MAG 1512 Szene

Mehr bezahlen für Nichtgenutztes?

2015
Geschrieben von E-3 Magazin

Der weltweit führende Hersteller von Hightech-Funktionsmaterialien Sympatex bezieht SAP-Wartungsleistungen für den ERP-Einsatz vom Drittanbieter Rimini Street. E-3 sprach mit CIO Hasso Ercelebi über die Gründe, dem Herstellersupport den Rücken zu kehren und auf Rimini Street zu setzen, sowie über die gemachten Erfahrungen mit dem global agierenden SAP-Drittwartungsanbieter.

E-3: Sympatex ist langjähriger SAP-Bestandskunde. Mit welcher Software-Version erfolgte der SAP-Start?

Hasso Ercelebi: In der Sympatex-Gruppe wird SAP bereits seit über 20 Jahren genutzt. Begonnen hatten wir mit SAP R/2. Heute nutzen wir SAP ERP ECC 6.0 unternehmensweit in Verbindung mit einer SAP-typischen Drei-System-Landschaft.

E-3: Können Sie bitte einen groben Überblick zur Anzahl der Anwender und deren Lizenz-User-Typen geben?

Ercelebi: Unsere circa 150 User verteilen sich auf die Nutzertypen „Professional“ und „Limited Professional User“.

E-3: Wann und wie haben Sie das erste Mal von Rimini Street gehört?

Ercelebi: Bereits zu einem Zeitpunkt, als Rimini Street noch gar keine Wartung für SAP-Systeme angeboten hat. Das Geschäftsmodell hat mir damals schon gefallen, wobei ich eher darauf spekuliert habe, dass die Softwarehäuser ihre Margen für die Wartung ihrer ERP-Software zurückschrauben werden.

Winshuttle

E-3: Wie erfolgte die Kontaktaufnahme?

Ercelebi: Ich habe meine Kontaktdaten über die Homepage von Rimini Street eingegeben, wobei seinerzeit Rimini Street noch nicht in Deutschland vertreten war. Anschließend erfolgte ein Rückruf aus England.

E-3: Was hat Sie zu Beginn überzeugt, dass Sie Drittwartung in Erwägung ziehen?

Ercelebi: Auslöser war die Bitte an SAP, ein paar von uns dauerhaft nicht genutzte Lizenzen stillzulegen.

Die strikte Weigerung und das Beharren darauf, weiterhin für nicht vorhandene User Wartung zu bezahlen, traf auf denselben Zeitpunkt, als SAP ihre Kunden aus dem SAP-Standard-Support in den Enterprise Support drängen wollte.

Faktisch bedeutete dies: mehr Kosten für weniger genutzte Leistung. Und für uns stellte sich die Frage, ob SAP noch den richtigen Partner für uns darstellt.

E-3: Was waren die entscheidenden Argumente und wie kam es dann zum Vertragsabschluss?

Ercelebi: Rimini Street war damals im Jahr 2009 die einzige echte Alternative zur regulären SAP-Wartung. Leider gab es praktisch keine Referenzkunden, die längere Erfahrung mit der Drittwartung für ein SAP-System in Deutschland hatten.

Kann Rimini Street nicht nur alle gesetzlichen Änderungen zeitnah abdecken, sondern auch kurzfristig quasi Erste Hilfe leisten, wenn unser Produktivsystem nicht richtig läuft, fragten wir uns.

Im Endeffekt war uns das Risiko speziell beim HR-Modul zu groß gewesen, für das die meisten Patches einzuspielen waren. Wir hatten uns damals dafür entschieden, das Personalwesen aus SAP auszugliedern und alle anderen Module der Drittwartung von Rimini Street anzuvertrauen.

E-3: Wann und wie haben Sie SAP informiert? Und wie war die erste Reaktion der SAP?

Ercelebi: Wir haben bereits vor der Kontaktaufnahme mit Rimini Street über unseren SAP-Dienstleister wiederholt angekündigt, dass wir uns genötigt sehen, uns nach Alternativen umzusehen, wenn SAP uns die Stilllegung einzelner Lizenzen verweigert.

E-3: Vor einigen Jahren soll Siemens ebenfalls überlegt haben, die Softwarepflege an Rimini Street abzugeben, worauf sich Vorstandsmitglied Gerd Oswald in den SAP-Privatjet gesetzt haben soll, um nach München zu fliegen. Haben Sie Ähnliches erlebt?

Ercelebi: Dafür sind wir vermutlich ein zu kleiner Kunde. Die Reaktion von SAP war mehr eine Art „Friss oder stirb“.

Echtes Bedauern haben wir nur von unserem dazwischengeschalteten SAP-Dienstleister vernommen. SAP hat keinen direkten Kontakt gesucht und uns in gewisser Hinsicht die kalte Schulter gezeigt.

E-3: Rückblickend – welche Erwartungen haben sich erfüllt, was ist besser, was ist schlechter?

Ercelebi: Unser System läuft, der Status quo konnte ohne größere Schwierigkeiten gehalten werden. Positiv überrascht waren und sind wir von der Qualität des Supports:

Alle Rimini-Street-Mitarbeiter, mit denen wir es zu tun hatten, waren auskunftswillig und hatten langjährige SAP-Erfahrungen. Das hatte ich bei SAP schon anders erlebt.

Größter Nachteil ist sicherlich der nicht mehr vorhandene Zugriff auf OSS-Notes. Nicht nur bei der eigenen Recherche. Auch externe SAP-Berater verweisen gerne auf SAP-Hinweise, auf die wir nicht mehr zugreifen können.

E-3: Haben Sie ausgerechnet, welche Ersparnis hinsichtlich der Pflegegebühr der Vertrag mit Rimini Street für Sympatex bringt?

Ercelebi: Rimini Street wirbt ja noch heute mit der einfachen Formel: „Was zahlst du heute? Bei uns kostet es nur die Hälfte.“ Tatsächlich sind die Einsparungen noch größer, weil die SAP-Wartungskosten permanent steigen.

E-3: Wie viele Kontakte oder Anfragen an Rimini Street gibt es pro Monat? Was sind typische Aufgaben und Supportanfragen?

Ercelebi: Unser System läuft recht stabil und in vielen Monaten gibt es überhaupt keine Anfragen an Rimini Street. Erst wenn wir auf Fehler stoßen, die nicht an Eigenentwicklungen liegen, nehmen wir den Support in Anspruch.

E-3: Welche Updates und EHPs brauchen Sie heute und wie beziehen Sie diese?

Ercelebi: Als Kunde von Drittwartung muss man sich von dem SAP-Korsett mit vorgeschriebenen Updates lösen. Wenn ein Update benötigt wird – wie etwa durch das neue Reisekostenrecht im letzten Jahr –, erhalten wir eine Lösung von Rimini Street, die auf unserem System funktioniert. Technisch stellt sich das für unser System wie eine Individualprogrammierung dar.

E-3: Wie ist der Bedarf an User-Lizenzen bei Sympatex?

Ercelebi: Die Zahl ist seit mehreren Jahren konstant.

E-3: Und wie sieht Ihre SAP-Roadmap aus? Sind Release-Wechsel geplant?

Ercelebi: Unser Release deckt alle unsere aktuell bekannten Anforderungen ab. Ein Wechsel ist deshalb nicht geplant.

E-3: Würden Sie einem befreundeten CIO den Schritt zu Rimini Street empfehlen? Auf welche Umstände sollte man aufgrund Ihrer Erfahrung besonders achten?

Ercelebi: Drittwartung ist sicher nicht für jedes Unternehmen und in jeder Situation geeignet. Soll z.B. in absehbarer Zeit ein SAP-Modul neu genutzt werden, würde ich aufgrund der Verknüpfungen mit anderen Modulen zuerst das System stabilisieren.

Wenn man aber wie wir ein gewachsenes ERP-System nutzt und keine größeren Erweiterungen geplant sind, kann Rimini Street mehr als eine Überlegung wert sein.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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