Chefredakteur-Blog

Rise and Fall

Die E-3 Coverstory vom vergangenen März diskutierte die Frage nach dem Kern von „Rise with SAP“. Aktuell fehlen in der SAP-Community die konkreten Bausteine für eine Roadmap nach Rise-Vorgaben. Aus der Initiative Rise wurde somit ein Rohrkrepierer, weil nachgelagerte Produkte und Handlungsanweisungen fehlen.

Die jüngste DSAG-Umfrage bestätigt diesen Absturz der Rise-Initiative. Kaum ein DSAG-Mitglied zeigt Interesse an der Vision oder plant die Anwendung dieses Konzepts. Der Fehler der SAP ist offensichtlich: Rise blieb ein Konzept und der „Proof of Concept“ fand nie statt. Die SAP-Bestandskunden sind es aber gewohnt, dass auf schöne Worte auch Taten folgen. Einer Ankündigung müssen Produkte und konkrete Handlungsanweisungen folgen.

„Rise“ wurde aber zu „Fall“, weil nachgelagerte Angebote nicht auf die Herausforderungen der SAP-Bestandskunden abgestimmt waren. Ein Beispiel: Teil der Rise-with-SAP-Initiative ist das Process Mining des Berliner Start-ups Signavio, das SAP Anfang 2021 übernahm. Das Produkt ist gut. Signavio ist ein erfolgreiches Unternehmen. Um aber ein komplexes Thema wie Process Mining erfolgreich bei den SAP-Bestandskunden zu positionieren, ist mehr notwendig als ein gutes Werkzeug.

Ein halbes Jahr später, im Herbst vergangenen Jahres, erkannte SAP, dass für das Process-Mining-Werkzeug auch eine Handlungsanleitung notwendig ist; diese wurde eiligst durch eine Partnerschaft mit Scheer beschafft. Kurz vor dem Desaster versucht es nun SAP mit Scheer – also Signavio: Rise with Scheer. Die Ablehnung der Rise-Initiative, wie sie die DSAG-Umfrage deutlich aufzeigt, ist demnach nicht einem schlechten Konzept geschuldet, sondern lediglich der schlechten Abstimmung auf die wahren Bedürfnisse der SAP-Community. Damit wird es bei einem Rise and Fall with SAP bleiben.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
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1 Kommentar

  • Einer der Gründe, warum so viele Neuerungen der SAP fehl schlagen ist – neben der US-Unart zu glauben, dass salbungsvolle Versprechen in wunderschönen Kurz-Video-Blogs die gestandenen ERP-/SAP-Anwender von den Socken hauen und zum Füllhalter für die Lizenzunterschrift treiben. In meiner sehr langen SAP-Tätigkeit für R/2 , R3 und ECC war es richtig spannend, neue , sinnvolle, mit dem bisherigen voll intergierte Funktionen und Abläufe zu implementieren. Das mache ich aber nur, wenn ich die Gewissheit habe, diese Neuheiten sehr gut erlernt und in einem Testsystem selbst angewandt zu haben. Dazu bedarf es entweder anwendungsorientierte Schulungen und/oder ausführliche Anwender- (so wie das selige help.sap.com) und Bedienungsdokumentation (auch direkt in der Anwendung) sowie die Möglichkeit, dies in einer Testversion auch auszuprobieren. Die meisten der von SAP zugekauften Produkte – und vor allem auch für die Cloud-Produkte – trifft das nicht mehr zu. Da riskieren einfach nur mehr sehr wenige, die Katze im Sack zu kaufen bzw. sich einer Heerschar externer , relativ teuren und schwer verfügbaren Experten bedienen zu müssen, um eine einigermassen aussagefähige Testumgebung und -anwendungen zu bekommen. Auf dieser will man – speziell auch in Cloud-Zeiten u.a. auch checken, wie gut man die Software und das System an die individuellen Bedürfnisse anpassen kann – was SAP-Anwender jahrzehntelang gewohnt sind. Ich sehe nicht viel Dynamik in den SAP-Bestrebungen zu einer ERP-Cloud, wenn diese Punkte nicht – wie es die alt eingesessenen SAP-Anwender, die noch immer eine gehörige Mehrheit darstellen, erwarten – von der SAP eigeninitiativ und nicht nur durch Partner in Angriff genommen werden

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