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Plattform für E2E-Prozesse und digitale Exzellenz

Jochen Glaser CS 1909 Titelbild
Jochen Glaser, Red Hat
Geschrieben von E-3 Magazin

Lange Zeit war Linux die einzige Open-Source-Komponente in der SAP-Community. Red Hat präsentiert hingegen eine perfekte Open-Source-Plattform. Mit Jochen Glaser, Global Head of SAP Business bei Red Hat, sprach Peter M. Färbinger über dieses einzigartige Lösungsangebot.

Open Source ist in der deutschen Wirtschaft angekommen! Zwei Drittel der größeren Unternehmen setzen bereits bewusst Open-Source-Software ein. Nur vier Prozent sehen das Thema kritisch oder lehnen den Einsatz ab.

Somit erkennen neun von zehn größeren Unternehmen die Vorteile durch Open Source. Open-­Source-Software wird bereits heute in der großen Mehrheit der größeren Unternehmen in Deutschland eingesetzt – und auch der verbliebene Rest könnte künftig auf solche frei verfügbaren Programme zurückgreifen.

Das hat eine Umfrage unter mehr als 800 Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ergeben.

„Für SAP-Bestandskunden ergeben sich aktuell neue Herausforderungen, denn zwei fundamentale IT-Initiativen prägen gegenwärtig den Markt: erstens die SAP- Modernisierung und zweitens die produktive Umsetzung digitaler Innovationen und Services“

so fokussiert Jochen Glaser die Frage, warum Open Source und damit Red Hat in der SAP-Community so erfolgreich sind.

„Beide IT-Initiativen finden gleichzeitig statt. Diese Entwicklung erfordert neue, gemeinsame Architekturen und Plattformen anstelle ehemaliger Silos.“

Red Hat unterstützt den Aufbau der neuen SAP-Architektur, und zwar Ende zu Ende, und hilft den Bestandskunden seit Jahren, die Silos aus vergangenen Tagen aufzulösen.

„Dadurch entstehen auch viele Synergieeffekte“

weiß der Global Head of SAP Business bei Red Hat, Jochen Glaser, aus vielen erfolgreichen Projekten.

„Unser Portfolio umfasst rund 50 Lösungen in den Bereichen IT-Optimierung, agile Integration, Hybrid-Cloud-Infrastruktur, cloud-native Anwendungsentwicklung und Automatisierung.

Alle Bereiche sind auch für die SAP-Umgebungen der Zukunft entscheidende Elemente. Ziel ist es, SAP-Anwendern die Freiheit bei der Wahl einer hybriden Cloud-Architektur zu geben.“

Bitkom hat erhoben, dass drei Viertel der Unternehmen sich selbst als an Open ­Source interessiert und dem Thema gegenüber als aufgeschlossen bezeichnen. Nur vier Prozent sagen, dass sie Open Source grundsätzlich kritisch sehen oder ablehnen.

Jedes fünfte Unternehmen ist noch unentschieden. Und schon heute gibt nur jedes vierte Unternehmen ab 100 Beschäftigten an, Open Source nicht zu nutzen. Zwei Drittel setzen dagegen bewusst Open-­Source-Software ein.

„Vermutlich nutzen sogar noch viel mehr Unternehmen Open-­Source-Lösungen, ohne es zu wissen – sei es als Smartphone-Betriebssystem oder als Softwarebasis für Webserver“

sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

„Open Source kommt vor allem bei neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz oder Blockchain eine entscheidende Bedeutung zu, weil dort das Entwicklungstempo besonders hoch ist.“

Eine ganz besondere Herausforderung findet sich in der SAP-Community: Ab 2025 sollen alle SAP-Anwendungen auf der Datenbank Hana laufen und Hana braucht Linux.

„Seit vielen Jahren und Versionen liefert Red Hat offiziell unterstützte Linux- Plattformen für SAP Hana“

erklärt Jochen Glaser.

„Im SAP-Umfeld nutzt deshalb ein sehr großes Ecosystem von Red-Hat-Partnern, also OEMs, GSIs oder ISVs, global Red Hat Enterprise Linux als Plattform für Pri­vate-, On-Premise- und Public-Cloud- Angebote.“

Und Red Hat bietet zum Beispiel auch eine Reihe von Smart-Management-Werkzeugen sowie, basierend auf Red Hat Ansible, automatisierte SAP-Hana-Deployments in beliebigen hybriden Umgebungen (siehe auch folgende Seite zum Thema Ansible Automation).

Red Hat positioniert und beschreibt sich selbst folgend: Red Hat liefert für die Herausforderungen der SAP-Anwender die passenden Antworten und Lösungen – basierend auf einem globalen Ökosystem, einem reichhaltigen Portfolio an Produkten und Services und nicht zuletzt auch durch die Vermittlung von Business-Know-how.

Das Angebot von Red Hat ist auch das Ergebnis einer langjährigen engen Kooperation zwischen dem marktführenden Anbieter von Open-Source-Plattformen und dem führenden Hersteller von Geschäftssoftware.

Bereits 1999 war Red Hat Enterprise Linux mit SAP-Applikationen lauffähig. Nach und nach intensivierte sich die Zusammenarbeit – von Red Hat Enterprise Linux 4, das bereits SAP-zertifiziert war, über Red Hat JBoss mit SAP-Hana-Portierungsvertrag und die Integration mit SAP NetWeaver bis hin zu Red Hat Enterprise Linux für SAP-Lösungen und Hana.

Vor allem seit 2017 hat sich das Angebot von Red Hat für die SAP-Welt vervielfacht. Aktuelles Beispiel ist Red Hat Enterprise Linux 8 für SAP Solutions.

Und was plant man bei Red Hat ab 2020? Wo wird der Red-Hat-Schwerpunkt im Hana-Umfeld liegen?

„Kurz gesagt: Freiheit bei der Wahl der Plattform für heutige und zukünftige SAP-Workloads, kein Vendor-Lock-in in Bezug auf Cloud-Provider und somit volle Kontrolle für die SAP-Community“

ist Jochen Glaser stolz auf sein End-to-End-Angebot.

„Red Hat unterstützt ganzheitlich die SAP-Technologiestrategie „The Intelligent Enterprise“. Konkret begründen sich diese Mehrwerte in einem einheitlichen Kern: Red Hat Enterprise Linux, RHEL, für SAP Hana unterscheidet sich nicht – und das will ich besonders betonen – vom Standard-RHEL.

Sämtliche Zertifizierungen für Hardware, Software und Security gelten uneingeschränkt. Alle Erweiterungen, Smart-Management-Produkte und Automatisierungen aus dem Portfolio von Red Hat sind identisch und ergeben damit vielfältige Synergien im Sinne einer einheitlichen Open-Hybrid-Cloud-Infrastructure- Plattform.“

Bei Bitkom weiß man, dass neun von zehn Unternehmen ab 100 Mitarbeitern Vorteile beim Einsatz von Open-­Source-Software sehen. Fragt man nach dem wichtigsten Vorzug, so nennen 17 Prozent Kosteneinsparungen, da keine Lizenzgebühren anfallen.

Mit etwas Abstand folgen weitere Gründe wie hohe Sicherheit durch zeitnahe Updates und Unabhängigkeit von einzelnen Softwareanbietern (je 9 Prozent) sowie die breite Auswahl an Open- Source-Komponenten, der Zugriff auf den Quellcode und einfache individuelle Anpassungen an der Software (je 7 Prozent).

Daneben gelten offene Standards (6 Prozent), die Kompatibilität zu weiteren eingesetzten Tools und eine aktive Community für den Wissensaustausch (je 5 Prozent) als entscheidende Vorteile von Open Source.

„Unternehmen nutzen schon lange nicht mehr allein deshalb Open Source, weil sie kostenlos ist, sondern weil sie viele weitere Vorteile bieten kann – von mehr Sicherheit bis zur einfachen Individualisierung der Software“

so Bitkom-Präsident Berg, der damit indirekt mit Jochen Glaser einig ist über den sehr erfreulichen Trend. Glaser:

„Mittlerweile unterstützt Red Hat weit mehr als Linux für SAP. Im Kern bieten wir eine komplett inte­grierte Open-Hybrid-Cloud-Infrastructure-Plattform, wie sie die SAP-Community benötigt.“

Red Hat scheint weltweit das erfolgreichste Open-Source-Unternehmen zu sein. Warum hat Red Hat die SAP-Szene in den vergangenen Jahren weniger wahrgenommen?

„Das ist eine Frage, die ich so eigentlich nur aus dem deutschsprachigen Raum zu hören bekomme“

ist Jochen Glaser überrascht.

„Ich denke nicht, dass Red Hat die SAP-Szene vernachlässigt hat, auch in Deutschland nicht. Wir waren schon immer sehr engagiert in der SAP-Community, und zwar völlig unabhängig von der Region.

Bereits seit 1999 liefern wir zertifizierte Linux-Plattformen für SAP-Umgebungen. Red Hat ist der weltweit führende Open- Source-Anbieter und auch außerhalb der deutschsprachigen Community die erste Wahl als SAP-Linux-Plattform.“

Die SAP-Community nimmt Red Hat in allen Regionen ähnlich wahr, und zwar als führenden Open-Source-Anbieter, der sich schon immer sehr für SAP engagiert hat.

Aber Jochen Glaser räumt ein, dass tatsächlich der deutschsprachige Markt eine gewisse Ausnahme darstellt.

„Aber auch hierzulande ist unser Commitment für SAP und die SAP-Community ungebrochen“

betont er.

Es gibt dennoch Vorbehalte, wie Bitkom erhoben hat: Acht von zehn größeren Unternehmen (79 Prozent) sehen auch Nachteile beim Einsatz von Open Source. Als größten Nachteil nennen dabei zwölf Prozent fehlende Fachkräfte, also Experten im Unternehmen, um zum Beispiel die Software an den individuellen Bedarf anzupassen und weiterzuentwickeln.

Dahinter folgen mangelnde Akzeptanz im Unternehmen (7 Prozent) sowie die unklare Gewährleistungssituation, fehlende Schulungsangebote, fehlende Lösungen für den eigenen Anwendungsfall, die aufwändige Umstellung von der bisherigen Software auf Open Source sowie eine zu große und damit unüberschaubare Auswahl an Open-Source-Lösungen (je 6 Prozent). Fünf Prozent beklagen zudem einen hohen Schulungs- und Einarbeitungsaufwand.

Speziell in der SAP-Community gelten diese Bedenken nur eingeschränkt, weiß Glaser:

„Es gibt im Red-Hat-Angebot viele Vorteile, zum Beispiel erweiterte Langzeit-Support-Optionen, proaktives Monitoring und Resolution nach SAP-Spezifikationen, also nach den SAP Notes.

Alle Varianten sind natürlich hochverfügbar. Red Hat Ansible, als Teil des Betriebssystems, erlaubt ein automatisiertes SAP-Hana-Deployment innerhalb von nur wenigen Minuten – und zwar exakt nach SAP-Notes-Vorgaben.

Außerdem erlaubt eine zertifizierte API-Management-Anbindung an Hana neben neuen Services auch eine Modernisierung und Migration von Eigenentwicklungen in S/4-Projekten.“

Die SAP-Hana-Szene ist mit einem Paradoxon konfrontiert: Der beste On-prem-Server für Hana ist Power 9 und kommt von IBM, das dazugehörige Linux-Betriebssystem kommt von Suse, aber logisch wäre Red Hat, weil dieses Unternehmen zu IBM gehört. Was nun?

„Red Hat und IBM verbindet eine gemeinsame Hybrid-Cloud-Strategie. Die nötigen Technologiekomponenten basieren auf der Red Hat Open Hybrid Cloud Infrastructure“

erklärt Jochen Glaser.

„Nach der kürzlichen Ankündigung der Umstellung sämtlicher IBM-Cloud-Pak-Angebote auf Red Hat OpenShift und Red Hat Enterprise Linux hat sich IBM dazu entschieden, auch Red Hat Enterprise Linux als Plattform für Hana auf IBM Power einzusetzen. Die offiziellen SAP-Zertifizierungen für Red Hat Enterprise Linux 8 auf IBM Power 9 für Hana erwarten wir in Kürze.“

Es gibt eine institutionalisierte und ex­trem enge Zusammenarbeit zwischen SAP und Red Hat. Die weltweite Allianz-Verantwortung für die Partnerschaft ist in Wall-dorf angesiedelt.

OpenSource CS 1910

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Vorteil von Open-Source-Software? Basis: alle Unternehmen ab 100 Mitarbeiter (n = 804). Quelle: Bitkom Research

Die Zusammenarbeit findet auf verschiedensten Ebenen statt. Unter anderem gibt es ein SAP-Support-Training bei Red Hat, dazu globale Trainings- und Partner-Enablement-Ressourcen für das wirklich sehr große Red-Hat-SAP-Eco-System.

„Wir sind außerdem präsent im SAP-Partner-Port in Walldorf, dem SAP-Linux-Lab sowie bei einer Vielzahl von strategischen SAP-Partnern, Integratoren und ISVs.

Außerdem ist Red Hat auch noch Mitglied im SAP Benchmark Council. Unser Commitment in Bezug auf SAP ist also wirklich extrem umfassend und vielschichtig“

beschreibt Glaser mit Stolz die aktuelle Situation.

Jon Dorrington ist VP of SAP Global Busi­ness Development und Global Ecosystem und sagt:

„Red Hat ist ein strategischer und wertvoller Open-Source-Partner von SAP. Die Technologieführerschaft von Red Hat in den Bereichen Linux, Container-Orchestrierung und API-Management unterstützt dabei, neue gemeinsame Innovationsmöglichkeiten zwischen uns und unseren gemeinsamen Kunden voranzutreiben.“

Er betont weiter:

„Kürzlich haben wir die Festlegung einer neuen strategischen Allianz mit Red Hat abgeschlossen. Sie erweitert das Plattformangebot und verbessert das Supportportfolio rund um das Flaggschiffbetriebssystem RHEL for SAP Solutions.“

Was ist für die Zukunft geplant? SAP-Chef Bill McDermott verwendet gerne „Cloud First“. Welche Cloud-Angebote hat Red Hat für die SAP-Bestandskunden?

„Red Hats globale Open-Hybrid-Cloud-Strategie auf Basis von Open Source geht einher mit der Ausrichtung von SAP und, stellvertretend für das Ecosystem aller Partner, auch IBM“

weiß Jochen Glaser.

Ziel ist eine in der Plattform verankerte und vereinfachte Entwicklung von Anwendungen, strategische Flexibilität bei der Auswahl der zugrunde liegenden Ressourcen und eine DevOps-Fähigkeit auch für SAP-Workloads und darüber hinaus.

Jochen Glaser erklärt dazu konkret:

„Ein Großteil der SAP-Anwender wird langfristig einen Mix aus On-premise-, Private-Cloud- und Public-Cloud-Services nutzen wollen, sowohl für SAP- als auch für Nicht-SAP-Workloads, die eng miteinander integriert sind.

Alle drei Ebenen – und zwar inklusive On-premise – lassen sich mit Red Hat OpenShift als bewährte Enterprise-Kubernetes-Plattform einheitlich abbilden. Es ist keine getrennte Entwicklung für On-premise oder gar für einzelne Public- Cloud-Plattformen notwendig.

Und auch das Ecosystem von SAP profitiert davon. Über 200 zertifizierte Drittanbieterlösungen befinden sich heute schon im Container-Katalog von Red Hat.“

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Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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