MAG 1909 Szene

Non-SAP-Cloud first

[shutterstock:448046341, AH86]
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Doppelinterview mit Hinrich Mielke, Devoteam/Alegri sowie DSAG-Sprecher, und Marcus Sommer, Microsoft.

Anfang dieses Jahres hat es der DSAG-Investitionsreport eindeutig gezeigt: Die Microsoft-Cloud Azure steht bei den SAP-Bestandskunden hoch im Kurs. Die frühe Partnerschaft zwischen Microsoft und Suse und die langjährige Erfahrung von Microsoft mit SAP tragen nun Früchte.

Bei den Non-SAP-Plattformen überzeugt Microsoft laut der DSAG-Investitionsumfrage aus diesem Jahr auf ganzer Linie. Der Erfolg liegt im Eco-System und dem Partnermodell von Microsoft. In dieser Community findet sich alles, was ein SAP-Bestandskunde für seine digitale Transformation an Technik, Organisation und Lizenzen braucht.

Microsoft selbst ist seit vielen Jahren intensiver Anwender von SAP-Software und hat dafür den Schritt in die Wolke nahezu vollständig durchgeführt. Ebenso SAP- und Microsoft-Partner Devoteam/Alegri, die ihr Finanzsystem auf S/4 und Hana transformierten und dann nach Microsoft Azure brachten. Das E-3 Magazin sprach mit Vertretern beider Unternehmen über „SAP on Azure“.

Herr Mielke, der DSAG-Investitionsreport von Anfang dieses Jahres zeigt eine sehr hohe Akzeptanz der Microsoft Azure Cloud im Vergleich zu anderen Non-SAP- Plattformen. Was macht Microsoft besser?

Hinrich Mielke: Der Vorteil von Microsoft basiert auf harten Fakten und weichen Faktoren. Durch den Erfolg von Office 365 ist bei vielen Kunden die Diskussion über Azure bereits geführt: mit den Mitarbeitern, dem Datenschutzbeauftragten und auch dem Betriebsrat.

Fujitsu

So sind formale Hürden bereits genommen. Ebenso ist Microsoft ein großer Kunde von SAP, setzt viele Systeme von SAP ein. Diese Systeme wurden weitestgehend bereits nach Azure umgesetzt – und dies wird von Microsoft auch entsprechend kompetent und offen nach außen getragen.

Hier kommen wir zu den weichen Faktoren: In meiner Wahrnehmung adressiert Microsoft den Enterprise-Bereich kompetent und hier wird investiert.

Sowohl in erfahrene Mitarbeiter, die die Sprache der Kunden sprechen, als auch in entsprechende Öffentlichkeitsarbeit. Microsoft ist bewusst, dass der Sales-Zyklus im SAP-Umfeld einen langen Atem benötigt, und handelt entsprechend.

Sie Sind SAP-Direktor bei Devoteam/Alegri und haben dort S/4 Simple Finance in die Azure Cloud gebracht, Was waren Ihre Erfahrungen? Wo gab es Probleme? Und wie ist der aktuelle Status?

Mielke: Wir haben Ende 2015 angefangen mit einem Greenfield-Ansatz für S/4 Hana und vom ersten Tag an auf Microsoft Azure gesetzt, um die Agilität von IaaS zu nutzen. Damals brauchte man noch eine Einzel­freigabe der SAP.

Technische Probleme hatten wir genau eines: ein Netzwerktreiber in einem speziellen Set-up. Hier zeigte sich die enge Zusammenarbeit von Microsoft und Suse – denn das Problem wurde kurzfristig gemeinsam von beiden Partnern gelöst.

Wo gab es die Herausforderungen?

Mielke: Die Schwierigkeiten lagen eher im S/4, das Produkt war damals noch recht neu, die Dokumentation ausbaubar. Dies hat am Anfang Zeit und Nerven gekostet – mit jedem Upgrade wurde es besser. Zurzeit bereiten wir den Wechsel auf Version 1909 vor.

Und das positiv Überraschende?

Mielke: Immer wieder beeindruckend ist die Flexibilität, im Laufe der vier Jahre konnten wir stets vom Fortschritt von Azure profitieren. Das meine ich wörtlich – inzwischen bekommen wir deutlich mehr Leistung zu geringeren Preisen als 2015, das freut meinen CFO!

Gerade Kunden und Bewerber sind stets beeindruckt, dass wir aufgrund von IaaS kurzfristig gewünschte Systeme bereitstellen und auch wieder dekommissionieren können.

Solch geringe Turnaround-Zeiten erfordern ein Umdenken beim Systemdesign – eine Auslegung auf „die nächsten drei Jahre“ ist nicht mehr erforderlich. Tuning und Optimierung machen sich in der nächsten Monatsrechnung positiv bemerkbar.

Herr Sommer, Sie sind unter anderem für die Story „SAP on Azure“ im deutschsprachigen Raum verantwortlich. Mit Blick auf den DSAG-Investitionsreport: Woher kommt der Microsoft-Erfolg?

Marcus Sommer: Wir müssen uns bei unseren Kunden und Partnern für diese Einschätzung bedanken. Denn unseren Erfolg definieren am Ende unsere Kunden und Partner.

Schauen wir uns also an, was wichtige Faktoren sind. Zum einen ist es das gute Zusammenspiel unserer verschiedenen Lösungen auf der Cloud-Plattform, bis hin in den sehr relevanten Hybrid-Bereich.

Hier ermöglichen unsere Lösungen eine gute Integration bestehender IT-Landschaften mit cloudbasierten Lösungen. Zudem pflegt Microsoft von jeher intensive und langfristige Beziehungen zu Unternehmen.

Wir bieten unseren Kunden also jederzeit einen persönlichen Ansprechpartner. Das ist nicht zu unterschätzen. Hinter uns steht aber auch ein schlagkräftiges Partnersystem, in dem Produkt­expertise und Branchenkenntnisse zusammenkommen.

Wir bieten mit diesem Ökosystem also nicht nur die Technologie, sondern begleiten auch die geschäftlichen Anforderungen unserer Kunden über den vollen Lebenszyklus

Hinrich Mielke

Wie viele Microsoft-Partner gibt es momentan, die einen SAP-Bestandskunden bei der Transformation von on-prem nach Azure unterstützen können?

Sommer: Alleine in Deutschland hat Microsoft gut 31.500 Partner. Viele davon sind zugleich auch Partner von SAP. Über 60 dieser Partner haben bereits ihre SAP- Projekt- und -Technologieexpertise unter Beweis gestellt und meine Kollegen bilden monatlich weitere Partner aus.

Wir tun dies, da unsere Kunden bevorzugt mit ihren Bestandspartnern arbeiten wollen. Genauso wichtig sind aber die bereits angesprochenen unterschiedlichen Kompetenzen unserer Partner. So haben wir Partner, die einen Managed Service anbieten.

Andere Partner stellen fertige Lösungen bereit, die sich in die Umgebungen integrieren lassen und damit echte Mehrwerte im Bereich Kostenoptimierung oder Integration realisieren. Kapazität und Vielseitigkeit sind hier das Credo.

Wie wichtig ist für SAP-Bestandskunden, dass sich die Cloud und damit die Daten in Deutschland befinden?

Mielke: Für viele SAP-Kunden ist ein Verbleib der Daten innerhalb der EU sehr wichtig, ebenso dass der SAP-Betrieb innerhalb der EU durchgeführt wird.

Ein Verbleib der Daten in Deutschland ist insbesondere im regulierten Umfeld bei Banken oder Pharma von hoher Wichtigkeit und ein gewichtiger Pluspunkt bei der Entscheidung für ein IaaS-Angebot.

Sommer: Das kann ich nur unterstreichen. Auf der einen Seite gibt es klare gesetzliche oder regulatorische Vorgaben. Aber auch Kunden anderer Branchen stellen uns diese Anforderung und benötigen eine Datenverarbeitung in Deutschland, bei vollem Funktionsumfang einer Cloud.

Unsere neuen Rechenzentren kommen diesen Anforderungen nach. Sie sind Teil unserer weltweiten und hochsicheren Cloud-Infrastruktur, garantieren zusätzlich aber die Speicherung von Kundendaten in Deutschland.

Welche SAP-Versionen werden nach Azure transformiert? ERP/ECC 6.0 mit AnyDB? ­Suite on Hana? Oder nur S/4-Hana-Systeme?

Mielke (lacht): Hier gibt es sämtliche Szenarien. Einem Kunden von uns geht die Kapazität im On-prem-Rechenzentrum aus, ein Neubau ist nicht geplant – somit muss kurzfristig verlagert werden: ECC 6.0 mit AnyDB.

Und S/4?

Mielke: Der Wechsel auf Hana mit späterem Umstieg auf S/4 ist oft ein auslösendes Moment – insbesondere für die ersten PoC. Hier ist man sich oft beim Sizing noch nicht sicher und die Systeme werden auch nicht 7×24 benötigt.

So ist Azure ein willkommenes Hilfsmittel, um erste Erfahrungen mit Hana zu sammeln. Ebenso werden Vertrauen und Know-how der SAP-Betriebsmannschaft zu Azure aufgebaut – und entsprechende Betriebsprozesse verprobt, angepasst und optimiert.

Herr Sommer, die SAP-Datenbank Hana benötigt als Betriebssystem Linux. Ist das nicht ein Widerspruch für eine Microsoft- Cloud?

Sommer: Im Gegenteil, es spricht für Azure. Die Unvereinbarkeit von Microsoft und Open Source ist ein Überbleibsel vergangener Tage. Wir haben heute schon mehr Linux- als Windows-Systeme auf Azure.

Zudem pflegen wir enge Partnerschaften mit Linux-Distributoren und sind sogar Platinum Member der Linux Foundation. Wir tun dies, da die Wahl des Systems beim Kunden liegt. Selbst Windows 10 verfügt mittlerweile über einen Linux Kernel.

Herr Mielke, welche Erfahrungen haben Sie mit Suse Linux auf Azure hinsichtlich Installation, Maintenance und Performance gemacht?

Mielke: SLES for SAP auf Azure ist eine problemlose und gut integrierte Plattform. Mit den Hilfsmitteln zum SAP-konformen Konfigurieren und Tunen des Betriebssystems sowie dem Live-Patching, Reboot-freies Patchen, ist man auf die Anforderungen der Enterprise-Kunden gut eingegangen.

Denn diese können sich oftmals keine Downtimes leisten, benötigen jedoch Systeme, die nachweislich auf einem aktuellen Patchlevel und entsprechend den Empfehlungen von SAP konfiguriert sind. Der Support ist, wie angesprochen, integriert und vorbildlich.

Herr Sommer, wenn ein SAP-Bestandskunde sein Test- oder operatives System auf Azure betreiben will, welches Linux-Know-how und Linux-Maintenance muss er hierfür vorhalten?

Sommer: Linux-Vorwissen schadet nie. Wir pflegen lange und intensive Partnerschaften mit SAP und Linux-Distributoren wie Suse. Zusammen bieten wir hier fertige Lösungen an, die sich direkt einsetzen lassen.

Die SAP Cloud Appliance Library bietet beispielsweise vorkonfigurierte Systeme unter Suse an, die sich in kürzester Zeit auf Azure für Test- und QA-Umgebungen bereitstellen lassen. Somit kann man sich aufs Wesentliche wie die Integration in Unternehmensprozesse konzentrieren.

Bei Produktivsystemen haben unsere Kunden natürlich die höchsten technischen Anforderungen. Dazu kommen meist noch Compliance-Anforderungen an den Betrieb. Wir bieten z. B. gemeinsam mit Devoteam/Alegri Seminare an, für den sicheren Betrieb von SAP Hana im Finanzsektor.

Herr Mielke, sind die Ressourcen für Linux auf Azure bei den SAP-Bestandskunden vorhanden? Wie weit haben die S/4-Anwender das Betriebsmodell „SAP auf Azure“ verstanden?

Mielke: Linux auf Azure zu betreiben ist für viele SAP-Bestandskunden kein Pro­blem, gegebenenfalls bieten sich Delta-Kurse an. Oder der Betrieb von Linux, Hana und gegebenenfalls Basis wird z. B. an uns out­getaskt.

Wichtig ist, die Architektur und das Betriebskonzept sowie das Systemdesign anhand eines Konzepts zu erstellen.

Was gilt es somit zu beachten?

Mielke: Wichtig ist: Microsoft Azure ist ein Software-defined Rechenzentrum – und mit großer Macht geht auch große Verantwortung einher. Hier muss ein Konzept erarbeitet werden, ähnlich dem Aufbau eines neuen RZ.

Es gibt Lösungsvorschläge für einzelne Systeme von Microsoft, die wir an die Governance des Kunden anpassen. Ebenfalls helfen wir Kunden auch bei der initialen Erstellung oder Anpassung einer Governance. Oft helfen hier Vorarbeiten, die bereits für Office 365 geleistet wurden.

Herr Mielke, Sie sind auch stellvertretender DSAG-Arbeitsgruppensprecher „SAP auf Microsoft Azure“: Welche Themen bewegen die DSAG-Mitglieder im Moment am intensivsten und warum?

Mielke: Die DSAG ist ja eine Vereinigung der Anwender – und hier sind praktische Erfahrungen sowie Best Practices von anderen Anwendern zurzeit sehr gesucht.

Erfahrungsberichte, „Faustregeln“ und der interaktive Austausch und das Diskutieren der eigenen Gedanken sind hier stark gefragt, dies zeigen auch die Teilnehmerzahlen der Arbeitsgruppe.

Herr Sommer, aus Sicht von Microsoft, wo gibt es noch Baustellen und was sind die Erfahrungen aus den bisherigen Transformationen? Wo wird man in den kommenden Monaten noch Hilfestellungen leisten?

Sommer: Die Migration in die Cloud ist eigentlich nur der allererste Schritt. Dann geht es an die Optimierung der Systeme und die Nutzung der neuen Möglichkeiten.

Also die Automation der Systeme und eine bedarfsgerechte und flexible Skalierung. Oder das Herunterfahren von Systemen, welche nicht 24×7 benötigt werden, und das Offloading von nicht benötigten Daten. Also am Ende um die weitere Kostenreduktion.

Aber auch Integration zu IoT, Office 365, Bestandssystemen oder PowerBI sind Themen, auf die wir verstärkt eingehen werden. SAP-Daten sind die Basis vieler weiterer Szenarien. So nutzt Microsoft bereits erfolgreich Machine Learning auf Basis von SAP-Daten für den Financial Forecast.

Marcus Sommer

Herr Mielke, Herr Sommer, die aktuelle Diskussion wurde von SAP meist als „Entweder-oder“ geführt. Der SAP-Bestandskunde arbeitet on-prem oder ist in der Cloud. Ist das richtig? Entspricht das der Realität?

Mielke: Die Kommunikation von SAP ist für viele Kunden verwirrend. Die S/4-Hana-On-prem-Edition läuft auf IaaS in der Cloud oder on-prem. S/4-Cloud-Edition ist SaaS, hat andere Features und eine andere Codeline!

In der Realität wird es meist auf einen Hybrid-Betrieb hinauslaufen, viele SAP-Bestandskunden wollen oder können nicht sämtliche Systeme verlagern. Microsoft Azure bietet hier z. B. einen nahtlosen Übergang bei Identitäten mit einheitlichem Management mit Azure Active Directory.

Sommer: Unsere Kunden treffen die Entscheidung, wann sie welche Teile in die Cloud migrieren. Kaum jemand wird eine vollständige Migration in einem Schwung durchführen können.

Daher ist es wichtig, nicht in Schwarz oder Weiß zu denken, sondern hybrid. Und das geht mit der ­Azure-Plattform eben am besten, da wir einheitliche Schnittstellen und Systeme sowohl für On-premises als auch für die Cloud bieten.

Wir bieten mächtige Sicherheitslösungen in der Cloud, die in der Lage sind, On-prem- sowie Cloud-Systeme, auch von Drittanbietern, zu monitoren und zu schützen.

Herr Sommer, von vielen SAP-Partnern wird der Begriff Hybrid-Cloud angeführt und verwendet – unter anderem von Net­App, mit denen Microsoft eine gemeinsame Hybrid-Cloud-Entwicklung angestoßen hat. Können Sie darüber Auskunft geben?

Sommer: Das ist ein schönes Beispiel für eine der vielen strategischen Partnerschaften, die wir pflegen. Deren Ergebnisse fließen in die jeweiligen Produkte ein und ermöglichen es so, auf bestehendes Know-how und bestehende Investitionen zurückgreifen zu können.

NetApp bietet hier verschiedene Möglichkeiten an. On-pre­mises und Cloud elegant miteinander zu verbinden. So lassen sich beispielsweise kalte Daten unter Nutzung aller Enter­prise-Features wie De-Duplikation, Kompression und Verschlüsselung in die Cloud verlagern und damit kostentechnisch optimieren.

Herr Mielke, wie würden Sie den Wissensstand in der SAP-Community über Cloud Computing im Allgemeinen und über Public, Private und Hybrid Cloud im Speziellen beschreiben?

Mielke: Die unterschiedliche Nutzung von Begriffen ist für viele Kunden verwirrend. Bei unseren Roadshows haben wir am Anfang stets eine kleine Session, um „SAP-Lingo“ zu erklären und Angebote in SaaS, PaaS und IaaS einzusortieren und auch darzustellen, was genau der Scope ist.

Dies wird stets dankend angenommen. Das Know-how über die Vorteile und den Nutzen der entsprechenden XaaS ist durchaus vorhanden – gefragt sind erprobte Vorgehensweisen, die strukturiert vom jetzigen Zustand in den Zielzustand führen.

Herr Mielke, bei Ihren S/4-Transformationsprojekten und langjährigen SAP-Bestandskunden stoßen Sie wahrscheinlich auch auf Abap-Modifikationen im Z-Namensraum, wie gehen Sie damit um? Was ist dazu die Meinung aus dem DSAG-Arbeitskreis?

Mielke: Eigenentwicklungen sind ein wichtiger Bestandteil der Journey to S/4 Hana bzw. des Masterplans. Eine wichtige Frage ist, ob Greenfield, Brownfield oder eine der Zwischenlösungen der Weg der Wahl ist, hierzu beraten wir neutral und unabhängig.

Wichtige Entscheidungskriterien sind die Kritikalität der Entwicklungen, ihr Dokumentationsstand und die Testbarkeit. Der Readiness Check ist inzwischen in Version 2.0 verfügbar. Dazu ist die Simplification-List noch eine wichtige Quelle zum Abgleich.

Danach lassen sich Aufwand und Nutzen bestimmen und das weitere Vorgehen festlegen. Möglicherweise kann eines der zahlreichen Tools am Markt helfen, oder der Greenfield-Ansatz ist die Lösung der Wahl. Der Weg zu S/4 ist eine höchst kundenindividuelle Entscheidung.

Und transformieren Sie den gesamten Datenbestand oder selektieren Sie die Daten, die auf Azure verschoben werden?

Mielke: Ein gründliches Housekeeping lohnt sich auf alle Fälle. Das geht über die klassische Archivierung weit hinaus, z. B. auch nicht mehr genutzte Belegarten sollten vorher entfernt werden.

Der Nutzen ist doppelt wirksam: Zum einen verkleinert sich die Größe der Hana-Datenbank, zum anderen reduziert sich der fachliche Test- und Umstellungsaufwand.

DSAG Investitionsreport

Devoteam/Alegri bringt erfolgreich SAP- Bestandskunden in die Cloud. Was wünschen Sie sich als weitere Unterstützung von SAP und Microsoft?

Mielke: Von SAP wünsche ich mir eine etwas stringentere Kommunikation der Produkte, Roadmaps und Scope der verschiedenen Angebote, auch inklusive der Einschränkungen.

Dazu eine noch aktivere Pflege des Partner-Ecosystems. Die Servicepartner von SAP sind die Multiplikatoren, die für einen reibungslosen Wechsel auf S/4 und Hana sorgen.

Und was steht nun bei Microsoft auf der Wunschliste?

Mielke: Bei Microsoft sind wir fast wunschlos glücklich – hier haben wir in den vergangenen Jahren wirklich eng und gut zusammengearbeitet. Immer wichtig sind die zertifizierten Maximalgrößen von virtuellen Maschinen – auch wenn Kunden jetzt vielleicht noch nicht mehr als 8 TB Hauptspeicher brauchen, ist es immer gut, entsprechende Kapazitäten nutzen zu können.

Herr Sommer, das Datenvolumen ist bei jeder S/4-Transformation ein spezifisches Thema. Man kann es vielleicht mit dem NetApp-Hybrid-Ansatz lösen. Welche anderen Lösungen kommen aus dem Microsoft/SAP-Partnernetzwerk?

Sommer: Hier möchte ich exemplarisch die fertigen Lösungen von Datavard für innovatives SAP-Datenmanagement nennen. Ein Großteil der Daten in SAP Hana ist „eiskalt“ und Volumen kostet Geld.

Unser Partner bietet hier eine clevere Lösung, welche diese Daten erkennt und aus dem aktiven Datenbestand auslagert. Das spart Kosten und Zeit und ist auch eine gute Vorbereitung einer Hana-Migration.

Stellen Sie sich einen SAP-Bestandskunden mit Suite on AnyDB vor. Die SAP’sche Deadline 2025 kommt näher! Wie beginnt man die Story „SAP auf Azure“?

Mielke: Gerade bei der näher rückenden Deadline ist Azure ein exzellenter Service, um schnell, flexibel und problemlos mit der Transition zu starten. Microsoft Azure entfesselt von jeglichen Hardware-Restriktionen.

Test- oder Projektsysteme, auch mit mehreren Terabyte Hauptspeicher, lassen sich „im Handumdrehen“ aufbauen und nutzen, z. B. auch nur 50 Stunden pro Woche, und können ebenfalls kurzfristig wieder dekommissioniert werden.

Eine Probemigration auf Hana lässt sich in Azure ohne eigene Hardware durchführen und optimieren, mit dem DMO bei Bedarf auch hochparallelisiert und mit minimaler Downtime.

Das Sizing bei S/4 und speziell bei der Datenbank Hana bleibt eine Herausforderung, oder?

Mielke: Falls man sich bei der Zusammenführung mehrerer SAP-Instanzen in ein S/4-System nicht über das Sizing der finalen Hana-Datenbank sicher ist – kein Problem, man kann ja innerhalb einer kleinen Downtime ein Resizing der Hardware durchführen. Die Einstiegshürden sind also zumindest bei der Infrastruktur deutlich niedriger als on-prem.

Es geht also auch ums Lernen und das Erfahrungsammeln mit S/4 in der Cloud?

Sommer: Viele Unternehmen haben noch wenig Erfahrung mit der Cloud sammeln können. Es ist ein neues und mächtiges Instrument. Letztendlich benötigt es Erfahrung aus der Praxis, um zu einem umfassenden Bild zu kommen.

Daher empfehlen wir, einen Partner an Bord zu holen. Diese bieten teilweise kostenlose Assessments an, um einen vollständigen Überblick zu erhalten, was auf einen zukommt. Auch wir bieten teils kostenlose Testumgebungen an. Das ist eine gute Hilfe, um sich dem Thema „hands-on“ zu nähern.

Danke für das Gespräch.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter [email protected] | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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