Die Meinung der SAP-Community Lizenz-Kolumne MAG 2002

S/4 Hana: Der Mittelstand ist zu Recht verunsichert

Lizenzen

Hinsichtlich der Kommunikation zu ihrer Lizenzstrategie kommt SAP nicht gut weg. Viele Entscheider beurteilen die Informationspolitik der SAP als eher schlecht.

Die SAP-Preisliste für den Bereich S/4 Hana umfasst heute mehr als 300 Zeilen. Die Preis- und Konditionenliste ist ein Werk, in welchem auf 209 Seiten beschrieben wird, wie die unterschiedlichen Lizenzen zu bewerten sind.

Preislistenoptionen wie Digital Access und SAP OpenHub verunsichern nicht nur die installierte Basis, sondern auch die Interessenten für SAP-Software. Für Bestandskunden sind gerade beim Wechsel auf die neue Softwaregeneration diese Themen kritisch zu prüfen und mit dem jeweiligen Lizenzpartner klar zu regeln.

Zahllose Anbieter signalisieren hierbei Unterstützung und versprechen Transparenz bei der Ermittlung der künftigen Lizenzkosten. Leider geht weder der Vertrieb der SAP noch die Partnerlandschaft der SAP-Systemhäuser durchgängig offen mit Themen wie zum Beispiel der Anbindung von Drittsystemen um.

Viele SAP-Partner haben das Thema des indirekten Zugriffs über Jahre vermieden und sollten hier dringend für Klarheit in der Bestandskundenbasis sorgen.

Für viele Unternehmen bietet S/4 Hana ganz sicher weiterhin die beste Basis für die betriebswirtschaftlichen Prozesse, jedes Unternehmen sollte nur in diesem Zusammenhang die Lizenzmetrik der SAP kritisch auf seinen eigenen Anwendungsfall prüfen.

Dass SAP für die digitale Nutzung ihrer Software Gebühren erhebt, ist hierbei aus unserer Sicht völlig legitim, sofern die Mehrwerte für den jeweiligen Prozess gegeben sind. Die Metrik zur Abrechnung sollte hierbei aber weder neue Geschäftsmodelle, die Optimierung der Abläufe noch neue Vertriebskanäle verhindern.

In diesen Bereichen mussten wir in den vergangenen Monaten leider Fälle identifizieren, die hier ohne externe Unterstützung zahlreiche Risiken hätten bewältigen müssen. Ein Onlineshop gehört für viele Unternehmen zum guten Ton.

Der Onlinehandel von Waren jeder Art muss hierbei aber nicht immer über Lösungen aus dem Hause SAP unterstützt werden. Ob Woo auf der Plattform von WordPress oder eine der zahlreichen anderen Lösungen am Markt – Lösungen eines Drittanbieters zu nutzen sollte keine extremen Lizenzkosten nach sich ziehen, gerade wenn nur die Verbuchung in SAP ERP (S/4 Hana) erfolgt.

IoT ist wichtig für die deutsche Wirtschaft! Und gerade SAP als einziges deutsches IT-Unternehmen mit Weltruf darf hier für die deutsche Wirtschaft keine Hemmnisse schaffen.

Mit Hana bietet SAP eine großartige Datenbank, welche durch das Lizenzmodell nicht in ihrer Nutzung beschränkt werden sollte. Es wäre hierzu wichtig, dass nicht das Erzeugen von Daten zu Lizenzkosten führt. Sofern der Nutzen für Unternehmen gegeben ist, sollten dann aber alle Beteiligten profitieren dürfen und dies schließt natürlich auch den Hersteller der Software ein.

Das Modell der Lizenzierung von Software muss sich immer an den Rahmenbedingungen der jeweiligen Branche oder dem Markt orientieren und hier hat der neue Vorstand noch erhebliche Aufgaben vor sich.

Wenn wir einmal das Beispiel eines Bauteils in der Elektronik nehmen und dies über das Preismodell Digital Access veredeln oder den Ersatzteilhandel eines klassischen Maschinenbauunternehmens bewerten, muss SAP das Preismodell im Standard überprüfen.

Nehmen wir ein Unternehmen, welches seine Ersatzteile, die wenige Cent kosten, über einen Shop anbieten möchte und nur 100 Verkäufe über diesen Kanal im Jahr erzielt. In diesem Fall wären bei einer Fünfjahresbetrachtung die Softwarekosten pro Belegposition bei einem Euro und hemmen somit den Prozess der Digitalisierung. Gerade bei neuen Absatzwegen oder neuen Geschäftsmodellen muss dieses Thema daher vorab mit dem jeweiligen Lizenzgeber klar geregelt werden.

Für Bestandskunden verstehen wir daher die Irritation und wünschen uns daher andere Lösungen, welche den betriebswirtschaftlichen Kontext berücksichtigen. In vielen Fällen haben wir aber auch vom Markt gehört, dass für beide Seiten bei einem offenen Gespräch zufriedenstellende Lösungen gefunden werden konnten.

SAP-Kunden, die in den vergangenen Jahren zusätzlich auf Drittanwendungen gesetzt haben, sehen sich mit erheblichen Forderungen konfrontiert und müssen beim Umbau ihrer Landschaft auf zahlreiche weitere Themen, wie zum Beispiel Hana-Full-Use oder Renovierung des Berechtigungswesens, achten.

Über den Autor

Tobias Wahner, Just 4 People

Hinterlassen Sie einen Kommentar