Die Meinung der SAP-Community Hausmitteilung MAG 20-12

Never change a running system

Hausmitteilung

Was tun mit der neuen ERP-Generation S/4? Selbst der Anwenderverein DSAG warnt vor einem Schnellschuss, denn der Wechsel ist ein Kraftakt. Und 8100 produktive S/4-Systeme nach fünf Jahren sind nicht ermutigend.

Die SAP-ERP-Version S/4 wurde am 3. Februar 2015 an der New Yorker Börse vom damaligen Chef Bill McDermott, dem Ex-CTO Bernd Leukert sowie von Professor Hasso Plattner präsentiert. Mehr als fünf Jahre später haben etwa 15.100 SAP-Kunden eine S/4-Hana-Lizenz erworben, davon haben aber nur 8100 Kunden ein lauffähiges und produktives S/4-System. Diese Transformation innerhalb von fünf Jahren für einen anstehenden ERP-Versionswechsel ist besorgniserregend.

In einer Presseaussendung schreibt der Verein DSAG: Der Wechsel an sich ist für viele Unternehmen ein erheblicher Kraftakt, der mit einer Reihe weiterer Veränderungen einhergeht.

„Denn“, so der DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch, „eine S/4-Hana-Migration ist kein minimalinvasiver Eingriff, sondern ein umfangreiches Change-Projekt auf prozessualer, organisatorischer und technischer Ebene.“

Veränderungen betreffen vielfach nicht nur das ERP-System selbst, sondern führen auch zu Anpassungen in integrierten Umsystemen oder der Einführung neuer Softwarelösungen.

Wer sich noch nicht mit hybrider oder cloudbasierter Software und deren Integration in eine SAP-Landschaft befasst hat, steht vor großen Herausforderungen. Letztendlich ist es dann ein technischer Versionswechsel ohne Geschäftsprozessvorteile. Es ist mehr als verständlich, dass nur die Hälfte der stolzen S/4-Lizenzbesitzer auch ein Customizing wagte: never change a running system.

Technisch und organisatorisch hat SAP-Chef Christian Klein fast alles richtig gemacht. Transformationsprozesse brauchen aber Zeit. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Wartungsverlängerung über 2030 hinaus ist demnach hoch, weil eine S/4-Migration keinen minimalinvasiven Eingriff, sondern ein umfangreiches Change-Projekt darstellt.

SAP-Aufsichtsrat, Vorstand und die Partner-Community zeigen mit Hana und S/4 eine blühende Zukunft. Sie vergessen aber, die Gründe zu nennen, warum der SAP-Bestandskunde seine existierende Business Suite 7 mit AnyDB verschrotten soll. Das Neue möge besser sein, das Alte ist aber auch nicht schlecht, oder?

Es gibt in der SAP-Community viele Proofs of Concept bezüglich Hana und S/4, aber wenig Vertrauen in einen nachhaltigen Mehrwert. Eine DSAG-Umfrage zeigt, dass viele SAP-Bestandskunden auf dem Weg in Richtung Hana und S/4 sind, aber SAP weigert sich, Antworten betreffend Transformation zu geben und vertrauensbildende Maßnahmen zu setzen:

Wie geht es nach 2025 mit AnyDB in Richtung Hana und später auf S/4 weiter? Die Beantwortung dieser Frage wurde Anfang dieses Jahres auf den DSAG-Technologietagen von SAP-Vorstand Jürgen Müller angekündigt. Bis heute gibt es keine SAP-Antworten.

Der DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch fordert von SAP passende Lösungen und Hilfestellungen wie eine klare Einordnung zur Informationssicherheit und DSGVO-konformen Verarbeitung personenbezogener Daten, geeignete Qualifizierungsprogramme, mehr Planungssicherheit bezüglich erforderlicher Komponenten und Lizenzen für hybride Szenarien sowie Integrationsfähigkeit als Kernforderung. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, um den Weg zu S/4 und in eine hybride Zukunft zu meistern.

„SAP ist auf einem guten Weg und hat auch bereits wichtige Meilensteine erreicht, aber es sind noch einige Hürden zu nehmen“, so Pietsch.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
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