MAG 1511 Wirtschaft

Software Defined Partnership

2015

Dell will EMC kaufen. Wenn es gelingt, werden sich zwei IT-Riesen verschmelzen. Eine Übernahme im klassischen Sinn kann es nicht sein, dazu haben beide Unternehmen zu viel Gewicht und zu viele Altlasten. Strategisch vielleicht sinnvoll, operativ extrem riskant.

Die Großen fressen die Kleinen. Die Schnellen überholen die Langsamen. Das alles gilt schon lange nicht mehr. In Zeiten von Start-ups und Venture Capital, einer Weltökonomie, die offensichtlich zu viel Kapital hat, sind Megafusionen und Luftschlösser keine Seltenheit.

Aber auch wenn der Versuch von Dell, mit fast 60 Milliarden Euro den EMC-Konzern inklusive VMware zu übernehmen, in der IT-Gemeinde ein absolutes Top­ereignis von nicht gekannter Größenordnung ist – in der realen Welt gibt es spektakulärere Aufkäufe wie etwa das Zusammengehen der Brauereien Anheuser-Busch und SABMiller für fast 100 Milliarden Euro.

Taktisch und strategisch ist es eine gute Entscheidung von Dell – oder auch die einzig sinnvolle in der aktuellen Situation. Ob Dell auch operativ in der Lage sein wird, eine EMC zu verdauen, muss jedoch bezweifelt werden.

Winshuttle

Dell-CEO und Firmengründer Michael Dell mag ein hervorragender Manager sein, der Rest der Mannschaft trat aber bisher nicht hervor oder empfahl sich als autonom und weitsichtig. Michael Dell wird jedoch diese Übernahme kaum als One-Man-Show stemmen können.

Hilfe von EMC? Auch diese Variante ist unwahrscheinlich, denn EMC gilt als unnahbar und eigensinnig. Zu erwarten ist, dass EMC blockt und sich zurücklehnt, statt hilfreich bei der Fusion mitzuarbeiten.

EMC war einst ein stolzes und erfolgreiches Unternehmen, aber die Zeiten haben sich geändert: Storage-Hardware hat ihren Wert verloren, seit das Konzept Software Defined Storage, Networking und Datacenter auch schon mit Open-Source-Software möglich ist.

Welcher Speicher wo verortet ist, wird bei Cloud Computing immer nebensächlicher. Nicht, dass man heute weniger Speicher braucht als vergangenes Jahr, aber die Software macht es möglich zu mischen, zu kombinieren und die Hardware-Fesseln abzustreifen. Die Hochpreispolitik einer EMC wirkt hier wie Gift.

Michael Dell hat den Trend richtig erkannt: Der Hunger nach Speicher wird sich sowohl on-premise als auch on-demand (Cloud) sobald nicht stillen lassen. Hier hoffen aber viele Unternehmen auf satte Gewinne in der Zukunft und die meisten von den EMC-Mitbewerbern sind kleiner und flexibler – eine sehr wichtige Eigenschaft im Cloud-Geschäft. Die Richtung stimmt für Dell, die praktische Ausführung lässt Überraschungen zu.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
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