CFO - Kolumne Die Meinung der SAP-Community MAG 2003

Planungssicherheit mit dem S/4 Hana Readiness Check 2.0

CFO-Kolumne
Geschrieben von Gerald Peuser, Innobis

Für Banken, die mit SAP-Systemen arbeiten und dies auch zukünftig planen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wann und wie die Umstellung auf SAP S/4 Hana stattfinden soll. Wann ist die Bank bereit dafür und welche Hausaufgaben sind zu erledigen?

Der Readiness Check 2.0 der SAP gibt Antwort und unterstützt damit wesentlich bei der erfolgreichen Planung der Konvertierung auf die neue SAP-System-Version. Das Werkzeug ist branchenübergreifend einsetzbar – mit Blick auf Banken uneingeschränkt für alle zu empfehlen.

Da sich Banken bei der Konvertierung auf S/4 Hana aller Voraussicht nach für den Brownfield-Ansatz und damit ein Software-Upgrade entscheiden, ist es wichtig, zu prüfen, wie „ready“ die bestehende Anwendungslandschaft für die automatische Konvertierung der Daten während der Umstellung ist.

Damit diese reibungslos läuft, müssen im Vorfeld alle möglichen Fehlerquellen identifiziert, analysiert und behoben werden.

Der Check sollte dabei so früh wie möglich durchgeführt und etwa halbjährlich wiederholt werden, gemäß dem Rhythmus neuer Releases und von SAP eingespielter Änderungen.

Er nimmt die verwendeten Geschäftsprozesse, den Source Code und die Datenbank ins Visier und schafft Überblick über den individuellen Systemstatus. Zudem liefert das Tool Ergebnisse und Hinweise, welche Komponenten nicht S/4-fähig sind und wann und wie zu reagieren ist.

Und es schätzt die Größe einer Datenbank, gibt Hinweis, wie die Datenbank aussehen müsste, und macht Vorschläge, an welchen Stellen Daten gelöscht werden können.

Am Ende des Readiness Checks 2.0 steht ein detailliertes, sehr gut aufbereitetes und aussagekräftiges Ergebnisdokument inklusive Dashboards. Die Aufgaben, die bei der S/4-Hana-Einführung vor, während und nach der Konvertierung zu erledigen sind, werden dabei in den Kategorien obligatorisch, bedingt und optional klassifiziert.

Mit dem entsprechenden SAP-Fachwissen lässt sich alles erfahrungsgemäß in einer einstelligen Zahl an Personentagen erledigen. Diesem geringen Aufwand steht ein großer Nutzen für die Bank gegenüber.

Auf dem Weg zu einer möglichst reibungslosen Umstellung liefert das Tool im Vorfeld entscheidende Hinweise und gibt Planungssicherheit. Dies zeigte der praktische Einsatz bei einer Großbank in Deutschland.

Im Folgenden daraus resultierend einige wichtige Erkenntnisse: Bei Banken, die SAP CML zur Darlehensverwaltung einsetzen, entfällt dort die Objekt- und Sicherheitenverwaltung bei der Umstellung auf S/4 Hana. Hierfür muss die Bank vor der Konvertierung SAP CMS einführen und die SAP- CML-Objekte und -Sicherheiten dorthin migrieren.

Darüber hinaus ist es bisher in den SAP-Systemen bis auf Ausnahmen möglich, einen Kreditor oder Debitor auch ohne einen korrespondierenden Geschäftspartner einschließlich all seiner Rollen zu führen. Der Readiness Check ergab, dass dies in S/4 Hana nicht mehr durchführbar ist.

Jedem Kreditor und Debitor muss ein Geschäftspartner zugeordnet sein. Betroffen davon sind in Banken beispielsweise Kreditoren wie Lieferanten oder auch die vollständige Synchronisation beziehungsweise das Synchronisations-Customizing des Geschäftspartners mit dem Debitor.

Wie die SAP-Anwendungen sind auch die Eigen­entwicklungen der Bank auf ihre S/4-Fähigkeit zu prüfen. Der Check gibt Auskunft darüber, ob kundenindividuelle Entwicklungen von der Umstellung betroffen und welche Vereinfachungselemente relevant sind.

Für die detaillierte Untersuchung, den sogenannten Custom Code Check, empfiehlt sich dann die Komponente SAP ATC. Die Analyse ist aufwändig, für Banken aber unabdingbar.

Das Tool liefert sogenannte Findings, also konkrete Code-Stellen, die vor der Umstellung zu prüfen sind, und entsprechende „Anweisungen“, was zu tun ist. Sehr wahrscheinliches Ergebnis bei Banken ist auch, dass die Datenvolumina für die Überführung in das neue S/4-Hana-System zu groß sind.

Es werden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen. Bei technischen Tabellen ist es möglich, Daten zu reorganisieren, bei fachlichen Daten ist deren Archivierung vor der ­Konvertierung sehr empfehlenswert.

Innobis empfiehlt den Banken eine frühzeitige Evaluierung ihres Datenbestands und der damit verbundenen Herausforderungen mit dem Ziel, ein geeignetes Framework zu finden.

Über den Autor

Gerald Peuser, Innobis

Gerald Peuser arbeitet im Bereich Development und Integration
Services bei Innobis.