Mag 22-04 Satire: Das Letzte

On-prem vs. Cloud

Das-Letzte-Satire
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Wer in Entweder-oder-Kategorien handelt, hat verloren. Schwarz-Weiß-Denken ist fehl am Platz. Cloud first war gutes Marketing. Jetzt sagt SAP: Cloud only. Kann das gut gehen?

Die SAP-Bestandskunden haben sich naturgemäß Cloud Computing ganz anders vorgestellt, als es SAP jetzt verwirklichen will – ohne Exit-Strategie und mit einer lebenslangen Verpflichtung. Auch hier erlebt die SAP-Community eine schmerzhafte Erkenntnis: Cloud only der SAP ist nicht mehr zeitgemäß. Lediglich hybride Modelle werden überleben, denn nirgends gibt es eine Entweder-oder-Entscheidung, ein Schwarz oder Weiß. Die Welt ist bunt, auch wenn die Hana-Maschine in unserer Illustration schwarzen Rauch verbreitet.

Aktuell steht es nicht gut um das Beziehungsmanagement zwischen SAP und der E-3 Chefredaktion. Anfang dieses Jahres erlaubte sich ein E-3 Autor, die Frage zu formulieren, wie zeitgemäß Hana und S/4 seien. Ein Aufschrei ging durch SAP und den Anwenderverein DSAG. Das Telefon unseres Autors schrillte einen Tag durchgehend sehr nervös. Es war eine logische Frage, die noch keine Antwort hat: Wie zeitgemäß sind die Anwendungen Hana und S/4 am Ende des Customizing?
Wie zeitgemäß ist Cloud only?

Geht es gut, wird ein Großteil der SAP-Community ab 2027 produktiv mit S/4 Hana unterwegs sein. In einigen Fällen könnte es auch 2030 werden, dann ist das „neue“ ERP S/4 bereits 15 Jahre alt. Aktuell hat SAP jede Aussage über einen S/4-Nachfolger verweigert. Für eine rudimentäre Zehnjahresplanung muss sich aber SAP bis 2025 offenbaren, um nicht noch mehr Bestandskunden an die Cloud-Mitbewerber zu verlieren.

Cloud, das große Mysterium bei SAP: Unter Ex-SAP-CEO Bill McDermott (siehe Illustration) war die Aussage Cloud only vorgegeben, weil er ein Cloud-Unternehmen nach dem anderen aufkaufte. Es fehlte sowohl an Strategie als auch an Integration, aber McDermott beherrschte vorbildhaft das Narrativ und stellte somit zumindest die Finanzanalysten zufrieden.

Weitsichtig erkannte Professor Hasso Plattner die Gefahr eines ungezügelten und unkoordinierten Cloud-Wachstums. Er wusste und spürte es: Viele SAP-Bestandskunden brauchen und wünschen sich einen Weiterbestand der erfolgreichen SAP-Werte – Integration!

McDermott-Nachfolger Christian Klein hörte auf die Signale der SAP-Bestandskunden und begann mit einem neuen und jungen Vorstand, die Altlasten und Baustellen der Vergangenheit aufzuräumen. Und immer öfters hörte die SAP-Community „Cloud first“ statt „Cloud only“. Ein kleiner, aber entscheidender Strategieschwenk. SAP wurde neu eingeordnet: Cloud blieb das Ziel, aber nicht mit der Brechstange.

Die erste SAP-Pressekonferenz im neuen Jahr brachte wieder die Ernüchterung: SAP-Chef Christian Klein und Noch-CFO (Cloud Financial Officer) Luka Mucic sprachen wieder von Cloud only. Dieser Strategieschwenk ist doppelt schmerzhaft: Einerseits besitzt SAP keine technische Cloud-Computing-Kompetenz wie AWS, Google oder Microsoft und andererseits vertrauen die SAP-Bestandskunden dem Rise in die Cloud kaum. Eine aktuelle DSAG-Umfrage hat wieder einmal bestätigt, dass die Anwender vom Konzept Rise with SAP nicht überzeugt sind. Also ohne Rise in eine hybride Cloud, aber wie und wo? 

Erstmals wurde die Karikatur von Robert Platzgummer (1975 bis 2016) in der E-3 Ausgabe November 2015 veröffentlicht. Der damalige SAP-Chef Bill McDermott ist ein Marketing-Genie. In seiner ERP-Welt gab es damals nur Hana und Cloud sowie dann natürlich auch noch S/4.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
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