Coverstory 21-05 MAG 21-05

Strategische Ingenieurskunst

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Geschrieben von Tobias Hummel

Die digitale Transformation verlangt IT-Abteilungen einiges ab. Die notwendige Flexibilität wird durch viele Herausforderungen selten erreicht. Dies lässt sich jedoch ändern, wenn sich Verantwortliche ein Beispiel am modularen Aufbau der Digitalisierungsstrategie von Fabriken nehmen.

Für Fabriken und Industrieunternehmen bedeutet die digitale Transformation vornehmlich eines: eine flexible Produktion, die durch ungehinderte Datenströme und weitreichende Analysefunktionen immer effizienter und besser dem Ziel einer weitgehend autarken Produktion nachkommt. Durch oftmals modular aufgebaute Anlagen lassen sich zudem neue Technologien einfach in bestehende Systeme integrieren und verschaffen innerhalb der Produktion auch bei künftigen Neuerungen wesentliche Vorteile.

Während die Produktion durch die digitale Transformation besonders an Flexibilität gewinnt, ist die Realität für große IT-Architekturen in vielen Branchen eine andere. Investitionen in leistungs­fähige, maßgeschneiderte Applikationen oder ganze IT-Landschaften können durch neue Rahmenbedingungen schnell zunichtegemacht werden. Künftige Entwicklungen, die direkten Einfluss auf die Architekturen von Unternehmen haben, sind nur schwer abzuschätzen und können langfristige Planungen erschweren.

Die alles entscheidende Frage ist dabei: Lassen sich die Vorteile der digitalen Transformation innerhalb der Produktion auch auf IT-Architekturen übertragen? Fest steht, dass die Ziele bei beiden Formen der modernen Wertschöpfungskette ähnlich sind. Einerseits sollen bestehende Kosten, wo immer möglich, gesenkt werden, andererseits soll die Produktivität mit jeder Neuerung am System steigen. Zentraler Unterschied ist allerdings, wie flexibel die verschiedenen Systeme und ihre jeweiligen Anpassungen gestaltet werden können.

Der Traum vom grünen Feld

Wie auch in der Industrie unterscheidet man in der IT Greenfield- und Brownfield-Projekte. Während neu geschaffene IT-Architekturen zunächst geplant werden, um schlussendlich einem bestimmten Ziel zu entsprechen – metaphorisch also auf einer grünen Wiese entstehen –, ist dieser Ansatz in der Realität allerdings meist nur ein Wunschgedanke.

Viele Unternehmen, insbesondere Mittelständler oder Hidden Champions, verfügen über IT-Architekturen, die bereits seit Jahrzehnten gewachsen sind und genau den Spezifikationen der jeweiligen Unternehmen entsprechen. Durch Investitionen, die über Jahre stattfanden und zu dieser Architektur beigetragen haben, kommt eine komplett neue Errichtung im Sinne eines Greenfield-Projekts aus mehreren Gründen oft nicht infrage.

So muss etwa der laufende Betrieb gewährleistet sein; entsprechende Kapazitäten der IT sind also meist gebunden. Zudem wirken hohe Kosten für eine komplett neue Architektur für viele Unternehmen abschreckend. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn bereits hohe Summen in nunmehr aus der Mode gekommene Systeme investiert wurden.

Währenddessen schwebt über allem die Ungewissheit, dass ein entsprechendes Projekt, das mitunter mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann, bereits während der Durchführung nicht mehr die avisierten Ziele erreichen kann. Um diesem Dilemma zu entkommen, lohnt sich der Blick in die modulare Gestaltung von Produktionsanlagen.

Nutzung von Ressourcen

Inspiziert man etwa eine hochmoderne Brauerei, finden sich hier überwiegend Maschinen und Anlagen von bekannten Automatisierungsunternehmen. Dabei werden diese Anlagen und auch einzelne modulare Komponenten genau auf die Anforderungen der Brauerei zugeschnitten, um exakt den gewünschten Vorstellungen zu entsprechen. Auch für IT-Architekturen kann eine solche Herangehensweise eine Möglichkeit darstellen, mehr Flexibilität innerhalb der eigenen Architektur zu erreichen.

Durch Dienstleistungen wie das Ma­naged Cloud Sourcing von Devoteam S Team kann auch innerhalb hochkomplexer IT-Architekturen eine höhere Flexibilität erreicht werden. Durch diesen Service wird eine Auslagerung von komplexen Prozessen an Experten ermöglicht, die die digitale Transformation für eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen betreuen und steuern. Unternehmen haben durch diesen Service einen Partner an der Hand, der alle Belange der digitalen Transformation überwacht und steuert.

Die weitreichende Kenntnis der Situation auf dem Markt für Digitalisierungslösungen ist hierbei genauso ein Vorteil wie die Unabhängigkeit hinsichtlich einzelner Lösungen. In der Konsequenz werden Kunden bei der langfristigen strategischen Planung durch umfassende Beratung vor eventuellen Fehltritten bewahrt. Auf Augenhöhe können dann die bestmöglichen Ansätze für eine zukunftsfähige IT eruiert werden.

Dabei ist ein zentraler Aspekt dieser Zusammenarbeit, dass die jeweiligen Lösungen gemeinsam erarbeitet werden. Während beispielsweise die Brauerei und das Automatisierungsunternehmen gemeinsam die Anlage planen, sollten auch IT-Verantwortliche gemeinsam mit den entsprechenden Experten von Dienstleistern wie Devoteam die notwendigen Schritte zur gewünschten Architektur planen. Auf diese Weise kann auch die Transformation von spezifischen Applikationen eruiert und schlussendlich ein Umzug, etwa zu S/4 Hana, mit entsprechenden CPIs realisiert werden.

Zusätzlich ist auch die Kooperation mit einem kompetenten Partner eine Möglichkeit, die Migration von Datenbanken in entsprechende Ziellandschaften einfacher und schneller durchzuführen. Daneben kann die zusätzliche Human-Power eines Dienstleisters auch eine wichtige Entlastung für die eigene IT-Belegschaft bedeuten.

Der modulare Ansatz von Produktionsanlagen ist für die IT-Architektur vieler Unternehmen noch eine Utopie. Insbesondere IT-Architekturen lassen sich oft nur mit großem Aufwand modernisieren und so produktiver und kosteneffizienter gestalten. Mit der Hilfe von Experten können umfangreiche Projekte wesentlich besser gemanagt werden, sodass eine enorme Flexibilität als zentraler Aspekt der Industrie auch auf die IT übertragen werden kann.

Interview: Managed Cloud Sourcing aus Anwendersicht

Die Otto Group IT hat sich dazu entschlossen, ihre SAP-Landschaft in die Google Cloud zu migrieren. Was hat Sie dazu bewogen?

Bartschat: Bei der Otto Group IT haben wir schon seit geraumer Zeit auf verschiedenste Konzernlösungen gesetzt, die sowohl standardisiert wie auch individuell an unsere Bedürfnisse angepasst sind. Dabei haben wir SAP- und Non-SAP-Systeme im Einsatz, um alle Aspekte der Application Services abzudecken. Getreu dem Motto „Wer rastet, der rostet“, haben wir uns gemeinsam mit Devoteam an die Planung für eine weiterhin zukunftsfähige Architektur unserer Systeme und Anwendungen gemacht und hierzu im Jahr 2019 einen Proof of Concept durchgeführt.

In der Folge haben wir durch eine Migration der SAP-Landschaft in die Google Cloud ein großes Potenzial hinsichtlich der technischen Leistungsstärke und Automatisierbarkeit von Aktivitäten für die SAP-Systeme entdeckt und zusätzlich eine höhere Flexibilität.

Wie genau läuft die Migration ab und welche Rolle nimmt Devoteam S Team dabei ein?

Interview mit Stefan Bartschat, Senior Expert Projekte und OCC Services bei der Otto Group IT

Bartschat: Die konkrete Transition findet seit März 2020 gemeinsam mit Devoteam statt. Dabei werden die zunächst extern gehosteten SAP-Landschaften in den Eigenbetrieb umgezogen.

Hinsichtlich der Umstellung der Systemarchitektur werden wir ebenso von Devotem unterstützt wie bei der Entwicklung von agilen Deployment-Methoden auf der Google-Cloud-Plattform. Sobald die Migration abgeschlossen ist, hilft unser Partner uns auch dabei, die Mitarbeiter der Otto Group IT an die neue Systemarchitektur heranzuführen und sie mit den zukünftigen Aufgaben vertraut zu machen.

Warum haben Sie sich für Devoteam entschieden und was schätzen Sie im Rahmen der Zusammenarbeit besonders?

Bartschat: Bereits in den ersten Gesprächen mit den Experten der Devoteam S Team GmbH wurde klar, dass es sich um Spezialisten handelt, die über ein außerordentlich hohes technisches Verständnis für Cloud-Anbieter und natürlich auch für SAP und Hana verfügen.

Zudem war der durchdachte Ansatz von Devoteam für die Cloud-Migration von vornherein vielversprechend und hat alle involvierten Personen schlichtweg überzeugt. Bei einem solchen Projekt ist es für eine gute Zusammenarbeit wichtig, dass die jeweiligen Teams auf beiden Seiten nicht nur mit Sachverstand und Expertise, sondern auch mit Einfühlungsvermögen vorgehen.

Daneben sind auch der flexible agile Ansatz, den wir vonseiten Devoteam im Laufe der gesamten Migration erlebt haben, und die klare Roadmap für das Projekt weitere Aspekte, die wir an der Zusammenarbeit sehr schätzen.

Danke für das Gespräch.


SaaS, PaaS, IaaS etc.:
Mit Weitsicht durch das Dickicht

SaaS, PaaS, IaaS, Server-less, Low-Code- Plattformen in der Cloud – die Reihe an modernen IT-Angeboten ließe sich fast endlos fortführen. IT-Verantwortliche und Entscheider stehen vor einer großen Auswahl an Möglichkeiten, ihre eigene Infrastruktur zu entlasten und bei Bedarf zusätzliche Dienste in Anspruch zu nehmen. Dabei finden sich auf dem Markt Angebote für jede Unternehmensgröße und individuelle Bedürfnisse.

Dieses zunehmende Dickicht an Lösungen und Angeboten zu durchschauen stellt für einen Großteil der Unternehmen eine enorme Herausforderung dar. Dabei ist es verständlich, dass aufgrund des weitreichenden Angebots der verschiedenen Cloud-Anbieter schnell der Überblick verloren geht. Hinzu kommt, dass für manche Unternehmen auch Angebote von lokalen Rechenzentren entscheidende Vorteile bieten können. Dabei sind die Ziele der Verantwortlichen trotz der immensen Auswahl meist recht ähnlich: Am Schluss soll eine redundante Lösung gefunden werden, die sich durch eine hohe Verfügbarkeit und ebenso hohe Geschwindigkeiten auszeichnet.

Der Dschungel moderner Angebote verändert sich dabei innerhalb kürzester Zeit. Große Cloud-Dienstleister passen ihr Portfolio regelmäßig an die neuen Entwicklungen im Markt an und führen so zu einer immer größeren Ausdifferenzierung der verfügbaren Lösungen. Preisliche Unterschiede sind oftmals nur schwer nachvollziehbar und hängen – beispielsweise im Fall eines hohen Auftragsvolumens – von unterschiedlichsten Faktoren ab. Für viele Unternehmen kann es deswegen sinnvoll sein, auf die Expertise von Partnern im Bereich der Cloud-Services zurückzugreifen.

Durch die Erfahrung dieser Experten hinsichtlich des Marktes und regelmäßige Anpassungen der Anbieterportfolios werden somit kompetente Aussagen zur Planung und Strategie getroffen. Die genaue Beobachtung und der enge Kontakt zu relevanten Rechenzentrumsanbietern, Cloud-Dienstleistern und Marktführern ermöglichen darüber hinaus eine verlässliche Einschätzung künftiger Änderungen hinsichtlich der Angebotsstruktur.

Zusätzlich sind die Einschätzungen entsprechender Experten hinsichtlich der Vielzahl an unterschiedlichen Pricing-Modellen eine Möglichkeit für Unternehmen, Kosten einzusparen und auf Modelle wie Pay as you use umzusteigen, anstatt eine starre Preispolitik nutzen zu müssen. Strategische Planungen basieren dadurch auf einem soliden Fundament. Obwohl der Dschungel potenzieller As-a-Service-Lösungen weiterhin immer dichter werden wird, lassen sich auf diese Weise Entscheidungen treffen, durch die Unternehmen eine zukunftsfähige Planung erreichen können.

https://e-3.de/partners/alegri-international-group/

Über den Autor

Tobias Hummel

Geschäftsführer Devoteam und Director SAP Devoteam S Team

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