MAG 2005 SAP und Azure Szene

Reise in die Cloud

[shutterstock.com: 1551128234, Lukas Gojda]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Ziel des Weges in die Cloud: die aus vielen Tochtergesellschaften organisch gewachsene, sehr heterogene IT-Infrastruktur zu vereinheitlichen und Prozesse zusammenzuführen – von der Master Data Governance über Compliance bis zum ERP mit SAP S/4.

Die Flowserve Corporation als einer der weltweit größten Hersteller von Pumpen, Ventilen und Dichtungen beschäftigt mehr als 17.500 Mitarbeiter in über 50 Ländern.

Von Deutschland aus betreut der Beratungs- und IT-Dienstleister All for One Group den Umzug der SAP-Systeme von Flowserve auf die Azure-Cloud-Plattform.

Ziel ist es, die aus vielen Tochtergesellschaften organisch gewachsene, sehr heterogene IT-Infrastruktur zu vereinheitlichen und Prozesse zusammenzuführen – von der Master Data Governance (MDG) über Compliance bis zum Enterprise Resource Planning (ERP) mit SAP S/4 Hana. Ein Resümee der mittlerweile 18 Monate währenden digitalen Transformationsreise von Flowserve.

Die Herausforderung: Kampf der IT-Heterogenität

„Die Reise begann, als Diego Silva, unser IT Vice President Technology and Architecture, sagte, wir sollten uns nicht mehr mit lokalen Infrastrukturanbietern auseinandersetzen, sondern eine ganzheitliche Lösung finden“

erinnert sich Jacky Kugler, IT-Manager und SAP Corporate Infrastructure Architect bei Flowserve.

Das Unternehmen hatte das Programm mit dem Namen „Flowserve 2.0“ ausgerufen, in dessen Rahmen sämtliche Prozesse und Strukturen bei Flowserve hinterfragt und angepasst werden sollten. Die digitale Transformation wurde dabei als Schwerpunkt definiert.

Eine große Aufgabe angesichts der Firmenhistorie: Innovationen von Flowserve bereichern eine Reihe von Industrien, darunter Öl und Gas, Energie, Chemie, Wasser, Pharmazie und Lebensmittelverarbeitung.

Aufbauend auf über 50 Traditionsmarken hat Flowserve in ­seiner 220-jährigen Geschichte weltweit Bekanntheit erlangt. Diese Heterogenität ist die Stärke des Unternehmens. Aber gleichzeitig auch die größte Herausforderung für die digitale Transformation:

„Die Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung wurde in den Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt“

so Jacky Kugler.

„Und wir waren aufgefordert, diese Prozesse über das gesamte Unternehmen, also über mehr als 300 Standorte, zu konsolidieren. Die Datenmenge ist groß: 38 Millionen Materialstammdaten, 1,2 Millionen Kunden, 300.000 Lieferanten. Das geht nicht mit einem Big Bang. Das geht nur sukzessive.“

In einem ersten Schritt baute Flowserve Mitte 2016 ein eigenes Shared Service Center (SSC) in Ungarn auf, um die Finance-Geschäftsprozesse zu bündeln.

Die mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten die Aufgabe, die Debitoren- und Kreditorenprozesse über die Altsysteme an den einzelnen Standorten abzuwickeln.

Das erwies sich als zeitaufwändig und wenig effizient. Nach der Entscheidung für S/4 Hana als strategische ERP-Plattform sprach Flowserve seinen langjährigen IT-Partner All for One Group an. Der auf den deutschen Mittelstand spezialisierte Microsoft-Partner hatte einen klaren Rat – nämlich mit SAP auf die Cloud-Plattform Azure zu gehen.

„Microsoft pflegt eine enge Partnerschaft mit SAP – deshalb ist Azure langfristig gesehen die einzige sinnvolle Plattform für unseren Kunden Flowserve“

sagt Michael Scherf, in der Geschäftsführung von All for One für Managed Cloud Services verantwortlich. Und Jacky Kugler ergänzt:

„All for One war uns das, was man einen One-Stop-Shop nennt – mit Kompetenzen sowohl für SAP als auch für Microsoft. Wir bekamen das Hosting der Infrastruktur in Azure und die gleichen Servicelevels, die wir schon kannten. Dieses Paket hat uns den Einstieg in die cloud­basierenden Services einfach gemacht.“

Die Lösung: Sukzessiver Umzug aller Systeme auf Azure

Die Transformationsreise von Flowserve geht über mehrere Etappen. Die erste war ein qualitativ hochwertiges Stammdatenmanagement. Debitoren, Kreditoren und Master Materials wurden über alle vorhandenen Landschaften hinweg konsolidiert.

„Diese gemeinsame Plattform mit allen Geschäftspartnern und Items war unser Grundbaustein“

so Jacky Kugler.

„Um unseren Kolleginnen und Kollegen im SSC die Arbeit zu erleichtern, haben wir über Interfaces die Prozesse der Altsysteme an den Standorten in ein in der Cloud gehostetes S/4-System übernommen. Diese zentrale Plattform macht die Arbeit effizienter.“

Künftig sollen alle Systeme, die bei Flowserve zusammenspielen, über die Azure-Cloud-Plattform laufen. Neben dem Stammdatenmanagement sind das das Governance-Risk-Compliance-System (GRC) und das komplette Enterprise Resource Planning (ERP). Dazu gehört auch die Manufacturing Integration and Intelligence (MII).

„Aufgrund der Heterogenität fehlte uns die Transparenz in der Produktion“

so Jacky Kugler.

„Indem wir Informationen vom Shopfloor in die MII- Landschaft bringen, ermöglicht uns das, die Auslastung unserer Produktions­standorte besser zu steuern und zu nutzen. Wenn wir wissen, wo gerade Kapazitäten bestehen, können wir die Produk­tion umverlagern und unsere Kunden schneller beliefern.“

Das bedeutet besondere Anforderungen an die Hochverfügbarkeit der Cloud- Lösung.

„Wenn eine Fertigungs-Facility von Flowserve irgendwo auf der Welt nicht in der Lage ist, Daten für die Produktion umgehend zu verarbeiten, ist das geschäftskritisch“

sagt Michael Scherf.

„Ein wesentlicher Grund, der für Azure spricht. Die Cloud-Plattform von Microsoft ist nicht nur hochverfügbar, sondern auch flexibel, leistungsstark und skalierbar. Und durch die Möglichkeiten, die Azure bereitstellt, können wir als Managed Service Provider Mehrwert für unseren Kunden Flowserve generieren und unsere Services weltweit in allen Regionen einheitlich umsetzen.“

Um das zu leisten, nutzt die All for One Group mittlerweile rund 50 Virtual Machines basierend auf Azure. Die Verfügbarkeit der Systeme lag in den ersten 18 Monaten der Transformationsreise bei annähernd 100 Prozent. Künftig ist auch geplant, Instanzen in Nichtnutzungsphasen gezielt herunterzufahren, um so zusätzlich Kosten zu sparen.

„Durch die enge Partnerschaft zwischen SAP und Microsoft wird Azure auch künftig für alle SAP-Services die Plattform der Wahl sein“

fasst Michael Scherf zusammen. Nach den bisherigen Erfahrungen steht für Jacky Kugler die Strategie im Unternehmen fest:

„Für zukünftige Systeme, Rollouts oder Ablösungen weltweit werden wir mittelfristig Azure-basierte Lösungen nutzen. Für 2020 haben wir schon einige Projekte in der Pipeline und auch 2021 stehen Umstellungen von Systemen an, die im Moment noch bei anderen Partnern liegen.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit Azure können wir neue Strukturen weltweit in allen Regionen ausrollen und haben mit All for One einen Partner, der global die Verantwortung für den reibungslosen Übergang und Betrieb übernimmt.“

So unterstützt Azure die IT von Flowserve dabei, ihren Beitrag zum globalen Transformationsprogramm Flowserve 2.0 zu leisten.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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