MAG 1512 Management

Mobilfunkanbieter setzt auf SAP-Add-on

2015
Geschrieben von E-3 Magazin

Kundennähe in sämtlichen Absatzkanälen ist für das handelsorientierte Telekommunikationsunternehmen Freenet Group unverzichtbar. Voraussetzung dafür ist eine perfekt funktionierende Logistikkette. Deshalb bildet der Digital-Lifestyle-Provider seine Lagerverwaltung nun mobil ab.

Mit rund 570 unter der Hauptmarke Mobilcom-Debitel betriebenen Shops und 43 unter der Premiummarke Gravis laufenden Stores sowie etwa 5.600 weiteren stationären Vertriebsstellen im Fachhandel und in 400 großen Elektronikmärkten ist Freenet Group im ortsgebundenen Handel flächendeckend in Deutschland vertreten.

Ohne eine leistungsfähige IT-Infrastruktur inklusive schlanker, integrierter Logistikprozesse ist eine solche Aufgabe kaum zu bewerkstelligen. Diese muss vor allem wirtschaftlich betrieben werden und flexibel skalierbar sein, um mit dem Wachstumskurs der Unternehmensgruppe Schritt halten zu können.

„Als wir Anfang des Jahres 2013 die Gravis Computervertriebsgesellschaft übernommen haben, war schnell klar, dass wir die damit verbundene Artikelvarianz und das zugehörige Mengengerüst mit unseren bisherigen Lagerkapazitäten und unserem SAP-System allein nicht mehr adäquat abbilden konnten“

erklärt Sven Meißner, Abteilungsleiter im Logistikzentrum Oberkrämer, die Ausgangssituation.

„Wir haben daraufhin nach einer mobilen Speziallösung gesucht, mit der wir unsere interne Lagerverwaltung optimieren und ohne großen Aufwand in unser SAP-System integrieren konnten.“

Schließlich standen die Mitarbeiter vor der Aufgabe, die gestiegene Artikelvielfalt in den Logistikzentren transparent und vor allem effizient zu verwalten. Denn zum Portfolio zählen seitdem auch Laptops, Tablet-PCs sowie dazugehörige Veredlungskomponenten.

Stand heute ist Gravis mit 43 Stores einer der größten unabhängigen und autorisierten Händler von Apple-Produkten in Deutschland.

Den Zuschlag erhielt nach einem Auswahlverfahren der Walldorfer SAP Software Solution Partner Mobisys. Das SAP Add-on MSB Client ermöglicht es, Erfolgs- und Fehlermeldungen individuell zu visualisieren und auf den im Einsatz befindlichen Handhelds darzustellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lagermitarbeiter eine solche Meldung schlicht übersieht, geht somit gegen null.

„Vor dem Hintergrund, dass wir im Zuge unserer Zertifizierung nach ISO Norm 9001 die Fehlerquellen in unserer Logistik reduzieren wollten, hat uns das Handling des MSB Client in dieser Hinsicht besonders gut gefallen“

so Martin Schröter, Teamleiter Office bei Mobilcom-Debitel.

Darüber hinaus lässt sich der Client vollautomatisiert skalieren, wodurch sich ein aufwändiges Heranzoomen von Details oder Informationen umgehen lässt.

Die Einführung des MSB Client startete im Logistikzentrum Oberkrämer in Brandenburg, von wo aus ausschließlich Geschäftskunden (B2B) beliefert werden. Die Projektmitarbeiter setzten in einem ersten Schritt einen Workshop zur Soll-Aufnahme auf, bei dem ein mit dem Fachbereich abgestimmtes Pflichtenheft erarbeitet wurde.

Umgesetzt wurde das Pflichtenheft im Anschluss mit Unterstützung der Mobisys-Berater im Rahmen eines mehrtägigen Workshops. Nach dessen Ablauf war die IT-Abteilung von Mobilcom-Debitel in der Lage, alle noch erforderlichen Projektschritte selbstständig vorzunehmen und das Projekt erfolgreich abzuschließen.

„Dank intensiver Tests vor der Einführung verlief die Inbetriebnahme vollkommen reibungslos“

berichtet Martin Schröter.

Kleinere Anpassungen, die erst im laufenden Betrieb ersichtlich wurden, konnte das interne Entwicklerteam umgehend selbst vornehmen.

Das Unternehmen nutzte dafür die Entwicklungsplattform MSB Developer, um die Lösung im laufenden Betrieb kontinuierlich zu optimieren. Nach dem erfolgreichen Projektstart rollten die Experten den MSB Client auch am Logistikstandort Büdelsdorf aus. Von dort aus bedient der Mobilfunkbetreiber vornehmlich Klienten im Privatkundenbereich (B2C).

Effizientes Warehousing durch mobile Prozesse

Seither greifen an zwei Standorten rund 60 Mitarbeiter über Datalogic- und ­Psion-Handhelds auf den MSB Client zu und beliefern sowohl Klienten aus dem Geschäfts- als auch dem Privatkundenbereich zuverlässig und schnell.

Der mobile MSB Client bildet wichtige Logistikprozesse wirtschaftlich ab und schafft die notwendige Transparenz und Flexibilität durch die mobilen Prozesse, von der Einlagerung der Ware über die Umlagerung von Lagerplatz zu Lagerplatz bis hin zur Auslagerung der Ware und deren Auslieferung.

Vor dem Einsatz des Add-ons konnten die Lagermitarbeiter Bestandsabfragen nur an festen Arbeitsplätzen durchführen, Picklisten ausdrucken und manuell abarbeiten, Transportaufträge nur an stationären Operatoren mit der Liste abgleichen und quittieren.

Auch Inventuren waren nur per Laptop zu bewerkstelligen. Es wurde der gesamte Logistikprozess digitalisiert und damit durchgängig optimiert. Aus den Aufträgen lassen sich sogenannte Gruppen bilden, über die die hauseigenen Shops, Fachhändler oder auch Privatkunden beliefert werden.

Die daraus generierte Pickliste lässt sich nun ohne großen Aufwand mit dem MSB ­Client direkt im SAP-System abrufen und abarbeiten. Der zuständige Sachbearbeiter kann so alle einem ­Auftrag zugehörigen Materialien aus dem jeweiligen Lagerplatz picken und direkt vor Ort mit dem mobilen Client erfassen.

Dieser stößt automatisch den Nachschub im SAP-System an, beziffert also exakt die Ware, die aus dem Hochregallager in die Kommissionier-Zone geht und von dort aus in den Versand verbracht wird.

Fehlerquoten und Transparenz

So lassen sich selbst Aufträge, die sich aus mehreren Wareneingangspositionen zusammensetzen, fehlerfrei kommissionieren und abschließend quittieren:

„Mit der mobilen Lösung haben wir unseren Logistikprozess entscheidend vereinfacht. Durch die Integration des Kontrollprozesses konnten wir potenzielle Fehlerquellen und zeitaufwändige Nachbearbeitungen im Vorfeld vermeiden und zudem Wegezeiten einsparen, da die Wege zum stationären Operator-Arbeitsplatz komplett entfallen sind“

erläutert Martin Schröter die Vorzüge des MSB Clients.

Da sich der MSB Client auch offline einsetzen lässt, nutzen ihn die Mitarbeiter problemlos in allen Lagerbereichen, auch dort, wo keine WLAN-Abdeckung besteht. In dem Moment, in dem sie wieder in Reichweite des Funknetzes kommen, können sie neue Daten, Listen und Informationen aus dem SAP-System laden und die bereits erfassten Positionen an das SAP-System zurücksenden und im Hintergrund verarbeiten lassen.

Nächster Schritt Warenausgangsbuchung

Lediglich die Warenausgangsbuchung läuft aktuell noch über stationäre PCs. Allerdings soll der MSB Client in Kürze auch diesen Prozessschritt unterstützen. Denn Mobilcom-Debitel will in absehbarer Zeit auch die Datenmitführung von Seriennummern nahtlos in seine mobile Prozesskette integrieren.

Telekommunikationsunternehmen sind gesetzlich verpflichtet, für jeden eingelagerten PC, Laptop oder jedes Smartphone und Tablet-PCs die sogenannte IMEI-Nummer (International Mobile Station Equipment Identity) vorzuhalten. Dabei handelt es sich um eine 15-stellige Seriennummer, anhand derer jedes GSM- oder UMTS-Endgerät weltweit eindeutig identifiziert werden kann.

„Deshalb wollen wir bei der Warenausgangsbuchung über den MSB Client künftig neben unseren gebräuchlichen Artikelnummern auch gleich die IMEI-Nummern erfassen und scannen“

so Linda Behrens, Abteilungsleiterin Standort Büdelsdorf.

„So können wir die jeweiligen Nummern beim Packen der Waren ohne großen Aufwand auf der jeweiligen Rechnung und dem zugehörigen Lieferschein ausdrucken.“

Hierzu muss das interne Entwicklerteam lediglich das Transaktionstemplate von der SAP-Materialnummer auf die verwendeten EAN (European Article Number) umstellen. So schlägt das Unternehmen zwei Fliegen mit einer Klappe und bildet sowohl seine Waren- als auch Datenströme in der mobilen Integrationsplattform ab.

Auf diese Weise kommt das Unternehmen nicht nur seiner Nachweispflicht bei den zuständigen Behörden nach, sondern verfolgt im nächsten Projektschritt auch konsequent seine Strategie, die Komplexität seiner Lagerverwaltung weiter zu reduzieren.

Nachschuberstellung in SAP

Durch die Digitalisierung der Logistikprozesse und die damit verbundene Prozessoptimierung haben sich die Anschaffungskosten am B2B-Standort in Oberkrämer in zwölf Monaten amortisiert.

Am B2C-Standort Büdelsdorf waren es durch das aufgebaute Know-how weniger als zehn Monate. Stand heute erfassen die Mitarbeiter zahlreiche Material- und Lagerbewegungen direkt an Ort und Stelle mittels Handhelds, die kabellos über WLAN vernetzt sind.

Über den MSB Client können die Lagermitarbeiter zuverlässig den Gesamtbestand eingelagerter Materialien abrufen, auch wenn das Unternehmen ein und dasselbe Produkt auf mehrere Wareneingangspositionen und einzelne Chargen aufgliedert und damit seinen unterschiedlichen Vertriebslinien (B2B, B2C, eigene Stores) Rechnung trägt.

Durch die unmittelbare Integration der mobilen Plattform MSB in das SAP-System konnte das Unternehmen seine Logistikprozesse nicht nur vereinfachen, sondern auch transparenter und damit weniger fehleranfällig gestalten.

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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