der Fertigung setzt Dr. Schneider auf eine Kuppelproduktion. Das bedeutet: Mittels spezieller Werkzeuge werden mehrere Produkte gleichzeitig aus demselben Material hergestellt. Folge: Wenn Produkt A geplant wird, wird Produkt B gleichzeitig mitgeplant beziehungsweise abgeworfen. Das Unternehmen wollte jedoch, dass dieser Prozess mit separaten Aufträgen abgebildet wird. Um die Kosten transparenter zu gestalten, sollte die Kuppelproduktion nicht über einen, sondern über mehrere Aufträge abwickelt werden, da sonst auch die Kosten im Controlling über einen statt über separate Aufträge zurückgemeldet werden. Mit dieser Methode werden die unterschiedlich hohen Ausschussmengen sichtbar und lassen sich so im Auftrag abbilden, um Kosten und Ausschussmengen für einzelne Produkte getrennt zu betrachten und zu definieren. Zusammen mit Consilio hat Dr. Schneider die Anforderungen im PP/DS realisiert.

Dr. Schneider Unternehmensgruppe

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