Die Meinung der SAP-Community MAG 2002 Satire: Das Letzte

SAP ist sehr bemüht

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Nach der Cloud-Schreckensherrschaft des Bill McDermott versuchen die Co-CEOs Jennifer Morgan und Christian Klein, den SAP-Anwendern in die digitale Transformation zu folgen.

Bei allen Anstrengungen und Bemühungen bewegen sich die SAP-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein noch am Stand. Trotz aller wohltuenden Worte haben sie sich noch nicht viel bewegt. Die 100 Tage haben beide überlebt, aber 100 Kilometer haben sie eigenständig noch nicht zurückgelegt – naturgemäß ist ihr Meilenkonto bei Lufthansa weiter gestiegen, aber Mitglieder des HON-Circle waren sie schon vor ihrer Ernennung.

SAP ist groß und SAP ist schwerfällig. SAP ist vielfältig und SAP hat eine sehr umfangreiche Preisliste – viel zu komplex, wie der Anwenderverein DSAG immer wieder anmerkt. SAP hat in den vergangenen Jahren viele Zukäufe getätigt und zu wenig konsolidiert. Zuständigkeiten und Berichtswege sind aus dem Ruder gelaufen. Viele gut gemeinte Ideen und Ratschläge sind nicht vom Fleck gekommen.

Jennifer Morgan und Christian Klein sind sehr bemüht. Sie haben fantastische Auftritte beim SAP-Field-Kick-off-Meeting 2020 hingelegt. Sie begeistern und sind sympathisch – aber das wird nicht ausreichen, um SAP zu erneuern oder zumindest zu retten. Bestenfalls wird Jennifer Morgan den Umsatz weiter steigern. Ob Christian Klein die marode Softwarestruktur renovieren kann, ist ungewiss.

SAP ist sehr bemüht. Die Software, allen voran Hana, ist ausgezeichnet – aber die Strukturen sind desolat. Seit vielen Monaten läuft SAP am Stand und kommt keinen Schritt weiter, wenn es gilt, Softwarekonzepte und IT-Strukturen den Bedürfnissen der Bestandskunden entsprechend zu entwickeln.

Einst hofften Professor Hasso Plattner und Ex-SAP-Chef Bill McDermott, mit einem einmaligen Befreiungsschlag die bösen Geister aus Walldorf zu vertreiben: Ex-Technikvorstand Bernd Leukert wurde Knall auf Fall vor die Tür gesetzt. Was danach kam, vergrößerte nur das Software- chaos in Walldorf.

Platzgummer
Erstmals wurde die Karikatur von Robert Platzgummer (1975 bis 2016) in der E-3 Ausgabe April 2008 veröffentlicht. Das Thema damals wie heute: „Das Paradoxon von Releasewechsel und Enhancement-Packages: Zenon von Walldorf“.

Um die technischen Herausforderungen zu verstehen, um die sich nun Christian Klein liebevoll bemüht, muss der Anwender ganz genau hinschauen: Kaum eine Softwarekomponente im SAP-Imperium kann als misslungen oder schlecht bezeichnet werden – nur passen viele dieser Puzzlesteine nicht zueinander. In Summe ergeben die SAP’schen Softwarekomponenten kein harmonisches Bild. Christian Klein bemüht sich seit vielen Monaten um ein konsistentes, strukturiertes Software-Konzept.

Hana, die wahrscheinlich weltweit beste In-memory-Computing-Datenbank, war niemals dafür konzipiert, ins Unendliche zu skalieren und in einem Mega-Cloud-Rechenzentrum Tausenden SAP-Bestandskunden zu dienen. Damit erreichte SAP niemals den notwendigen Skalierungseffekt. Die teuren Hana-Cloud-Services sind nicht der Geldgier der SAP geschuldet, sondern dem technischen Unvermögen, den existierenden Hana-Code als Cloud-Lösung zu verwenden.

SAP bemüht sich: Mittlerweile gibt es einen neuen Hana-Code für die SAP’sche Cloud, der sich deutlich von der Hana-On- prem-Version unterscheidet. Die Transformation von erfolgreichen Hana-On-prem- Lösungen in die Hana Enterprise Cloud wird somit zum Abenteuerspielplatz. Ob und wann SAP Hana 3 als New-Cloud-Edition präsentiert wird, hat Christian Klein noch nicht entschieden, aber SAP bemüht sich sehr.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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