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Public Cloud oder On-premises? Beides!

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Geschrieben von Stefan Rother, Nagarro ES

In der Vergangenheit wurde bis in den gehobenen Mittelstand häufig nur die SAP-Systemlandschaft ins Outsourcing gegeben.

Der Grund für diese Entscheidung war meist die hohe Kritikalität und Komplexität. Heute erleben wir immer häufiger ein Full-IT-Outsourcing oder zumindest die Externalisierung einer Vielzahl von Servern und Anwendungen über SAP hinaus. Damit verbunden inte­ressieren sich Unternehmen gerade in den zurückliegenden zwölf Monaten vermehrt für Erfahrungen mit Hyperscalern.

Fakt ist: Immer mehr Kunden sammeln Erfahrung mit Hyperscalern und verlagern einzelne Systeme in deren Cloud. SAP ist aber oftmals noch nicht im Fokus. Warum eigentlich?

Hyperscaler für SAP?

Die großen Hyperscaler unterscheiden sich sehr in Bezug auf ihren Reifegrad – besonders mit Blick auf SAP und Hana. Einen allgemeingültigen besten Hyper­scaler für SAP gibt es nicht. Mit wem ein Unternehmen zusammenarbeiten sollte, hängt immer von der individuellen Situation und den spezifischen Anforderungen ab. Entscheidend für die Auswahl sind beispielsweise die Affinität zu Microsoft in der Kundenumgebung und der Bedarf an ergänzenden Services.

Winshuttle

Wir erleben immer wieder, dass Unter­nehmen gerne und viel mit den Public-­Cloud-Plattformen experimentieren. Die Erwartungen an Kosteneinsparungspotenziale durch gezieltes An- und Abschalten oder eine Bereitstellung nach Bedarf sind realistischerweise in einer produktiven Umgebung – und insbesondere mit SAP – in dieser Form aber nicht gegeben. Hyperscaler sind speziell nicht in der Lage, die volle Skalierbarkeit bei Hana-RAM zu ermöglichen. Die oftmals fehlende Granularität sowie Flexibilität bei Erweiterung und Reduktion führen zwangsläufig zu höheren und sprungfixen Kosten verglichen mit der On-premises-Installation bei klassischen Providern.

Der Mehrwert entsteht für Unternehmen aber, wenn sie alles aus einer Hand beziehen und managen lassen. Die hy­bride Umgebung muss für die Anwender wie eine geschlossene Systemlandschaft wirken; ohne Grenzübergänge zwischen On-premises- und Cloud-Welt. Das gilt für die Organisation und die Technologie. Und umfasst alle Bereiche – bis hin zu Security und Compliance.

Am besten hybrid!

Bei Installationsszenarien mit größeren Systemlandschaften kommen aus unserer Sicht aktuell nur hybride Szenarien infrage, weil diese für Unternehmen den größten wirtschaftlichen und technischen Nutzen haben. SAP-Systeme – und speziell S/4 Hana – sind nach wie vor sehr gut in einer On-premises-Installation aufgehoben und lassen sich für Sandboxes, Projektsysteme und andere Anforderungen optimal durch Hyperscaler-Installationen ergänzen. Im Bereich der vielen Applikationen außerhalb von SAP stehen die Türen für Public-­Cloud-Installationen viel weiter offen und werden oftmals nur in Einzelfällen durch technische oder regulatorische Rahmenbedingungen On-premises gehalten.

Die Grenzen zwischen On-premises und der Public-Cloud-Welt sind fließend und werden sich immer weiter verschieben. Die Kunst liegt darin, die Möglichkeiten für jedes Unternehmen individuell zu bewerten und hybride Konzepte zu entwickeln, die das Beste aus jeder Welt in Nutzen umwandeln.

Auf den Punkt gebracht heißt das aus meiner Sicht: Anwender können guten Gewissens SAP-Systeme bei einem Hyperscaler betreiben. Der Vorteil im Vergleich zu den übrigen Outsourcing-Deployment-Varianten ist aber ziemlich überschaubar. Tatsächlich spricht insbesondere für mittelständische Unternehmen einiges dafür, den Schritt in die hybride Welt zu gehen und dabei auf einen erfahrenen Partner zu setzen.

Die Debatte um die Hyperscaler ist wertvoll. Denn sie trägt dazu bei, dass sich die bislang weitgehend abgeschottete SAP-Welt weiter öffnet. SAP setzt sich seit ein paar Jahren gut vernehmbar für die neue Offenheit ein und handelt auch entsprechend, wie zum Beispiel die Embrace-Initiative beweist.

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Über den Autor

Stefan Rother, Nagarro ES

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