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Nachhaltigkeit mit IT

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Geschrieben von E-3 Magazin

Jedes fünfte Unternehmen versteht laut den Marktforschern IDC noch nicht, inwieweit IT eine Nachhaltigkeitsinitiative unterstützen kann. In den vergangenen Jahren ist aber das Bewusstsein für gesellschaftliche Fragen mit globalen Folgen für die Zukunft rapide gestiegen.

Unternehmen in Deutschland treffen dabei nicht nur auf ein sich veränderndes Konsumverhalten, sondern auch auf strengere Regulierungen und Investorenanforderungen in puncto Nachhaltigkeit. Inwieweit Nachhaltigkeit in den Unternehmen und den IT-Abteilungen angekommen ist und vor welchen Herausforderungen Organisationen bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen stehen, hat die IDC-Studie „IT und Sustainability in Deutschland 2022“ zutage gefördert. IDC hat im Dezember 2021 in Deutschland branchenübergreifend 200 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt, um detaillierte Einblicke in die Planungen, Herausforderungen und Treiber in Bezug auf Nachhaltigkeitsinitiativen durch und mit IT zu erhalten.

Die Pandemie hat der Bedeutung von Nachhaltigkeit bei 80 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland einen deutlichen Schub gegeben. 38 Prozent der befragten Unternehmen verfügen nach eigenen Angaben bereits über einen unternehmensweiten Nachhaltigkeitsansatz, weitere 40 Prozent über einzelne Programme. Die größten Treiber sind dabei die Kundennachfrage nach umweltfreundlichen Produkten und Angeboten sowie die Verbesserung der Betriebs- bzw. Produktionseffizienz. Fast alle Organisationen gaben an, ihre Nachhaltigkeitsziele bis 2030 erreichen zu wollen, dazu gehört neben der konsequenten Ausrichtung auf die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft (44 Prozent) vor allem die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnern, die ihre Nachhaltigkeitsziele teilen (41 Prozent).

CBS Consulting

Zu den größten Herausforderungen bei der Umsetzung der aktuellen Nachhaltigkeitsziele zählen eine mangelnde Transparenz über Prozesse und Daten (25 Prozent), die Einbindung der Mitarbeiter auf der operativen Ebene (23 Prozent) sowie ein fehlendes Bewusstsein dafür, wie Technologie bei der Steigerung von Nachhaltigkeit unterstützen kann (21 Prozent). „Dass jedes fünfte Unternehmen in Deutschland offenbar keine klare Vorstellung hat, wie IT in puncto Nachhaltigkeit konkret eingesetzt werden kann, überrascht zum einen“, sagt Elena Georg, Projektleiterin bei IDC. „Es passt aber auch ins Bild, wenn wir uns anschauen, wo deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung stehen.“

Responsible Design

Während Vorschriften für nachhaltiges Wirtschaften eingeführt werden, die zum Beispiel Abgaben auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen festlegen, erlaubt die SAP-Lösung Responsible Design and Production Unternehmen, schneller auf Verfahren der Kreislaufwirtschaft umzusteigen. Die Lösung bietet Unternehmen einen Überblick über die Materialströme in ihren Prozessen und hilft ihnen, die sich ändernden Vorschriften, vor allem zu Produktverpackungen und Kunststoffen, zu verfolgen und einzuhalten. Da Unternehmen zunehmend nachhaltige Produkte entwickeln, werden die Steuerung von Materialien und die Verwaltung gesetzlich vorgeschriebener Daten eine der komplexesten Herausforderungen in der heutigen Konsumgüterindustrie.

„Die Kreislaufwirtschaft beruht auf drei Prinzipien, die vom Design beeinflusst werden: Abfall und Umweltverschmutzung vermeiden, Produkte und Materialien immer wieder verwenden und natürliche Systeme regenerieren. Digitale Lösungen spielen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle“, sagt Andrew Morlet, CEO der Ellen MacArthur Foundation. „Unternehmen können dadurch Verfahren der Kreislaufwirtschaft in ihre sämtlichen Abläufe einbinden – vom Produktdesign, das die Vermeidung von Abfall von vornherein berücksichtigt, bis zur Verfolgung des Lebenszyklus der verwendeten Materialien.“

Mit der SAP-Lösung sollen Unternehmen Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in ihre Kernprozesse integrieren und damit Abfall vermeiden und zusätzlichen Mehrwert erzielen, indem sie Produkte gestalten, die von Anfang an nachhaltig sind. So erhält zum Beispiel ein Markenmanager für Shampoos einen Überblick über den gesamten Produktlebenszyklus, einschließlich der Verpflichtungen aus der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) und der Abgaben auf Kunststoffverpackungen in verschiedenen Märkten. Er ist dadurch in der Lage, das Design zu verändern, um Abfälle zu verringern, und entsprechende Entscheidungen zu treffen, um die Kosten des nachgelagerten Abfallsystems zu senken.

„Jedes Jahr verbrauchen wir fast doppelt so viele Ressourcen, wie unser Planet wieder bereitstellen kann. Unternehmen können hier einen entscheidenden Beitrag zur längeren Ressourcennutzung in unseren Systemen leisten, indem sie auf ein intelligentes, verantwortungsvolles Produktdesign setzen, bei dem Ressourcen wieder verwendet und nicht entsorgt werden“, sagt Scott Russell, Mitglied des Vorstands der SAP SE und Leiter des Bereichs Customer Success. „Produkte zu gestalten, mit denen Abfall vermieden wird und für die ökologisch verantwortungsvolle Materialien verwendet werden, ist grundsätzlich sehr kompliziert. Aber SAP Responsible Design and Production verringert diese Komplexität und dient unseren Kunden als Maßstab, damit sie Produkte bereitstellen können, die dem Produktionszyklus wieder zugeführt werden und schließlich eine regenerative Wirtschaft erreichen.“

Während heute das Energiemanagement oder Mitarbeiterschulungen für mehr Umweltbewusstsein implementiert sind, gehören der Bezug von fairen IT-Produkten, der Aufbau von Smart Buildings und die Ökobilanzierung von Produkten und Services zu den Initiativen in der Zukunft. Die Optimierung der Effizienz von Lieferketten, Fertigungsprozessen, Maschinen oder des Fuhrparks will in Zukunft jeder zweite Befragte angehen – allesamt Maßnahmen, die durch IT überhaupt erst möglich werden.

Top 5 der Nachhaltigkeitsthemen mit dem größten Bedarf an Softwareprodukten in den kommenden zwei bis drei Jahren: Lieferketten und Kreislaufwirtschaft auf Platz drei.

IT-Strategie

Nachhaltigkeit per se hat in den IT-Abteilungen einen hohen Stellenwert und wird schon heute immerhin bei zwei von drei Unternehmen zumindest punktuell in strategischen IT-Entscheidungen berücksichtigt. In rund 28 Prozent der Firmen ist der Nachhaltigkeitsaspekt allerdings bereits fester Bestandteil einer ganzheitlichen IT-Strategie, Tendenz klar steigend. Denn bereits für die Hälfte der Befragten ist Sustainability ein wichtiger Einflussfaktor beim Bezug von IT. Zudem will in den kommenden 24 Monaten nahezu ein Drittel der Unternehmen mehr als 30 Prozent des IT-Budgets in nachhaltige Produkte und Dienstleistungen investieren, die Hälfte der Unternehmen plant immerhin, zwischen zehn und 29 Prozent des Budgets nachhaltig auszugeben.

Schon bei der Nutzungsdauer von IT-Hardware wird das immense Nachhaltigkeitspotenzial in der IT deutlich, denn das Ende des Nutzungszeitraums wird in den Unternehmen wenig überraschend vor allem nach wie vor über die Abschreibung und die Vertragslaufzeit definiert und nicht an Leistung oder Verschleiß festgemacht. Hat die Hardware das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht, so wird sie primär recycelt (29 Prozent), weiterverkauft (27 Prozent) oder an den Gerätehersteller zurückgegeben (24 Prozent). Vor allem im Bereich der Hardware spielt für knapp 90 Prozent der befragten Unternehmen die Druckerinfrastruktur eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsstrategie.

Gut 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich mithilfe moderner, intelligenter Drucker und Multifunktionsgeräte Stromverbrauch und CO2-Emissionen in diesem Bereich reduzieren sowie Prozesse optimieren lassen. „Es liegt auf der Hand, dass die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen neue Lösungswege und Innovationen erfordert, die die Unternehmen im Alleingang oft nicht schaffen können“, sagt Marco Becker, Projektleiter bei IDC. „Daher sind externe Partner, nachhaltige Ökosysteme und künftig vor allem der Fokus auf ihre Lieferketten für fast zwei Drittel der Befragten wichtig zur Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele. Wir erwarten, dass künftig zunehmend in nachhaltige Ökosysteme investiert wird und die Unternehmen sich verstärkt an IT-Anbieter wenden, die über die entsprechenden Netzwerke verfügen.“

Die Studie zeigt, dass das Thema Nachhaltigkeit bereits einen Einfluss auf deutsche Unternehmen hat und durch steigende Anforderungen von Kunden, Politik und Investoren weiterhin zunehmen wird. Der IT kommt bei der Erreichung von mehr Nachhaltigkeit eindeutig eine Schlüsselrolle zu, denn sie kann mittels Datenverarbeitung und -analysen sowohl Nachhaltigkeitsinitiativen effektiv begleiten als auch die Grundlage für neue Prozesse und Produkte mit positiven Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit sein. IT unterstützt also nicht nur die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen – sie werden durch den Einsatz von IT oft überhaupt erst ermöglicht. So schafft IT durch die Bereitstellung von Cloud, IoT oder KI die notwendige Transparenz im Unternehmen selbst sowie entlang der Lieferkette.

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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