Das aktuelle Stichwort Die Meinung der SAP-Community MAG 20-11

SAP-Standard tut nicht weh!

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Die Beratungs- und Projektarbeit in der SAP-Logistikbranche hat durch die kontinuierliche Veränderung und Anpassung von Prozessen auf Kundenseite einen gewaltigen Wandel durchlaufen:

Immer spezifischere Prozesse sind als Reaktion auf Anforderungen von Fachbereich und Geschäftspartnern entstanden und müssen im System abgebildet werden. Neue Schnittstellen und eine tiefere Integration der Gewerke – gerade im Umfeld der Lagerautomatisierung – rufen nach einer Lösung, die zu den Anforderungen passt und in Logistik-Standardprodukte wie SAP EWM eingebettet werden kann.

Speziellen Anforderungen begegnen

Im Projektalltag zeigt sich immer wieder, dass neu aufgesetzte Prozesse bereits bei Einführung individuell ausgeprägt sind und nicht mehr im Standard abgebildet werden. Ein Grund für überflüssige Erweiterungen ist, dass es Fachbereich und IT oftmals an der Bereitschaft mangelt, Prozesse aufgrund fehlender Akzeptanz des „Neuen“ und mangelhaften Change Managements anzupassen.

Ähnliches gilt bei disruptiven Ansätzen zur Optimierung. Auch die Wahl des richtigen Partners ist ausschlaggebend für Qualität und Zukunftssicherheit der Lösung: Mangelnde Prozess- und Lösungskenntnis kann ebenfalls zu überflüssigen Erweiterungen führen.

Es wird schnell ersichtlich: Zeit- und damit Kostendruck sind oft Treiber von vermeintlich „schnellen Lösungen“. Das Resultat ist dann ein brandneues System, welches bereits bei Inbetriebnahme derart stark modifiziert ist, dass es an vielen Stellen nicht mehr dem SAP-Standard entspricht und für den Kunden weder eigenständig wartbar noch releasefähig ist. So entsteht eine Abhängigkeit zum Dienstleister mit verpflichtenden Serviceverträgen, die direkten Einfluss auf ROI und Folgekosten haben.

Kunden merken einerseits an, dass ihr aktuelles System über Jahre sehr spezifisch an ihre Prozesse angepasst wurde und dies nicht nur Probleme bei Erweiterungen und den folgenden Regressionstests nach sich zieht, sondern zunehmend Komplexität und Kosten verursacht. Andererseits wird während der Spezifikation der Prozesse im neuen SAP-System wieder versucht, dieselben Prozesse nachzubauen.

An dieser Stelle sind spezialisierte Berater mit tiefer Kenntnis der Standardprozesse gefragt, um standardnahe Alternativen aufzuzeigen. Dabei spielen neben der Kenntnis des Systems ebenso Erfahrungswerte verschiedenster Branchen eine Rolle. So kann es durchaus sein, dass ein klassischer Wareneingangsprozess eines Pharmakunden einen völlig neuen Impuls im Prozess eines Maschinenbauers geben kann.

Dazu benötigt es sowohl Ab­straktionsvermögen des Beraters als auch – und das ist noch wesentlich wichtiger – die Fantasie und das Commitment des Kunden mit dem dazugehörigen Pragmatismus und der Bereitschaft, Prozesse neu zu denken.

Besonderheiten in der Lagerlogistik

Viele Prozesse in der Logistik sind von physischen Gegebenheiten und der Peripherie abhängig – aber auch dort sollte immer ein offenes Mindset vorhanden sein, um die Systemeinführung als Chance nutzen zu können. Der Implementierer benötigt als wichtigste Basis für ein erfolgreiches Projekt das Vertrauen des Kunden.

Weil sich keine größere SAP-EWM-Implementierung zu 100 Prozent im Standard abbilden lässt, ist es noch wichtiger, eben genau die Bereiche im Standard abzubilden, bei denen dies möglich ist. Gleichzeitig müssen die Alternativprozesse im Standard skizziert werden, um den Kunden bewusst zu sensibilisieren und ihm eine validierte Entscheidungsgrundlage zu geben.

Parallel dazu sollten die aktuellen Prozesse immer auf den Prüfstand gestellt werden. Sehen Sie das As-Is als Grundlage des neuen, innovativen und zukunftsträchtigen Prozesses! Hinterfragen Sie kritisch das Projektvorgehen und den Umfang dienstleisterspezifischer Plug-ins. Oftmals werden von Anbietern eigenentwickelte Lösungen genutzt, um die Aufwände zu reduzieren – was sich jedoch nach dem Projekt häufig durch Folgekosten bei Anpassungen und Wartung relativiert.

Aktuell ist dieses standardorientierte Vorgehen gefragter denn je. Durch den Wechsel der ERP-Systeme auf die neue Softwaregeneration S/4 und die Datenbank Hana ändern sich viele Prozesse und wollen in ein EWM-Logistiksystem integriert werden. Eine Standardintegration kann ihre Vorteile ausspielen, wenn die Prozesse mit dem entsprechenden inte­grativen Weitblick eines erfahrenen Beraters aufgesetzt werden.

Ein Berater mit spezieller Expertise, der alle Module aus einer Hand liefern kann, ermöglicht es Unternehmen, zukunftssichere und im Standard integrierte Prozesse aufzusetzen, bei denen die Robustheit, Integration und Wartbarkeit des künftigen SAP-Systems genau dem entspricht, was sich der Kunde davon erhofft.

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Über den Autor

Matthias Kraus, Leogistics

Matthias Kraus ist Manager SAP EWM bei Leogistics.

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