Coverstory 22-05 Mag 22-05

New Digital Core

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Die Investitionen in die digitale Transformation steigen seit Jahren kontinuierlich an. Einen wahren Schub hat die Coronapandemie gegeben. Viele dieser Veränderungen hätte es ohne die Pandemie in der Geschwindigkeit und Fokussierung nicht gegeben.

Der Transformationswille ist dabei in allen Branchen deutlich spürbar und spiegelt sich in den angestoßenen Programmen, Planungen und Budgets wider. Vor allem diejenigen Unternehmen, die in der Vergangenheit stark auf analoge Kanäle und weniger auf digitale Kundenschnittstellen gesetzt haben, standen plötzlich unter großem Druck – unter anderem weil viele sich in der Vergangenheit nur auf die notwendigsten Digitalisierungsprogramme konzentriert und einen ganzheitlichen Umbau in Form vom Rollout neuester digitaler Technologien im gesamten Unternehmen vermieden haben. Aus unseren Studien wissen wir nun, dass Themen wie Digital Experience, Plattformökosysteme und vor allem Datenanalysen massiv an Relevanz gewonnen haben. 

B2C- und B2B-Kanäle

Entsprechend stark investieren Unternehmen in die Digitalisierung der Kundenschnittstellen, also in die Marketing- und Kommunikationskanäle sowie die Absatzkanäle. Das Neue daran ist, dass es nicht nur Unternehmen aus dem B2C-Geschäft sind, die nun stärker ihre Kunden-Frontends digitalisieren, sondern auch Unternehmen aus sehr klassischen Branchen wie Maschinen- und Werkzeugbau, Chemie oder dem B2B-Handel. Konsequenz: Digitalisierung wird endlich ganzheitlicher angegangen. 69 Prozent der CIOs beobachten, dass die Digitalisierung und die dazu notwendige Transformation seit Ausbruch der Coronakrise von ihren Unternehmen deutlich stärker forciert wird. Hier sind der Aufbau neuer digitaler Geschäftsmodelle sowie Prozesseffizienz-Programme, aber auch der Trend zu New Work die wesentlichen Treiber.

Technologisch haben wir vor allem bei Themen wie AI, Cloud, Security sowie intelligenter Automatisierung in den letzten beiden Jahren eine deutlich gestiegene Nachfrage beobachtet. Auch die Nachfrage nach Individualsoftwareentwicklung ist stark gestiegen – vor allem für differenzierende Lösungen an der Kundenschnittstelle. Hier sehen wir auch zunehmend Cloudnative als Softwarearchitektur im Einsatz. Gleichzeitig wird in die Modernisierung der Prozess- und IT-Landschaft investiert. Genau hier haben wir in den letzten beiden Jahren beobachtet, dass Unternehmen ihre oft sehr komplexen IT-Landschaften konsolidieren und durch moderne Standard-Software-Plattformen ablösen – zunehmend als Software as a Service. 

Die Sorge, digital abgehängt zu werden, ist hoch! Ein weiterer wichtiger Grund, Transformationsprogramme zu forcieren, ist, dass viele Unternehmen Sorge haben, dass die Kluft zwischen den digitalen Vorreitern und denjenigen, die bei der digitalen Transformation zögern oder nicht konsequent handeln, immer größer wird. Daher werden nach unserer Beobachtung immer mehr ganzheitliche Digitalisierungsprogramme angestoßen vor dem Hintergrund, dass digitale Geschäftsmodelle einen radikalen Umbau der Betriebssysteme, Prozesse und Architekturen sowie massive Investitionen in neue Softwarelösungen verlangen, um die IT für die veränderten Anforderungen zu modernisieren und mehr in das Business zu integrieren.

Microservices, Cloud und E2E

Was suchen und brauchen Unternehmen in ihren Prozessen und in ihrer IT? Schnittstellenoffenheit, modulare Microservices, Cloudnative in bestimmten Bereichen, Skalierbarkeit sowie Verfügbarkeit und End-to-End für Datenverfügbarkeit. Am Ende ist aber immer das Spannungsfeld aus Effizienz und Customer Experience. Da wir mitten im Cloud-Zeitalter sind, kommt es allerdings sehr stark darauf an, dass sich auch Individualsoftware-Lösungen sehr effizient in der Cloud betreiben und weiterentwickeln lassen – Stichwort Security, Patches und Releases. 

Um den digitalen Wandel erfolgreich zu gestalten, müssen bisher isolierte Prozesse miteinander zu End-to-End-Prozessketten verzahnt und bisher ungenutzte Automatisierungspotenziale gehoben werden. Die Digitalisierung erfordert vor allem das kontinuierliche Sammeln und unmittelbare Auswerten und Analysieren von Daten – idealerweise direkt am Ort ihrer Entstehung. Damit ist beispielsweise Personalisierung – ein enorm wichtiges Element der digitalen Transformation – möglich. Dies gelingt unter anderem durch das Aufbrechen historisch gewachsener IT- und Prozess-Silos und die Vernetzung einzelner Prozesse zu Microservices, die sehr flexibel verändert und angepasst werden können.

Aus diesem Grund hat Corona auch der Umstellung auf die neue S/4-Suite aus Sicht von Lünendonk einen deutlichen Schub gegeben, unter anderem um einen Digital Core aufzubauen, in dem sich Daten reibungslos zwischen den Front- und Backend-Systemen austauschen lassen – in Echtzeit natürlich. Laut einer Lünendonk-Studie zum Stand der S/4-Hana-Umstellung aus dem Jahr 2021 erkennen viele der befragten SAP-Kunden nun die Chance, mit S/4 als digitalen Kern auch ihre digitale Transformation anzugehen.

Über den Autor

Mario Zillmann, Lünendonk

Angestellt als Partner bei der Lünendonk GmbH

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