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SAP- und Non-SAP-Systemcopying

SAP- und Non-SAP-Systemcopying
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Geschrieben von E-3 Magazin

Immer mehr Unternehmen verabschieden sich von einer manuellen oder händischen Erstellung der notwendigen SAP-Systemkopien und setzen stattdessen auf bedarfsgerechte spezialisierte Softwaretools. So auch der erfolgreiche Nahrungsmittel- und Getränkeerzeuger Spitz.

Mit der gewählten Lösung BlueCopy werden beim SAP-Bestandskunden Spitz sowohl SAP-System- als auch Non-SAP-Systemkopien automatisiert realisiert. Bei der Spitz-Gruppe handelt es sich um einen der größten Lebensmittel- beziehungsweise Nahrungsmittelerzeuger in Österreich mit annähernd 1200 hergestellten Produkten, die weit über die Landesgrenzen hinaus konsumiert werden.

Entwickelt, erzeugt, vermarktet und veredelt werden Nahrungsmittel und Getränke in Premiumqualität. Wobei das Unternehmen mit Stammsitz in Attnang-Puchheim mit firmenweit rund 700 Mitarbeitern sowohl im Markenartikelgeschäft als auch in den Bereichen Private Label und Co-Packaging tätig ist und zuletzt einen Umsatz von 251 Millionen Euro erzielte.

SAP ERP/ECC 6.0 mit der Industrielösung Food und Beverage in Verbindung mit einer SAP-Sybase-Datenbank wird in der Unternehmensgruppe seit 2017 durchgängig genutzt. Neu hinzugekommene Unternehmen, wie unlängst ein Mineralwasserproduzent oder ein Honigerzeuger, setzen gemäß Spitz-Vorgaben ebenfalls SAP ein beziehungsweise werden Spitz-Prozesse implementiert und mit SAP bedarfsgerecht unterstützt.


 

Momentan gibt es in der Unternehmensgruppe rund 400 SAP-User. Angebunden an SAP sind mehrere Fremdsysteme, beispielsweise ein Manufacturing Execution System (MES) von Siemens oder auch Open Text, verwendet insbesondere für die Archivierung.

Wie Bernhard Hutterer, Head of IT bei der Spitz-Gruppe, erklärt, „hatten wir schon länger im Blick, das Themen- oder Arbeitsfeld ‚Erstellung von SAP-Systemkopien‘ neu aufzusetzen. Die händische beziehungsweise manuelle Erzeugung von Systemkopien gemäß SAP-Leitfaden dauerte zwischen zwei und drei Wochen.

Zudem fielen dabei jeweils konkrete Tagessätze an, da wir dieses Doing an einen IT-Dienstleister ausgelagert hatten. Wir wollten mit einem ausgefeilten Tool für die Erstellung von SAP- Systemkopien zum einen die Möglichkeit schaffen, selbst das SAP-Systemcopying durchzuführen, zum anderen sollten sich die Zeit sowie die Aufwände dafür deutlich reduzieren.“

Hutterer Bernhard

Klarheit durch PoC

Mehrere Lieferanten aus dem Themenfeld SAP-Systemkopien wurden ausgewählt. Mit dabei war Empirius aus München mit der Lösung BlueCopy.

„In Gesprächen mit Empirius wurde vom Anbieter in den Raum gestellt, mit BlueCopy innerhalb etwa eines Tages eine SAP-Systemkopie erstellen zu können, was wir so nicht glauben, aber schon genauer wissen wollten. Und wir sprachen Empirius eine Einladung aus, dies bei uns vor Ort im Rahmen eines PoC zu zeigen beziehungsweise zu demonstrieren“

berichtet IT-Manager Hutterer.

Bei dem Termin bei Spitz vor Ort wurde ein BlueCopy-Server aufgebaut, das System installiert sowie in die SAP-Umgebung an- beziehungsweise eingebunden. Man verständigte sich darauf, eine Kopie eines ausgewählten und isolierten SAP-Systems zu erzeugen. Auch fanden Voreinstellungen respektive spezifische Systembegebenheiten von Spitz in BlueCopy statt. Und es wurde, wie in Aussicht gestellt, in einem Zeitraum von rund einem Tag eine SAP-Systemkopie erstellt.

Wie IT-Experte Hutterer sagt, „hat dies bei uns einen gewissen Aha-Effekt ausgelöst, den wir so nicht erwartet hatten. Bis auf einige wenige Anpassungen nach der SAP-Systemkopie lief alles problemlos durch. Quasi noch am selben Tag entschieden wir uns für die Empirius-Lösung.“

Seit dem skizzierten PoC Anfang Oktober vergangenen Jahres nutzt die Spitz-Gruppe die softwaregestützte SAP-Systemkopienerstellung. Wenn man so will, stellte der PoC die Systemeinführung dar. Konkret führen momentan vier Mitarbeiter des insgesamt rund 15-köpfigen Spitz-IT-Teams das Systemcopying mit BlueCopy durch.

Nicht nur SAP-Kopien

Wenn man bei Spitz von Systemcopying spricht, dann bedeutet dies vorrangig die Erstellung von SAP-Systemkopien. Gleichwohl heißt das hier mehr. Denn parallel mit einer SAP-Systemkopie wird auch eine Systemkopie des genutzten Siemens MES durchgeführt. Grund dafür ist laut Unternehmen, dass stets eine Übereinstimmung der MES-Bestandsführung von SAP-Daten mit dem SAP-System zu erfolgen hat.

Das MES-System (angebunden an SPS- Systeme) sammelt vereinfacht ausgedrückt die Daten für SAP, und zwar detaillierte Verbräuche oder Qualitätssicherungsdaten. Sowohl eine SAP-Systemkopie als auch eine MES-Systemkopie mit einer Systemco­pying-Lösung erstellen zu können ist für Spitz „ein nicht unerheblicher Vorteil“, betont man bei Spitz mit Nachdruck.

Wie Head of IT Hutterer darlegt, „hat sich für uns der Wechsel hin zu einem Automationstool für die SAP-Systemkopienerstellung in vielfacher Hinsicht gelohnt. Die Nutzenvorteile durch den BlueCopy-Einsatz sind nachweislich klar darstellbar.“

Wie Hutterer herausstreicht, „gibt es deutliche betriebswirtschaftliche Nutzeneffekte. Dadurch, dass wir nun die Systemkopien selbst erstellen, entfallen Tagessätze an einen IT-Dienstleister hierfür. Dadurch amortisieren sich die Investitionskosten in ein automatisiertes Systemcopying in recht kurzer Zeit. Auch sind die eigenen Aufwände, eben die Bereitstellung von Ressourcen oder Kapazitäten dafür, relativ gering.“

Ein anderer Nutzenvorteil ist für Spitz fast noch wichtiger: nämlich die Tatsache, dass mit BlueCopy ganz nach Bedarf SAP-Systemkopien erstellt werden können. Wenn man will, täglich oder wöchentlich.

„Und das in wenigen Stunden. Zuvor war dies ein riesiger Aufwand und dauerte zu lange“

wie es heißt.

Grundsätzlich sieht man bei Spitz einen gestiegenen Bedarf nach SAP-Systemkopien, dem man nun entsprechen könne. Etwa wenn es darum geht, Testsysteme in kurzer Zeit zu erstellen und diese den Fachbereichen zur Verfügung zu stellen. Oder nach einem Quartalsabschluss, um zeitnah eine SAP-Systemkopie parat zu haben.

Spitz Luftaufnahme

Firmenzentrale der Spitz-Gruppe in Attnang-Puchheim, Österreich: Klarheit durch PoC für BlueCopy von Empirius.

Zukunftskompatibel

Wie erwähnt erstellen nun in der Spitz-IT vier Mitarbeiter SAP-Systemkopien (und Siemens-MES-Kopien). Der Umgang mit BlueCopy ist nach den Erfahrungen von Spitz durch die bereitgestellte intuitive Oberfläche einfach und effizient. Nach einer kurzen Schulung respektive Einarbeitung waren sie demnach in der Lage, selbstständig und problemlos eine SAP-Kopie zu erzeugen.

Grundsätzlich sollen bei Spitz alle Mitarbeiter, die mit SAP, SAP-Basisthemen und SAP-Modulthemen befasst sind, eigenständig Systemkopien erstellen können. Laut Unternehmensangaben bietet die Empirius-Lösung trotz der einfachen Handhabung eine hohe Funktionalität – bis hin zu der Möglichkeit, vor einer tatsächlichen Erstellung einer SAP-Systemkopie einen Simulationslauf samt Prüfungen durchführen zu können.

Bei der Entscheidung für BlueCopy war auch Zukunftskompatibilität ein Thema. Denn über kurz oder lang wechselt man bei der Spitz-Gruppe auf den Business-Suite- Nachfolger S/4 Hana, möglicherweise mit einem Zwischenschritt zuerst auf Suite on Hana (SoH).

Deshalb tauchte seinerzeit auch die Frage auf, ob die Empirius-Lösung auch Hana beziehungsweise S/4 unterstützt. Nachdem Empirius darlegen konnte, dass BlueCopy bei einer Reihe von SAP-Anwenderunternehmen zusammen mit Hana genutzt wird, war das Thema Zukunftskompatibilität vom Tisch.

https://e-3.de/partners/empirius-gmbh/


BlueCopy V. 10 und Cloud

Die sich bei zahlreichen SAP-Anwendern im Einsatz befindliche Empirius-Lösung BlueCopy (vormals BlueSystemCopy) gibt es aktuell in der Version 9.4.8. Neuerungen hier: eine umfangreiche LDAP-Integration, Hana-Passwort-Sicherungs-Features und verbesserte Hana Connects mit einem flexiblen Auto-Discovery der Connection-Parameter.

Gemäß Empirius-Angaben ist für 2020 ein neues, großes Release geplant, nämlich die Version 10.0. Und zwar mit einem granularen Rollenkonzept sowie mit BlueCopy Plus. BlueCopy Plus stellt eine Kombination aus BlueCopy und BlueClone (für die Erstellung von Sandboxen) dar.

Einsetzbar beispielsweise für ein Update des SAP-Kernels auf dem Zielsystem oder um die Datenbankinstallation von der Quelle zu übernehmen. Ferner, dann in V10.0 integriert: eine Copy Engine, die unter Nutzung von Templates etwa den SAP-Kernel oder Datenbank-Binaries kopieren kann (sowie Weiteres mehr). Wobei die Templates an die individuellen Kundenbedürfnisse angepasst werden können.

Ebenso wird eine Vereinheitlichung und Erweiterung der User Exits angestrebt (OS- und SAP-User-Exits in einem Tabreiter, zusätzlich mit den Neuerungen Check Points, Transports und SQL Sets). SAP-User-Exits können dann nicht mehr nur vorkonfigurierte Varianten starten, sondern Report-Parameter können direkt im GUI gepflegt werden.

Laut Empirius wird 2020 ein weiterer Schwerpunkt die Weiterentwicklung von BlueCopy in Richtung Cloud sein. Hierzu arbeitet man den Informationen zufolge eng mit Microsoft zusammen und es ist geplant, BlueCopy „Azure-ready“ auszurichten. Weitere Informationen zu den Neuerungen von Empirius werden im Rahmen der DSAG-Technologietage 2020 bereitgestellt.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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