Infrastruktur MAG 1604

SAP-Systeme aus der CAL

2016

IT-Abteilungen stehen vor der Herausforderung stetiger Systemupdates. Mit der SAP Cloud Appliance Library (CAL) lassen sich die neuesten SAP-Versionen aus der Cloud beziehen und sofort testen.

Jede IT-Abteilung steht vor der Herausforderung, mit der hohen Frequenz von Updates und neuen Releases in der Anwendungslandschaft Schritt zu halten. Insbesondere im SAP-Umfeld möchte das Business neue Funktionen neuer Releases testen. Dies kann durch einen Bezug von SAP- Testsystemen aus der Cloud nun innerhalb von weniger als einer Stunde erreicht werden.

Cloud Computing basiert auf den drei Paradigmen der scheinbar unendlichen Ressourcen, des Pay-as-you-go-Modells und der stetigen Erreichbarkeit über das Internet. Für SAP-Systeme gibt es hierfür bereits Angebote aus der Public Cloud (wie Amazon oder Azure), um den gesamten Betrieb von SAP zu vereinfachen.

SAP-Kunden können sowohl in Amazon als auch in Azure SAP-Systeme betreiben und nutzen und somit von den Vorteilen des Cloud Computing profitieren. Eines der häufigsten Argumente für die Nutzung von cloud­basierten Ressourcen ist der Kostenvorteil. Durch die Nutzung von Public Clouds können IT-Abteilungen die Gesamtkosten für den Betrieb von SAP-Systemen senken.


 

Kosten und Prioritäten

Der Kostenfaktor alleine kann bereits zu einer Entscheidung für Cloud Computing führen. Jedoch gibt es daneben noch weitere Szenarien, welche für eine IT-Abteilung relevant sein können. Hierzu gehört die automatische Bereitstellung von SAP-Systemen in der Cloud.

Jedes Unternehmen steht vor der He­rausforderung der stetigen Systemupdates und der immer neuen Versionen. Hierbei kommt der internen IT-Abteilung oftmals die Aufgabe zu, entweder zwischen neuen Projekten oder dem Aufrechterhalten der IT-Landschaft zu priorisieren.

Auf der anderen Seite gibt es aber den Bedarf der Geschäftsanwender, welche gerne neue Funktionen von SAP-Systemen nutzen würden. Dies würde jedoch zunächst ein Update oder eine Neuinstallation voraussetzen. In vielen Fällen kann die IT-Abteilung keine kompletten Testinstallationen durchführen, nur um kleine Features oder die neuesten Funktionalitäten zu testen.

SAP hat über die sogenannte SAP Cloud Appliance Library (https://cal.sap.com) genau dieses Bedürfnis adressiert. Bei der CAL handelt es sich um eine Webseite als Zugang zu vordefinierten und vorkonfigurierten SAP-Systemen.

Hierbei stellt SAP die neuesten Versionen der SAP-Systeme bereit und Kunden können über einen einfachen Zugang diese Systeme testen. Die SAP CAL stellt dabei jedoch keine Systeme bereit, sondern fungiert nur als Portal für die initiale Bereitstellung entweder in der Amazon oder Azure Public Cloud.

Der Ablauf für die Bereitstellung ist sehr einfach. Zunächst wird ein Zugang zur CAL benötigt. Danach wählt der Nutzer eine Lösung aus und lässt sich die Lösung entweder in der Amazon Cloud oder der Azure Cloud bereitstellen. Abschließend ist die Lösung in der Cloud verfügbar und kann getestet werden.

Jeder Nutzer kann sich prinzipiell in der CAL registrieren. Einige der dort angebotenen Lösungen sind frei zugänglich, andere müssen separat freigeschaltet werden. Die Freischaltung erfolgt über ein Abo-Paket, welches über den Shop von SAP bestellt werden kann.

Daneben müssen die entsprechenden Produktlizenzen für bestimmte Lösungen vorhanden sein. Neben dem Zugang zur SAP CAL muss auch eine Registrierung für eine der beiden Clouds vorliegen.

Konfiguration

Die initiale Konfiguration für die SAP CAL ist in vielen Dokumenten dargestellt und es existieren hierzu sogar Videos auf YouTube. Vor einer Bereitstellung über die SAP CAL muss der Zugang zu einer Public Cloud definiert werden.

Nach der initialen Konfiguration in der SAP CAL können spezifische Parameter für die jeweilige Cloud gesetzt werden. Somit kann beispielsweise entschieden werden, in welcher Region die neue SAP-Lösung verfügbar sein wird.

Die SAP CAL führt den Benutzer Schritt für Schritt durch die Konfiguration und die Bereitstellung. Letztlich dauert es keine 30 Minuten, bis das neue SAP-System mit einer Grundkonfiguration bereitsteht.

Während der eigentlichen Bereitstellung kann der Benutzer die Schritte entweder in der SAP CAL verfolgen oder in dem jeweiligen Dashboard der Cloud. So ist ersichtlich, wann der Storage, das Netzwerk und die eigentlichen virtuellen Maschinen erstellt werden.

Der Benutzer erhält nach Abschluss der Operation der SAP CAL mindestens zwei virtuelle Maschinen in der Cloud. In einer VM befindet sich das eigentliche SAP-System und in der anderen VM befindet sich die SAPGui.

Hierüber kann sich der Benutzer sofort an dem neuen SAP-System anmelden und die Funktionen nutzen. Die SAP CAL bietet hierzu genügend Dokumentationen, die es jedem Benutzer erlauben, das SAP-System sofort zu nutzen.

Durch die stetige Aktualität der Lösungen in der SAP CAL kann eine IT-Abteilung schnell und unkompliziert neue Lösungen für Business-Anwender bereitstellen. Die Business-Anwender können auf diesem Wege neue Funktionen testen und begutachten.

Die Systeme sind jedoch nur als temporäre Testsysteme oder Trainingssysteme zu verstehen. Sie sind weder gegen Datenverlust (Backup) geschützt noch sind die Systeme in die SAP-Systemlandschaft eingebettet. Dies müsste bei einer produktiven Nutzung entsprechend vollzogen werden.

Vorteile

Durch die Nutzung der SAP CAL können zwei Vorteile genutzt werden. Zunächst erlaubt es die SAP CAL, schnell und unkompliziert ohne nennenswerten Zusatz­aufwand SAP-Systeme bereitzustellen. Darüber hinaus können die SAP-Systeme je nach Bedarf ein- und ausgeschaltet werden. Kosten entstehen nur bei einem Betrieb der Systeme und dem genutzten Speicher.

Zusätzliche Kosten durch Hardwareanschaffungen und den eigentlichen Bereitstellungsprozess können mit der SAP CAL leicht vermieden werden. Somit adressiert die SAP CAL die eingangs genannten Herausforderungen: aktuelle Testsysteme schnell bereitzustellen, und dies zu möglichst minimalen Kosten. Sollte also der Bedarf nach einem aktuellen Testsystem bestehen, sollte die SAP CAL der erste Anlaufpunkt sein.

Über den Autor

André Bögelsack, Accenture

Dr. André Bögelsack hat lange Zeit als SAP-Basisadministrator an der Technischen Universität München gearbeitet und in diesem Umfeld promoviert. Danach war er kurze Zeit in der Forschung und arbeitet seit 2012 bei Accenture im Bereich Infrastructure Transformation. Er leitet große SAP-Migrations- und -Transformationsprojekte.

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