MAG 1909 Management

S/4-Stock-Room-Management

[shutterstock: 99613868, Alexey Fursov]
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Geschrieben von Stefan Bröse, Leogistics

SAP hat verlauten lassen, dass der Umstieg auf EWM bis 2025 nicht mehr die einzige Option zur Weiterführung einer SAP-basierten Lagerverwaltung sei. Unter dem Namen S/4-Stock-Room-Management gibt es die Möglichkeit, die Lagerkernprozesse im LE-WM weiterzuverwenden.

Die Option gilt allerdings nur für Bestandskunden. Neukunden wird aller Voraussicht nach weiterhin SAP EWM nahegelegt. Offen ist, wie diese Unterscheidung gehandhabt werden soll.

Zur Verfügung steht S/4-Hana-Stock-Room-Management offiziell mit S/4 1909, wobei bis 2025 ja auch die bestehende SAP-WM-Lösung seitens der SAP unterstützt wird.

Was ist drin, was fehlt? Der Scope von S/4-Stock-Room-Management deckt sich weitestgehend mit den heutigen Möglichkeiten im WM, allerdings sind Weiterentwicklungen wohl ausgeschlossen.

Fujitsu

Alle kritischen Komponenten für eine einfache Lagerverwaltung werden bereitgestellt. Nicht mehr verfügbar sind folgende Bestandteile: Das in der Tat wenig verwendete Task und Resource Management (WM-TRM) wird von S/4-Stock-Room-Management nicht unterstützt.

Wer ein dezentrales WM (WM-DWM) weiterverwenden möchte, sollte sich mit Abbildung in EWM auseinandersetzen, da es wohl nach 2025 wegfallen wird.

Ob der Verzicht auf das Value-Added- Services-Modul (WM-VAS) eine hohe Bedeutung hat, muss jeder Anwender für sich entscheiden. Jedoch bestehen durchaus Möglichkeiten, die Prozesse auch anderweitig im SAP-Umfeld abzubilden.

Die Yard-Management-Komponente (YM-WM) im WM erfreute sich niemals großer Beliebtheit und findet sich nur in wenigen Implementierungen im Einsatz.

Grafik Leogistics

Deployment Options: SAP-basierte Lagerverwaltung.

Sofern Cross Docking im WM (WM-CD) verwendet wird, könnte dies unter Umständen einen gewissen Mehraufwand bedeuten. Eine individuelle Entwicklung, um diesen funktionalen Gap zu schließen, wäre jedoch möglich.

Sollte das Wave-Management wirklich komplett herausgelöst werden und dieses in bestehenden Implementierungen genutzt werden, sollte man sich auch hier mit der Abbildung in EWM auseinandersetzen.

Weiterverwenden komplexer Entwicklungen im eigenen Namensraum: Äußerst interessant kann die neue Option sein, wenn komplexe individuelle Entwicklungen im Einsatz sind.

Unsere Erfahrung zeigt, dass in vielen Fällen Eigenentwicklungen wie zum Beispiel Staplerleitsysteme, Monitoringfunktionen, Automatisierung von Buchungen und Scanner-Applikationen den Funktionsumfang im Standard ergänzen.

Während diese bei einer Migration auf EWM weitestgehend neu konzipiert werden müssen, können sie unter Umständen mit S/4-Stock-Room-Management weitergenutzt werden.

Mit dem Aufschub, den die Weiterführung des WM mit sich bringt, gehen auch Vorteile für WM-Bestandskunden einher. So werden Investitionskosten bei der Umstellung auf S/4 besser kalkulierbar.

Schritt für Schritt lassen sich Prozesse im Back­office und der Logistik in die „neue Welt“ migrieren. Eine Entscheidung für die passende Version der Lagerverwaltungssoftware kann mit der notwendigen Ruhe getroffen werden. Ebenfalls bietet die Weiterführung der bestehenden Lagerlösung Prozesssicherheit in den operativen Bereichen.

Durch Beibehaltung bewährter Systemabläufe im Lager und in der Produktionsversorgung können potenzielle Risiken der Migration vorerst minimiert werden. Es besteht kein Zeitdruck bei der Umstellung.

Besonders interessant wird es für viele Kunden sein, bestimmte Prozesse mit einer starken Verknüpfung zu ERP-Prozessen ohne große Änderungen über 2025 hinaus weiterverwenden zu können, wie beispielsweise Wareneingangsprozesse mit und ohne Anlieferung, SAP-QM-Integration, Handling Unit Management, Verpacken in Lieferbelegen oder Produktionsversorgung (WM-PP-Schnittstelle).

Wie die Entscheidung für eine zukünftige Lagerverwaltungssoftware treffen? Zuerst sollte eine Analyse der Ist-Prozesse durchgeführt werden. Nur mit einer Aufnahme der Prozesse im Lager lassen sich Abdeckungsgrade der Alternativen bewerten.

Zudem gilt es den Einsatz der Hardware, insbesondere der Mobilgeräte und Scanner im Lager, sowie die technischen Schnittstellen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens, zu prüfen. Erst wenn ein klares Bild über diese Schnittstellen vorhanden ist, kann dieser Punkt sinnvoll bewertet werden.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Lösung nach kunden­individuellen Erweiterungen abzuchecken: Sind diese auch weiterhin einsatzfähig? Welche Abhängigkeiten bestehen? Eine Möglichkeit, die Ergebnisse der Untersuchungen gemäß den verschiedenen Lösungsalternativen zu bewerten, stellt ein Scoring-Modell dar.

Mit den neuen Möglichkeiten, die sich aus der Weiterverwendung von WM bieten, steht einer schrittweisen Umstellung auf EWM nichts mehr im Weg. Vorerst ist die Weiterverwendung bestehender Geräte und Applikationen (zum Beispiel ITS-Mobile) möglich.

Ein Umstieg auf neue Geräte und beispielsweise UI5-Apps kann sukzessive angegangen werden. Die Notwendigkeit, bestehende Prozesse umgehend in EWM abzubilden (beispielsweise als Big Bang), ist ebenfalls nicht gegeben.

Über den Autor

Stefan Bröse, Leogistics

Stefan Bröse, Solution Architect SAP Logistics bei Leogistics

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