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Steigende Cloud-Akzeptanz

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Die Ergebnisse der ASUG–DSAG-Umfrage zeigen, dass es mit Hana und S/4 aufwärtsgeht. Aber es gibt Vorbehalte gegenüber Cloud Computing und dem Cloud-Lizenzmodell. Was fehlt, ist eine langfristige Perspektive – hierzu fehlt SAP offensichtlich der Mut.

Erst 40 Prozent der ASUG–DSAG-Mitglieder sind bereits produktiv mit SAP S/4 oder haben entsprechende Projekte gestartet, damit ist die Hälfte der engagierten und aktiven SAP-Bestandskunden noch immer nicht dort angekommen, wo SAP ursprünglich 2025 sein wollte. Der Gesamtmarkt scheint diesen Zahlen hinterherzuhinken: Analysten und Marktkenner schätzen die S/4-Conversion auf gerade einmal ein Drittel. Das sind ernüchternde Zahlen für SAP.

Keine langfristige Strategie

Die Gründe für das schwache Abschneiden von SAP bei der diesjährigen Sommerumfrage der beiden Anwendervereine ASUG und DSAG lassen sich auch in einer kürzlich in der Schweiz durchgeführten Studie bei etwa 100 CIOs mit SAP-Verantwortung nachlesen: Die SAP-Strategie und die Erwartungen von SAP-Bestandskunden divergieren, schreibt Studienautor Peter Hartmann. Zwar ist der Anteil an S/4-Anwendern leicht gestiegen, aber vieles bleibt für die Bestandskunden unklar. Die wesentlichen Punkte sind: Produkte und Roadmaps fehlen, mangelnde Integration und Durchgängigkeit der S/4-Produkte sind ungenügend, schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis in den Wartungsmodellen und insbesondere Mängel in der Servicequalität, die SAP-Lizenzierung ist intransparent und zu komplex, die PKL ist unverständlich. Ebenso fehlt Klarheit bezüglich der Integration zwischen Cloud und On-prem, merkt Peter Hartmann in der Management Summary an.

Nur etwa ein Viertel der Mitglieder von ASUG und DSAG ist mit S/4 in Teilen seiner ERP-Landschaft produktiv. Das ist ein erschreckendes Bild für SAP – aber eine S/4-Alternative ist nicht vorhanden.
Nur etwa ein Viertel der Mitglieder von ASUG und DSAG ist mit S/4 in Teilen seiner ERP-Landschaft produktiv. Das ist ein erschreckendes Bild für SAP – aber eine S/4-Alternative ist nicht vorhanden.

Detailliert haben auch ASUG–DSAG das Verhältnis der SAP-Bestandskunden zum Thema Cloud Computing abgefragt sowie natürlich die Einstellung zu On-prem. Die generelle Einstellung der DSAG-Mitglieder zur Cloud ist nur tendenziell erfreulich, mit jedoch positiven Erfahrungen vor allem auch im Non-SAP-Bereich.

Langsames S/4-Wachstum

Nach Auswertung einer gemeinsamen Umfrage der Americas SAP Users’ Group (ASUG) und der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) vom April und Mai dieses Jahres nimmt die Verbreitung von S/4 und Hana unter den Mitgliedern beider Verbände weiter zu. Dabei dominiert bei den DSAG-Mitgliedern der S/4-On-prem-Ansatz im direkten Vergleich deutlich. Einigkeit herrscht beim Thema Lizenzmodelle und -kosten, das alle Befragten als größte Herausforderung bei der Nutzung von Cloud-Diensten ansehen.

Die allgemeine Einstellung zum Cloud Computing ist bei 74 Prozent der ASUG-Mitglieder etwas bis sehr positiv. Bei den DSAG-Mitgliedern waren es nur 46 Prozent. „Die Zustimmung für Cloud-Lösungen nimmt im DACH-Raum weiter zu, wenn auch nicht in dem Maße wie bei der amerikanischen SAP Users’ Group“, kommentiert Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG. „Das könnte mit den Vorbehalten vieler Unternehmen im DACH-Raum zusammenhängen, sensible Firmendaten in die Cloud zu stellen. Hier braucht es noch tragfähige Konzepte und Überzeugungsarbeit.“

Diese Erkenntnis deckt sich auch mit den Ergebnissen von Peter Hartmann: „Natürlich haben wir ein Bekenntnis der Stammkunden zugunsten von SAP, aber wenig Begeisterung für Cloud-only. Wir erkennen eine klare Bevorzugung für On-prem-Systeme und weiterhin eine Unzufriedenheit mit der Preis- und Lizenzpolitik sowie Qualitätsmängel in Wartung und Services.“

Auch wenn es SAP nicht wahrhaben will: Die DSAG-Mitglieder sind mehrheitlich für das eigene Rechenzentrum (On-prem) – zu unsicher (Compliance) und zu teuer (FUE) erscheint das Cloud Computing.
Auch wenn es SAP nicht wahrhaben will: Die DSAG-Mitglieder sind mehrheitlich für das eigene Rechenzentrum (On-prem) – zu unsicher (Compliance) und zu teuer (FUE) erscheint das Cloud Computing.

Bei den Erfahrungen mit SAP-Cloud-Lösungen sind 57 Prozent der ASUG-Mitglieder eher bis sehr zufrieden, aber nur 30 Prozent der DSAG-Mitglieder. Eher bzw. sehr negativ eingestellt sind 21 Prozent der DSAG-Mitglieder und fünf Prozent der ASUG-Mitglieder. Im Non-SAP-Bereich ergibt sich ein anderes Bild. Hier sind es hingegen 65 (ASUG) und 60 Prozent (DSAG), die eher bzw. sehr zufrieden mit den eingesetzten Cloud-Lösungen sind. Und lediglich zwei Prozent (ASUG) bzw. sieben Prozent (DSAG) sind negativ und eher negativ eingestellt. „Dass nur rund ein Drittel der DSAG-Mitglieder mit Cloud-Lösungen im SAP-Bereich zufrieden ist, aber 60 Prozent mit Cloud-Lösungen im Non-SAP-Bereich, hat uns überrascht. Es zeigt, dass SAP offensichtlich wichtige Themen wie Integration, Lizenzen und Sicherheit noch nicht zufriedenstellend gelöst hat. Da sind die Anbieter im Non-SAP-Bereich wohl deutlich weiter“, erläutert Jens Hungershausen.

Skepsis gegenüber Cloud

Die größte Herausforderung bei der Nutzung von Cloud-Diensten sehen beide Anwendergruppen (DSAG: 72 Prozent, ASUG: 41 Prozent) beim Thema Lizenzmodelle und -kosten – gefolgt von Datenschutz und Informationssicherheit (DSAG: 53, ASUG: 25 Prozent) und der fehlenden Integration (DSAG: 41, ASUG: 15 Prozent). „Das Ergebnis zeigt, wie wichtig beim Thema Lizenzen der einfache Zugang zu Cloud-Diensten und deren Preis- und Leistungsbeschreibungen sind. Diese Bedeutung wird aufgrund der vielen unterschiedlichen Metriken in den Produkten und der Abhängigkeiten von Cloud-Services untereinander weiter zunehmen“, fasst Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Lizenzen und Wartung, zusammen.

Für die große Mehrheit der DSAG-Mitglieder sind die SAP-Cloud-Subskriptionen nicht nur zu teuer, sondern auch zu komplex: FUE, Full Use Equivalent, ist ein kompliziertes Lizenzmodell.
Für die große Mehrheit der DSAG-Mitglieder sind die SAP-Cloud-Subskriptionen nicht nur zu teuer, sondern auch zu komplex: FUE, Full Use Equivalent, ist ein kompliziertes Lizenzmodell.

Das SAP-Lizenzmodel FUE, Full Use Equivalent, schwebt wie ein Damoklesschwert über den SAP-Bestandskunden. Dass Kunde und Lieferant unterschiedliche Auffassungen haben über die Preisgestaltung der Produkte, ist eine Sache, fasst Peter Hartmann die Meinung der Schweizer CIOs zusammen – dass aber der SAP-Einsatz mit jedem neuen Produkt bei gleichem Nutzen teurer wird, kann aus Kundensicht nicht befriedigen.

Die Cloud-Lizenzlösungen (FUE) verteuern den SAP-Betrieb unnötig. Somit fordern Bestandskunden mehr Sicherheit in den TCO und mehr Flexibilität für Lizenz- und Wartungskosten. Dauerbrenner, wie indirekte Nutzung und zu wenig Flexibilität bei geschäftlichen Veränderungen, bleiben Hauptsorgen der SAP-Bestandskunden. Und noch etwas konnte Peter Hartmann in Erfahrung bringen: Die Produktwartung für ECC 6.0 wird laufend abgebaut und Produkte, die im ECC 6.0 lizenziert waren, müssen für S/4 wieder neu lizenziert werden oder die gleiche Funktion ist noch nicht verfügbar.

On-prem sehr beliebt

Sowohl bei den Schweizer CIOs als auch in der Umfrage von ASUG und DSAG war das Thema Cloud Computing versus On-prem ein zentrales Thema: Von denen, die hier eine Angabe gemacht haben, setzen mehr als doppelt so viele DSAG-Mitglieder (57 Prozent) wie ASUG-Mitglieder (27 Prozent) S/4-On-premises ein oder planen dies zu tun. Bei den Cloud-Umgebungen ist der Pri­vate-Cloud-Ansatz mit 23 Prozent (DSAG) bzw. 24 Prozent (ASUG) nahezu identisch. Auf eine Managed Cloud vertrauen zwölf Prozent (DSAG) bzw. 19 Prozent (ASUG). S/4 in der Public Cloud spielt hingegen bisher noch eine eher untergeordnete Rolle.

Die Mehrheit der DSAG-Mitglieder setzt auch in Zukunft auf S/4-On-prem. Nur knapp die Hälfte der Befragten steht der Cloud positiv gegenüber, ein weiteres Viertel neutral. Die größten Herausforderungen ergeben sich aktuell bei den Lizenzmodellen und -kosten. Weiter ausbaufähig ist das Wissen um Rise with SAP. Nur 33 Prozent der DSAG-Mitglieder sind damit bereits vertraut und nur zehn Prozent halten es aktuell für wahrscheinlich, dass Rise für sie in Betracht kommt. Hier bedarf es noch viel Aufklärungsarbeit, sowohl vonseiten der SAP als auch der DSAG. Erhebungsgrundlage: In Nordamerika wurden 271 Teilnehmende an der Umfrage registriert, im DACH-Raum 172 Teilnehmende.

Alle Fragen offen

Es bleibt noch viel zu tun. Peter Hartmann hat die Kommentare, Fragen und Wünsche der Schweizer CIOs zusammengetragen: SAP-Produkte sind zu teuer; Cloud-Lösungen sind teurer als On-prem-Installationen; Cloud-Exit ist nicht gelöst; es gibt Überlizenzierung, die man nicht wegbringt; ein intransparentes Lizenzmodell und somit Unberechenbarkeit der zukünftigen Kosten; Subscription Fees können in der Cloud massiv steigen; und eine Lizenzverwaltung mit SAP-Bordmitteln bleibt unmöglich. Das Vertrauen der SAP-Bestandskunden, dass diese Fragen beantwortet werden und die Anregungen umgesetzt werden, ist noch vorhanden.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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