MAG 1912 SAP und Azure Szene

SAP auf Azure oder SAP und Azure?

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Geschrieben von Marcus Sommer, Microsoft

In der SAP-Community wird häufig von dem „SAP-Betrieb auf einer Cloud-Plattform“, also SAP on Azure, gesprochen. Bei SAP und Microsoft begegnet man hingegen vermehrt dem Begriff SAP und Azure. Das Word „und“ soll aber an dieser Stelle deutlich betont werden.

Die Cloud ist mehr als große Rechenzen­tren mit endlosen Reihen von Server-Racks, CPUs und Speichern. Diese Ressourcen bilden zwar das Fundament.

Doch was eine gute Cloud wirklich ausmacht, ist das Angebot an Diensten und Services. Bei Azure findet der SAP-Bestandskunde mehr als 800 intelligente Plattform-Dienste (PaaS) und Software-Angebote (SaaS).

Zu solchen PaaS-Diensten gehören beispielsweise Machine-Learning-­Modelle und eine IoT-Plattform, die Kunden für ihre Geschäftsprozesse nutzen können.


 

Ein prominenter Vertreter einer SaaS-Lösung ist Office365 oder seit Neuestem auch Azure Sentinel, eine cloudbasierte und KI-­unterstützte SIEM-Lösung (Security Information and Event Management) für das gesamte Unternehmen.

Daher verwendet Microsoft gerne den Begriff SAP und Azure. Die Migration eines SAP-Systems in die Cloud ist wesentlich mehr als der Wechsel von lokaler Infrastruktur auf ein IaaS-Angebot.

SAP steht im Zentrum von Projekten für die digitale Transformation mit Robotic Process Automation (RPA), Internet of Things (IoT) oder Artificial Intelligence etc. Daher steigert sich der eigentliche Mehrwert erheblich durch die Integration mit PaaS-Diensten.

Aus der Micro­soft-eigenen Erfahrung heraus wissen wir, dass der größte Teil aller KI-Projekte in Deutschland heute Daten aus SAP nutzen.

Plattform und Dienste

Azure ist die Cloud-Plattform von Microsoft. Nahezu alles, was Microsoft heute an Cloud-Diensten anbietet, basiert auf dieser Plattform.

Mit dem Plattform-Begriff wird das weltweite Ökosystem an verbundenen Ressourcen – also die Rechenzentren, Server und Netzwerke – bezeichnet wie die Gesamtheit der Services.

Azure bildet dabei alle drei Ebenen des Cloud-Computing ab: Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS).

Der DSAG-Investitionsreport vom Anfang dieses Jahres hat gezeigt, dass SAP-Bestandskunden der Microsoft-Cloud-Plattform Azure den Vorzug geben.

Die Cloud ist aber kein einzelnes Produkt, sondern ein Angebot mit großer Bandbreite. Microsoft wird immer wieder nach dem roten Faden und einer Gesamtstory gefragt, vor allem wenn es um Einstiegsszenarien und eine strategische Herangehensweise für den langfristigen Erfolg geht.

Wie lassen sich die Analysefähigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit von Azure für SAP-Anwendungen nutzen? Wie kommt man zu einer belastbaren und realistischen wirtschaftlichen Betrachtung und wie nähert man sich einer Migration?

Die Cloud ist ein Paradigmenwechsel und muss auf allen Ebenen strukturiert und implementiert werden – nicht nur technisch, sondern auch in die tägliche Arbeitsweise. Die digitale Transformation besteht nicht nur aus Bits und Bytes, sondern muss auch in den Köpfen der Menschen stattfinden.

In den kommenden E-3 Ausgaben werden alle relevanten Aspekte zu „SAP und Azure“ behandelt und wird damit der bislang größte und umfangreichste Wissens­transfer für dieses Thema eingeleitet.

Ein typischer Kunde startet mit einer Bewertung der technischen Möglichkeiten und Optionen. Dann wird der Business Case erarbeitet und der Datenschutz adressiert, bevor es in die Migrationsplanung geht.

Dabei werden Hybrid- und Integrationsszenarien betrachtet und das Change-Management eingeleitet.

Rechenzentrum und Cloud

Viele SAP-Bestandskunden nutzen Server und Anwendungen im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Dienstleister. Laut Gartner verfügen aktuell etwa zehn Prozent der Unternehmen über kein eigenes Rechenzentrum mehr und bis 2025 soll sich diese Zahl auf 80 Prozent erhöhen.

Daher lautet der Apell, nicht abzuwarten, sondern bereits heute die digitale Transformation zu starten und mitzugestalten, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Microsoft ist mit seinen Produkten als einziger relevanter Cloud-Anbieter auch in den Rechenzentren der Kunden vertreten und somit lassen sich hybride Szenarien frühzeitig implementieren und unterstützen die Bedarfe des Kunden.

Microsoft ­Azure ist die ideale Plattform als Teil einer integrativen und konsistenten Hybrid-Strategie: Verschiedene Systeme finden sich in gleicher oder ähnlicher Form sowohl on-premises, also im eigenen Haus, als auch auf Azure in der Cloud.

Die Integration von SAP muss dabei durchgängig auf allen Ebenen, von der Technik bis zum Geschäftsprozess, erfolgen. Beim SAP-Betrieb in der Cloud muss beispielsweise sichergestellt sein, dass sich die Endanwender wie gewohnt über ein Single-Sign-on anmelden können – sei es über die SAP GUI oder die Fiori App.

Mit der Bereitstellung von Azure NetApp Files (ANF) kommen aus der On-prem-Umgebung bekannte Vorteile wie Hana ScaleOut, Snap­shot und Cloning oder Cloud Sync zum ­Einsatz (siehe auch Seite 26).

Im Anschluss erfolgt die Integration auf Anwendungs- und auch auf Geschäftsprozessebene. SAP Workflows lassen sich so nativ in Outlook integrieren, damit zum Beispiel eine Genehmigung direkt aus der Mail heraus erteilt werden kann.

Ein Wechsel der Anwendung entfällt. Außerdem lassen sich auch Vorhersagemodelle für Umsatzentwicklungen schnell und einfach mit Azure Machine Learning in SAP integrieren oder mittels Microsoft PowerBI ein umfassendes und interaktives „No Code“-Reporting aufbauen. Und das für alle Arten von Endgeräten, ohne selbst Code schreiben zu müssen und direkt aus Hana heraus.

Neben der Kernfrage, ob eine Komponente aus dem eigenen Rechenzentrum oder aus der Cloud bezogen wird, gibt es aber auch weitere Aspekte zu evaluieren: Spätestens wenn Latenzzeiten, bestimmte Datenschutzanforderungen oder Kostenoptimierungen wichtig sind, dann sollte auch auf die Region geschaut werden.

Zwar ist die Cloud-Nutzung standortunabhängig und global und Plattformdienste werden identisch in Deutschland, Europa oder außerhalb Europas unter Azure angeboten, während überall dieselben Compliance-­Mechanismen zum Einsatz kommen. Aber dennoch gibt es bei genauerer Betrachtung auch Unterschiede.

Business Critical und Security

Die logische Struktur von Azure bezüglich des Standorts: Eine Geografie ist ein eigener Markt, der in der Regel ein bis zwei Re­gionen umfasst und Grenzen hinsichtlich ­Datenresidenz und Compliance wahrt. Deutschland ist zum Beispiel eine eigene Geografie.

Eine Region besteht aus mehreren Rechenzentren, die innerhalb eines durch Latenzanforderungen definierten Umkreises bereitgestellt und über ein dediziertes regionales Netzwerk verbunden sind. Azure ist aktuell in 54 Regionen und 140 Ländern verfügbar.

Neben den geografischen Konzepten verfügt Azure über eine Reihe weiterer Mechanismen zum Schutz gegen Ausfälle. SAP-Systeme sind „Business Critical“ und brauchen deshalb eine überdurchschnittlich hohe Ausfallsicherheit.

DSGVO, BSI und BaFin

Wer seine sensiblen Daten einem Cloud-Provider anvertraut und seine Systeme dort betreiben möchte, der muss sich sicher sein, dass die für den europäischen Wirtschaftsraum geltende Datenschutz-­Grundverordnung (DSGVO) genauso eingehalten wird wie der Schutz des geistigen Eigentums. Mindestens.

Die DSGVO brachte bei datenschutz- und strafrechtlichen Vorgaben viel Klarheit für Cloud-Anbieter und Kunden, und Microsoft setzt als einziger Cloud-Anbieter die technisch-organisatorischen Anforderungen der DSGVO als Standard in allen 54 Rechenzentrumsregionen weltweit um.

Eine DSGVO-konforme Datenverarbeitung ist also für Geschäftskunden auf der Microsoft-Cloud-Plattform möglich. Es besteht zudem eine Testierung nach dem C5-Anforderungskatalog des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Microsoft Azure unterstützt darüber hinaus sogar die besonderen Anforderungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Der Erfolg von Azure liegt aber nicht nur am umfangreichen Ökosystem, sondern auch am Partnermodell. Microsoft und seine mehr als 31.500 Partnerunternehmen (viele davon sind zugleich auch SAP-Partner) bieten einen persönlichen Ansprechpartner für Projektvorhaben und tägliche Themen.

In dieser Community findet sich alles, was ein SAP-Bestandskunde für seine digitale Transformation an Technik, Organisation und Lizenzen braucht.

Open Source und GitHub

Microsoft hat auch in den vergangenen Jahren sehr stark in Open Source investiert, damit die Nutzung von Azure nicht nur mit Microsoft-Produkten problemlos funktioniert: Enge Partnerschaften mit Suse, Red Hat und Canonical, Cloudera, Databricks und vielen Open-Source-Communitys stellen sicher, dass Open-Source-Technologien auf Azure eingesetzt werden können.

Nicht zuletzt mit der Akquisition von GitHub, der weltweit größten Entwicklerplattform für Open-Source-Projekte, hat Microsoft sein Engagement für offene Technologien unterstrichen.

SAP und Microsoft arbeiten seit über 25 Jahren eng und auf einzigartige Weise zusammen, und von dieser besonderen Beziehung profitieren besonders die Kunden.

Über 80 Prozent aller Geschäftskunden im Enterprise- und Mittelstandssegment sind gleichzeitig auch SAP-Kunden und können sich auf ein großes, gemeinsames Partnerökosystem verlassen.

Dazu kommt, dass sowohl SAP als auch Microsoft ihre Produkte gegenseitig integrieren, wie man am Beispiel der Integration von Teams in Successfactors, SAP CAL auf Azure, SCP on Azure oder PowerBI Konnektoren sehen kann.

Microsoft und SAP

Microsoft ist einer der größten SAP-Kunden weltweit und der einzige Hyperscaler, der SAP für Kernprozesse einsetzt. Das Microsoft-eigene SAP-System wird produktiv in der Cloud betrieben und auf S/4 Hana migriert.

Dabei arbeiten gemeinsame Projektteams kontinuierlich an Best Practices für Migration und Betrieb von SAP auf ­Azure zusammen (zum Beispiel mit der Migrationsstrategie und zur Optimierung der SAP Landscape für Azure, zum Beispiel mit dem White Paper „Migration SAP to Azure“, den Lösungsarchitekturen und Quickstart-Templates auf GitHub).

Umgekehrt ist SAP einer der größten Microsoft-Kunden und setzt durchgängig auf den Einsatz von Office365. SAP betreibt selbst missionskritische SAP- Landschaften auf Azure und es werden immer mehr.

Viele der Line-of-Business-Anwendungen von SAP laufen heute bereits auf Azure (zum Beispiel SuccessFactors), ohne dass der Endkunde das sieht oder weiß.

Mit Embrace steht die nächste Stufe der Zusammenarbeit vor der Tür (siehe auch Seite 22). Embrace ist das offizielle SAP-Programm, um Kunden den Weg zum Intelligent Enterprise aufzuzeigen.

Dafür wird Microsoft unter anderem neben Azure auch Komponenten der SAP Cloud Platform vertreiben. Dies erleichtert Kunden den Umstieg von SAP ERP auf SAP S/4 Hana in der Public Cloud. Bestehende SAP-Lizenzen können oftmals mitgenommen werden.

Darüber hinaus bietet SAP einige Lizenz­optionen an, die noch besser auf die Mehrwerte der Cloud zugeschnitten sind. In einem weiteren Beitrag in dieser Ausgabe gehen wir zusammen mit der SAP noch einmal vertieft auf unsere Partnerschaft und speziell die Neuerungen im Rahmen des Embrace-Programms ein.

Grafik 2

Microsoft-Azure-Angebote für unterschiedliche SAP-Workloads: Das Angebot reicht vom NetWaever-Stack bis hin zur Hana-Datenbank.

Capex und Opex

Will man einen IT-Dienst aus einem lokalen Rechenzentrum erbringen, so steht im Vorfeld meist die Beschaffung einer geeigneten Hardware an.

Manchmal lohnt sich die Anschaffung auch gar nicht, weil sich die geschäftlichen Anforderungen ständig ändern. Die Cloud bietet da ein flexibleres ­Modell.

Man bezieht zu jedem Zeitpunkt genau das, was aktuell benötigt wird. Hardware wird als Investitionsausgabe im Vorfeld gezahlt und über die geplante Nutzungsdauer abgeschrieben (Capex, für englisch capital expenditure, umgangssprachlich auch „Investitionskosten“). Bei der Nutzung von Cloud-Diensten wird nur das bezahlt, was man wirklich nutzt.

Dies fällt unter den Begriff Opex (Abkürzung für engl. operational expenditures). Interessant ist auch die Art der Besteuerung. Capex-Aufwände können über einen bestimmten Zeitraum steuerlich geltend gemacht werden. Opex-Aufwände hingegen werden vollständig in der jeweiligen Bilanzierungsperiode angerechnet.

Der effiziente Betrieb ist also keine reine IT-Aufgabe mehr, sondern bedingt die Mitarbeit des Kunden und seiner Fachabteilungen.

Azure unterstützt diese Aufgabe mit kostenlosen Analyse- und Verwaltungswerkzeugen, wie einem rollenbasierten Verwaltungsmodell und dem Azure Cost Management, die in der Lage sind, intelligente Analysen über das aktuelle und das erwartete Nutzungsverhalten zu erstellen.

Über den Autor

Marcus Sommer, Microsoft

Business Lead Azure Infrastructure bei Microsoft.

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