MAG 21-11 Satire: Das Letzte

Mitwirkungspflicht

Das-Letzte-Satire
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Um den ERP-Wagen wieder aus dem Dreck zu ziehen, waren immer schon gute SAP-Roadmaps und die Eigeninitiative der Bestandskunden gefragt.

Hand anlegen im Rechenzentrum, beim Releasewechsel Eigeninitiative zeigen und ein paar ECC-Workarounds erfinden, das sind die SAP-Bestandskunden seit R/2 und R/3 gewohnt. Cloud Computing sollte sie nun von allen On-prem-Mühen und -Plagen befreien, denn die Cloud sollte die logische Weiterführung von Outsourcing und Hosting sein.

Der Weg in die Cloud sollte eine Arbeitsentlastung für die SAP-Bestandskunden werden. Aber SAP sieht die Angelegenheit anders: Im SAP’schen Cloud-Standard sind nur rudimentäre Dienstleistungen inkludiert – ohne aktive Mitarbeit passiert nur wenig. Im Cloud-Selbstverständnis der SAP gibt es für Bestandskunden eine explizite Mitwirkungspflicht.

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Im operativen Betrieb wird die SAP Business Technology Platform (BTP) zur Kostenfalle und in der Folge damit zur Mogelpackung. Je tiefer SAP-Bestandskunden in die Geheimnisse und Strukturen der BTP eindringen, umso mehr stellen sie fest, dass sie es mit der alten HEC, Hana Enterprise Cloud, zu tun haben. Etikettenschwindel? Vielleicht, denn HEC war nicht falsch oder schlecht, aber BTP sollte zu einem fairen Preis mehr sein. Was der SAP-Bestandskunde bei der HEC eventuell noch als „Kinderkrankheiten“ tolerierte, will er auf der BTP als automatisiertes Service wiederfinden.

Tatsache ist, dass viele SAP-Bestandskunden kaum einen Unterschied zwischen BTP und HEC feststellen. Vielleicht kann BTP mehr als HEC. Aus der Sicht der SAP-Basis und der Perspektive eines CCoE-Leiters ist der Unterschied zwischen HEC und BTP marginal – nicht aber für den CFO und CIO!

Die zum Beginn niedrigen Gebühren der SAP’schen BTP erklären und offenbaren sich erst nach mehrmonatigem Betrieb. Es gibt eine Art von Mitwirkungspflicht in der SAP-Cloud: Es wird teuer! Wer nicht selbst Hand anlegen will oder kann, muss einen deutlichen Aufpreis akzeptieren. Naturgemäß bleibt auch SAP in der Cloud hilfreich zur Stelle, aber schnell kostet es den Bestandskunden ein Vielfaches der ursprünglich akzeptierten Pflegegebühr.

Was früher der Outsourcer oder Hoster für den SAP-Bestandskunden als Dienstleistung und Service übernahm, muss der Bestandskunde in der SAP-Cloud eigenständig durchführen. Naturgemäß bietet SAP auch Serviceleistungen an, die aber im Regelfall extra bezahlt werden müssen. Kann der SAP-Bestandskunde seiner Mitwirkungspflicht nicht nachkommen, wird es teuer!

Eine Vollkostenrechnung ist nur schwer zu bekommen, weil die Erfahrung mit dem SAP’schen Cloud Computing fehlt. Die Business Technology Platform bleibt somit eine teure Einbahnstraße, denn es fehlt die Cloud-Exitstrategie zurück ins preiswertere On-prem-System. Realistische Übergangszeit und ein Zurück zum Ursprung sind nicht eingeplant. Der SAP-Bestandskunde rätselt demnach über die verschlungenen Roadmaps – und das seit den goldenen R/3-Zeiten, als noch Professor Henning Kagermann den SAP-Atlas in den Händen hielt.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
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