Die Meinung der SAP-Community Industrie 4.0 - Kolumne MAG 20-03

Mit Master Data Governance zu automatisierten Prozessen

Industrie 4.0
Geschrieben von Arno Michelis, Simus

Master Data Governance (MDG) eröffnet viele Möglichkeiten zur Pflege, Validierung und Verteilung von Stammdaten – eine wichtige Voraussetzung für Projekte der Industrie 4.0.

Einerseits lässt sich mit automatisierten Prozessen die Stammdatenqualität selbst in internationalen Strukturen erheblich verbessern. Andererseits können auf den gleichen Wegen viele andere Unternehmensprozesse automatisiert und damit in hoher Qualität beschleunigt werden.

Dabei muss sich eine MDG-Implementierung nicht auf die Möglichkeiten des ERP-Systems beschränken – es gibt ergänzende IT-Lösungen, welche die Effizienz enorm steigern.

Master Data Governance umfasst alle strategischen, organisatorischen, methodischen und technologischen Aktivitäten in Bezug auf die Stammdaten eines Unternehmens. Ihr Ziel ist die Maximierung und langfristige Sicherung der Datenqualität sowie der system- und anwendungsübergreifenden Datenkonsistenz.

Die Digitalisierung von Prozessen stellt hohe Anforderungen an die Datenqualität, die mit Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit beginnt. Erst die Konformität der Daten mit systemspezifischen Regeln lässt eine maschinelle Verarbeitung zu.

Die Daten müssen widerspruchsfrei, also konsistent und möglichst einzigartig, sein: Dubletten blähen den Datenbestand unnötig auf, sorgen für Mehraufwand, bilden eine potenzielle Fehlerquelle und treiben die Prozesskosten in die Höhe. Allein die Masse an Stammdaten fordert enorme Anstrengungen von Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen müssen.

Master Data Governance integriert neben einer geeigneten IT-Lösung auch unternehmensweite Prozess- und Organisationsstrukturen mit klaren Regeln und Verantwortlichkeiten.

Unternehmen können – und müssen – damit Abläufe wie jenen zur Materialstamm-Anlage modellieren und individuelle Freigabe- und Genehmigungsprozesse definieren.

Dann verfügen sie zugleich über eine wirksame Methode zur permanenten Erhaltung der erreichten Stammdatenqualität. Mit den gleichen Mitteln und Methoden lassen sich viele weitere Geschäftsprozesse unterstützen und automatisieren.

Präzise Text­informationen können automatisch übersetzt und als Einkaufsbestelltexte, Webshop-Informationen oder Beschreibungen für Ersatzteilkataloge verwendet werden.

Die Erzeugung von Seriennummern für industriell gefertigte Komponenten und Produkte, die Gewährleistung einer eindeutigen Rückverfolgbarkeit von Bauteilen, Chargen und Qualitätsinformationen einschließlich ihrer Dokumentation oder eine zeitliche Gültigkeitsdokumentation von Stücklisten sind typische Anforderungen der Industrie 4.0.

Einmal definierte Prozesse mit integrierter Prüf­instanz im laufenden Betrieb sorgen anschließend für schnelle und fehlerfreie Abläufe nach geltenden Normen und Regeln.

Das Konzept der Master Data Governance scheint dazu geeignet, Qualitätsmängel von Stammdaten bei überschaubarem Aufwand zu eliminieren. Durch permanente Überwachung und automatische Korrekturmechanismen bringt es eine hohe Sicherheit in vielfältige digitale Prozesse.

Für die Realisierung eines MDG-Projekts empfiehlt sich zunächst eine grundlegende Bereinigung und Restrukturierung der Stammdaten mit darauf spezialisierten Werkzeugen, die auch das anschließende MDG-Projekt effizienter umsetzen als ein ERP-System.

Über den Autor

Arno Michelis, Simus

Dr. Arno Michelis ist Geschäftsführer der Simus Systems in Karlsruhe.