Coverstory 22-03 Mag 22-03

Rise mit HPE

Rise mit hpe
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Was machen SAP-Kunden, die nicht in die Public Cloud wollen, aber trotzdem auf die Vorteile der Cloud nicht verzichten wollen? Sie nutzen eine Cloud im eigenen Rechenzentrum – aber hier gilt es einige Unterschiede zu beachten.

Die deutschen SAP-Anwender sind generell skeptisch gegenüber der Cloud und noch skeptischer gegenüber SAP-Cloud-Lösungen, das ergab eine DSAG-Umfrage im Sommer vergangenen Jahres. Demnach hat weniger als die Hälfte der DSAG-Mitglieder (46 Prozent) generell eine „etwas positive“ bis „sehr positive“ Einstellung zur Cloud– und nur ein Drittel ist „eher zufrieden“ bis „sehr zufrieden“ mit Cloud-Lösungen im SAP-Bereich.

Das scheint auf den ersten Blick ein dickes Brett für SAPs Rise-Strategie zu sein – aber nur auf den ersten Blick, denn Cloud ist nicht gleich Cloud. Wer seine SAP-Anwendungen in die Cloud bringen will, muss sie nicht in ein fernes Cloud-Rechenzen-trum verlagern – er kann sie im eigenen Rechenzentrum weiterlaufen lassen.

Die Grundlage dafür sind On-premises-Cloud-Modelle wie HPE GreenLake. Sie bieten dieselben Vorteile wie die Public Cloud – etwa Einfachheit, Flexibilität und verbrauchsabhängige Abrechnung –, aber im Rechenzentrum des Kunden oder an einem anderen Ort seiner Wahl, zum Beispiel an einem großen Produktionsstandort. Betrieben werden die Systeme von HPE, auf Wunsch bis hinauf zum Applikations-Basisbetrieb.

On-premises-Cloud – was und wie?

Es gibt Anbieter, die mit On-premises-Cloud nur eine verbrauchsabhängige Abrechnung für IT-Infrastruktur meinen – in Wirklichkeit ist aber noch viel mehr gefordert: etwa die schnelle und einfache Skalierung der Systemkapazitäten nach Bedarf, die Betriebsverantwortung durch den Anbieter mit SLA-Rahmenvertrag für jeden Standort weltweit und ein Managementportal, über das der Kunde sehr einfach Bestellungen tätigen, Kosten kontrollieren oder den Zustand seiner gesamten Systemlandschaft übersehen kann.

Aber wie ist es möglich, diese Vorteile im Rechenzentrum des Kunden bereitzustellen? Dazu gehören Tausende von Bausteinen in Bereichen wie Automatisierung, Analytics und künstlicher Intelligenz (KI), Prozessen, global verteilten Servicestandorten – und nicht zuletzt viel Erfahrung. Im Falle von HPE steht dahinter eine mehr als zehnjährige Lernkurve und eine ganze Reihe von zielgerichteten Akquisitionen. Heute nutzen weit über tausend Kunden weltweit HPE GreenLake, dazu gehören große und kleine Firmen aus allen Branchen und öffentliche Verwaltungen. Das GreenLake-Portfolio umfasst eine große Zahl von
IaaS-, PaaS- und SaaS-Diensten und ein großes Partner-Ökosystem. Zu den Diensten gehören etwa Bare Metal, hyperkonvergente Systeme, Container-Plattformen, Machine Learning Operations, VDI, SAP, eine Reihe von Branchenlösungen und viele andere mehr.

Wie funktioniert nun eine On-premises-Cloud? Es soll hier nur ein Beispiel von vielen zur Illustration angeführt werden: die schnelle bedarfsgerechte Skalierung der Systemkapazität, die stellt HPE im Wesentlichen durch zwei Mittel sicher – durch einen physischen Kapazitätspuffer im Rechenzentrum des Kunden und durch Metering sowie Kapazitätsanalyse mithilfe von Analytics und KI. Damit wird unter anderem der Umfang des benötigten physischen Kapazitätspuffers ermittelt. Dieser kann innerhalb von Minuten aktiviert und auch wieder deaktiviert werden.

Mittels langfristiger Kapazitätsprognosen ermittelt HPE, ob und wann die physische IT-Infrastruktur erweitert werden muss, sodass Lieferprozesse angestoßen werden, bevor ein Engpass eintritt. Das Metering – unter anderem auf der Grundlage der Technologie des von HPE übernommenen Unternehmens Cloud Cruiser – ist auch die Grundlage für die verbrauchsabhängige Abrechnung und für die verursachergerechte interne Verrechnung von IT-Kosten. Letztere macht der Kunde über das GreenLake-Portal, das er außerdem für das Monitoring, Compliance-Management, Multi-Cloud-Management und anderes nutzen kann.

Rise mit hpe
HPE GreenLake ist weit mehr als verbrauchsabhängige Abrechnung im eigenen Rechenzentrum – es ist ein Cloud-Modell von der Bestellung bis zum Betrieb.

GreenLake mit SAP oder mit HPE?

Wer seine SAP-Umgebung in ein On-premises-Cloud-Modell mit GreenLake überführen will, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Er kann das mit SAP tun oder mit HPE. Die jeweiligen Angebote unterscheiden sich jedoch beträchtlich, und es hängt von der IT-Strategie, der Historie und sonstigen Präferenzen ab, welches Angebot für welchen Kunden das richtige ist. Der Unterschied kurz zusammengefasst: GreenLake als Teil des SAP-Angebots ist ein fest vordefinierter Infrastruktur-Service – GreenLake direkt von HPE bietet erheblich mehr Flexibilität und Auswahloptionen.

Konkret nutzt SAP das Konzept GreenLake für ihr Angebot S/4 Hana Cloud, Private Edition, Customer Data Center. Wie aus dem Namen hervorgeht, kann man dieses Angebot nur für S/4 nutzen. Der Kunde hat keine Wahl bezüglich der Datenbanken, Hypervisoren oder Managementwerkzeuge, auch Applikationen anderer Anbieter können nicht auf dieser Plattform betrieben werden. HPE GreenLake wird bei SAP geordert und ist Bestandteil des Rise-Gesamtvertrags. HPE ist dabei mit GreenLake bis zur Hypervisor-Ebene für den Betrieb der IT-Infrastruktur (IaaS) verantwortlich. SAP betreibt darauf die Applikationsservices und tritt als Gesamtauftragnehmer für den vollständigen Stack auf.

Bei der Customer Data Center Option kann der Kunde weder auf den SAP-Basisbetrieb noch auf die IT-Infrastruktur irgendwelchen Einfluss nehmen, ganz ähnlich wie wenn er im Rahmen von Rise ein Public-Cloud-Modell nutzen würde – allerdings im Rechenzentrum des Kunden, und daher mit Vorteilen etwa im Hinblick auf Datensouveränität und Latenzzeiten.

Für Kunden, die schon auf S/4 Hana migriert sind oder ohnehin migrieren möchten, und die zudem willens sind, sich an die SAP-Vorgaben anzupassen, ist die Customer Data Center Option also eine attraktive Alternative zur Public Cloud. Wer dagegen auf Architekturanpassungen und damit auf ein individuelles SAP-System nicht verzichten möchte, wer außerdem die gleiche On-premises-Cloud-Plattform auch für andere Anwendungen nutzen möchte, für den ist GreenLake mit HPE die bessere Lösung.

Rise mit hpe

GreenLake von Hewlett Packard Enterprise (HPE) und von SAP – ein Vergleich für die S/4-Conversion.

Flexibilität in der On-premises-Cloud

HPE GreenLake bietet Kunden in vielerlei Hinsicht Gestaltungsfreiraum. Es ist zum Beispiel nicht erforderlich, dazu auf S/4 zu migrieren. Der Kunde kann sein existierendes System in das GreenLake-Modell überführen und wenn er migrieren möchte, kann er das innerhalb dieses Modells tun. Das bedeutet natürlich auch, dass der Kunde seine vorhandenen SAP-Modifikationen, -Datenbanken, -Managementwerkzeuge usw. in das GreenLake-Modell mitnehmen kann. Weiterer Vorteil: Der Kunde kann auch andere Applikationen in derselben GreenLake-Umgebung betreiben lassen – das kann zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn diese Applikationen eng mit dem SAP-System verflochten sind.

Flexibilität bietet GreenLake auch in Bezug auf die Betriebsverantwortung. Auf Wunsch übernimmt HPE die Verantwortung inklusive SLA-Vereinbarungen bis hinauf zum Applikationsbasisbetrieb – wenn aber der Kunde mehr in eigener Verantwortung machen möchte, kann er die HPE-Dienstleistungen auch nur bis zu einer beliebig definierten Ebene in Anspruch nehmen und individuell mit HPE abstimmen. Außer Betriebsdienstleistungen bietet HPE auch ein umfassendes Portfolio an Beratungs-, Migrations- und Integrationsleistungen im SAP-Umfeld an – damit hat HPE, mit großem Abstand der Marktführer bei SAP-Plattformen, jahrzehntelange Erfahrung.

Eine Frage ist noch offen: Häufig befindet sich die vorhandene SAP-Infrastruktur im Besitz des Kunden – wie funktioniert dann der Übergang in eine On-premises-Cloud, bei der die Systeme dem Anbieter gehören und dem Kunden als Dienstleistung bereitgestellt werden? Eine Antwort im Falle von HPE GreenLake lautet: HPEs Hausbank, HPE Financial Services, kauft dem Kunden die Systeme ab. Der Kunde bekommt also eine Kapitalspritze, die er im Rahmen des GreenLake-Vertrags oder für andere Digitalisierungsprojekte nutzen kann. Wenn die Systeme das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben, werden sie im Rahmen des GreenLake-Vertrags erneuert. Für die nicht mehr benötigten Altsysteme hat HPE ein Kreislaufwirtschaftssystem aufgebaut: Sie werden nach einer vollständigen Datenlöschung renoviert und als Gebrauchtgeräte wiederverkauft.

Cloud-Paradigmenwechsel

Die Public Cloud war in den vergangenen Jahren ein wichtiger Motor der digitalen Transformation. Mit zunehmender Nutzung sind den Anwendern dabei auch deren Schattenseiten immer klarer geworden – etwa im Hinblick auf Datenhoheit, Latenz und Integration mit Inhouse-Anwendungen. Auch hat sich die Annahme nicht bewahrheitet, dass die Public Cloud generell kostengünstiger sei als der Inhouse-Betrieb, denn Flexibilität hat eben ihren Preis.

Mit On-premises-Clouds verändern sich jetzt die Spielregeln. Kunden bekommen damit die Eigenschaften der Cloud, doch unter ihren Bedingungen und unter ihrer Kontrolle. Die Public Cloud bleibt nach wie vor ein wichtiger Bestandteil in jedem IT-Mix, aber jetzt haben Kunden eine echte Alternative. Das gilt auch für die SAP-Applikation – die Anwendung also, die in vielen Unternehmen die geschäftskritischen Kernprozesse steuert und die wichtigsten Firmendaten umfasst. Die Zukunft wird zeigen, wie sich die SAP-Anwender entscheiden.

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Über den Autor

Mike Wenner, Hewlett Packard Enterprise

Mike Wenner ist Distinguished Technologist, SAP Competence Center,
Hewlett Packard Enterprise

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