Hausmitteilung MAG 22-02

Skandal im Sperrbezirk

Hausmitteilung
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Das E-3 Magazin hat zu Beginn des Jahres die Frage gestellt, inwieweit Hana und S/4 noch zeitgemäß sind. Das ist keine Blasphemie der SAP’schen ERP-Lehre, sondern eine pragmatische Sicht auf die S/4-Conversion.

Es ist kein Geheimnis, dass noch nicht alle SAP-Bestandskunden den Releasewechsel von ERP/ECC 6.0 auf S/4 Hana vollzogen haben. Einige wollen vielleicht dieses Jahr die Herkulesaufgabe angehen: Vielleicht wird es aufgrund eines Mangels an Ressourcen länger brauchen, vielleicht wird ein eingeschobenes Process Mining die Conversion in eine andere Richtung lenken. Vielleicht werden einige SAP-Bestandskunden erst 2027 oder 2030 den Releasewechsel abschließen können und dann stellt sich sehr wohl die Frage: Wie zeitgemäß sind Hana und S/4?

SAP und DSAG waren zutiefst irritiert von unserer Frage. Dem Autor und Erfinder dieser Überlegung wurde indirekt mit der Exkommunikation aus der DSAG gedroht. Auf eine Anfrage des E-3 Magazins bei SAP-Chef Christian Klein wurde erst gar nicht reagiert. Skandal im Sperrbezirk: Aktuell macht es den Eindruck, als hätte das E-3 Magazin wieder einmal Majestätsbeleidigung verschuldet – wir bitten um Entschuldigung!

Naturgemäß wissen wir, dass ERP-Software von SAP kontinuierlich weiterentwickelt wird. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass im modernen S/4 auch noch alter R/3-Abap-Code zu finden ist. Für eine mittelfristige ERP-Planung wäre es aber schon interessant, was SAP nach 2030 plant. Selbstverständlich wird SAP auch nach 2030 ein Hana und S/4 weiter pflegen und supporten, aber dann ist Hana schon 20 Jahre und S/4 15 Jahre alt – eine Ewigkeit in der schnelllebigen IT-Szene.

Die Januar-2022-Ausgabe des Manager Magazins sieht SAP-Chef Christian Klein in einer Abwehrschlacht gegen Salesforce, Workday, ServiceNow, -Oracle, Snowflake, UiPath und Celonis. Tatsache ist, dass Christian Klein mit sehr stumpfen Waffen kämpft und so die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass er den Kampf verliert. Die SAP’sche Datenbank Hana ist über zehn Jahre alt, S/4 fast genauso alt und viel Abap-Code in S/4 ist noch viel älter. Zehn Jahre sind in der schnelllebigen IT-Szene eine Ewigkeit. Ist also die S/4-Strategie 2022 noch zeitgemäß?

Erschreckend an diesem Szenario ist der Umstand, dass SAP mit Hana und S/4 bis ins Jahr 2030 und darüber hinaus plant. Selbst die besten Abap-Modifikationen auf der Business Technology Platform oder in On-prem-Systemen machen aus dem alten Konstrukt kein modernes ERP. SAP braucht dringend eine Frischzellenkur, eine Runderneuerung, einen ERP-Relaunch.

Betriebswirtschaftlich gesehen ist jedes SAP-System von R/3 bis S/4 noch immer das Maß der Dinge in der ERP-Welt. Viele Geschäftsprozesse aus ECC 6.0 und S/4 sind zum Standard geworden. Wer seine Aufbau- und Ablauforganisation mittels IT abbildet, steht mit ECC und AnyDB sowie S/4 und Hana auf der sicheren Seite. Sorgen und Kritik gibt es bezüglich der angewendeten Informationstechnik in der Cloud und On-prem. Eine Technologieführerschaft speziell im Bereich des Cloud Computing wollen nur wenige der SAP zubilligen. Ähnlich verläuft die Diskussion über die aktuelle Benutzeroberfläche.

Eine vierzigjährige Erfahrung im Bereich ERP und Betriebswirtschaft ist noch immer einzigartig. Nur SAP hat vergessen, über das Gute aus ERP, SCM, PLM und auch CRM zu reden – der ERP-Weltmarktführer will zeitgemäß sein, was aufgrund des Potenzials nicht zwingend notwendig erscheint. Ist die doppelte Buchhaltung zeitgemäß? Aber sie ist noch immer das Maß der Dinge im Finanzwesen. 

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter pmf@b4bmedia.net | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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