Das aktuelle Stichwort MAG 21-03

S/4 als Sprungbrett zum Supply Chain Control Tower

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Geschrieben von Michael Rölli

Die Migration zu S/4 Hana im Bereich der operativen Logistik stellt Unternehmen vor große Herausforderungen – sowohl praktisch als auch zeitlich. Beim Wechsel von LE-WM und LE-TRA zu EWM und TM handelt es sich allerdings um keine echte Migration, sondern eher um eine Neueinführung.

Die Umstellung eröffnet auch die Chance zur Neuausrichtung: Es lohnt sich, den ganzheitlichen Blick auf die Supply Chain zu wagen, Partner einzubinden und sich mit innovativen Ansätzen einer State- of-the-Art-Logistiklösung anzunähern. Denn wer logistische Informationen transparent nutzbar macht, hockt nicht etwa wie die Spinne im Datennetz, sondern schafft für Kunden Mehrwerte, erhöht das Servicelevel und spart sogar Kosten ein.

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Als Leitbild kann ein holistischer Supply Chain Control Tower dienen, den leider viele noch immer als Softwareprodukt verstehen – der aber vielmehr eine Philosophie ist, um die operative Logistik zu betrachten. Die Offenheit gegenüber Neuem und der Optimierung logistischer Prozesse kann jedem Unternehmen helfen, entlang der gesamten Supply Chain flexibler zu handeln.

Eine Neuausrichtung mit der Einführung von S/4 und Hana im Bereich der operativen Logistik erfordert es jedoch zunächst, ein Zielbild zu entwickeln. Dadurch fallen die Priorisierung von Ausbau­stufen und die Erstellung eines realistischen Zeitplans leichter. Und: Automatisierungen in der Transportplanung, dem Frachtkostenmanagement und integrative Aspekte in der Lagerlogistik ermöglichen Vorteile in der operativen Abwicklung und können zu verringerten Kosten führen.

Um an Informationen entlang der kompletten Wertschöpfungskette zu gelangen, diese zu visualisieren und mit Geschäftslogik zu verknüpfen, sodass aktiv in die logistischen Prozesse eingegriffen werden kann, bedarf es der Vermeidung von Medienbrüchen.

Hierzu ist es wichtig, monolithische IT-Systeme und Strukturen aufzubrechen, um Geschäftsprozesse durchgängig integriert abbilden zu können. Leider sieht die Realität häufig anders aus: Lager und Transport werden separat betrachtet, die Werkslogistik wird nur als Randprozess beleuchtet.

Wettbewerbsvorteile schaffen

Werden die Prozesse aufeinander abgestimmt, ergeben sich große Automatisierungs- und Optimierungspotenziale: In einem ganzheitlichen Ansatz werden im S/4 TM Transportbedarfe aus verschiedenen Disziplinen gesammelt sowie kosten-, ressourcen- und zeitoptimiert geplant. Das Ergebnis wird automatisiert dem SAP EWM zur Verfügung gestellt und verarbeitet; die Kommunikation mit Dienstleistern findet in Echtzeit statt, Updates werden zentral verteilt.

Die häufig als Randprozess deklarierte Werkslogistik gilt es hier aktiv einzubinden. Eine auf Transport- und Lagerkapazitäten abgestimmte Zeitfensterplanung unterstützt die Abwicklung auf dem Hof und reduziert Durchlaufzeiten. ETA-basiertes Track & Trace gibt frühzeitig Informationen darüber, ob sich Lkw verspäten, Torbelegungen umgeplant und Frachtaufträge automatisch neu priorisiert werden können.

Peripherie- und hardwaregestützte Check-ins, kontaktlose Kommunikation mit Fahrern sowie digitale Checklisten und Transportdokumente führen zu Einsparungen bei Prozesskosten. Verladedialoge sorgen für die richtige Beladung; Änderungen, welche durch Beschädigungen oder Ähnliches entstehen, werden digital aufgenommen und im EWM und TM zurückgeschrieben.

Dies sorgt für eine korrekte Bestandsführung und Frachtkostenberechnung auf Basis der verladenen Fracht. Mittels Track-&-Trace-Informationen kann diese mit eventbasierten Kosten angereichert und in SAP FI/CO abgerechnet werden.

Daten gewinnbringend nutzen

Werden die Prozesse der operativen Logistik ganzheitlich integriert abgebildet, vor- und nachgelagerte Systeme im Big Picture betrachtet, Lieferanten, Dienstleister, Kunden und weitere Partner eingebunden, können die Informationen in einem Supply Chain Control Tower visuell aufbereitet und sinnvoll genutzt werden.

Dieser ist jedoch keine Standard-Software! Ein Supply Chain Control Tower ist kein Programm, sondern ein Zusammenspiel aus Technologie, Software und Mindset. An der Einführung eines solchen Ansatzes ist durch die vertikale Prozessintegration eine Vielzahl Beteiligter involviert. Eine gute Kommunikationsstrategie ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

Einzelne Verbesserungen können so von jedem erkannt werden und die Anwender haben die Möglichkeit, sich an die veränderten Prozesse schrittweise anzupassen. Immer wieder spüren wir bei Kunden jedoch Widerstand: Mangelnde Anreize für den Fachbereich sorgen dafür, dass die Digitalisierung lieber ausgesessen wird, statt die Chance auf einen positiven Wandel anzunehmen.

Leogistics hat dies erkannt und Methoden entwickelt, Barrieren abzubauen. Mit der 360°-Logistikplattform myleo/dsc bieten wir ein Framework für einen ganzheitlichen Supply Chain Control Tower, der End-to-End-Prozesse über System- und Prozessgrenzen hinweg ermöglicht. TM und EWM sind dabei das Bindeglied zwischen planerischer und operativer Ebene.

Über den Autor

Michael Rölli

Global Pre-Sales Lead Digital Supply Chain bei Leo­gistics

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