Infrastruktur MAG 21-05

Latenz, Nachhaltigkeit und Strompreise

Geschrieben von E-3 Magazin

Der anhaltende Boom bei Rechenzentren und deren inzwischen hohe Relevanz für die Weltwirtschaft erschweren die Standortsuche. Lünendonk hat den Beitrag von Facility-Service-Unternehmen zur effizienten RZ-Bewirtschaftung zusammengestellt.

Quo vadis, Rechenzentrum? Die Lünendonk-Studie zu Rechenzentren „zwischen Wachstum und Regulierung“ geht sowohl auf die Veränderungen der Rahmenbedingungen als auch deren Auswirkungen auf die Standortwahl ein. Das 39-seitige Whitepaper richtet sich an Investoren und Betreiber sowie Unternehmens-verantwortliche für die Standortwahl von Rechenzentren und steht ab sofort auf Deutsch und Englisch unter luenendonk.de und cbre.de zum kostenfreien Download bereit.

Die Standortsuche liegt im Spannungsfeld von Latenz, Nachhaltigkeit und Strompreisen. Neue Anwendungen wie IIoT, Blockchain und Hybrid Cloud Computing benötigen zusätzliche Rechenzentren in den Zentren und an der Peripherie.

Neben der Nähe zu Internetknoten und den dort knapper werdenden Flächen sind die Verfügbarkeit von Strom sowie die räumliche Nähe zu Abnehmern der Abwärme inzwischen ebenso wichtige Faktoren bei der Standortsuche wie die Kapazitätsgrenzen bei den Backbone-Glasfaserleitungen.

Für die Standortsuche von Rechenzentren wird auch das Bewirtschaftungskonzept wichtiger. Die Akzeptanz eines Rechenzentrums hängt inzwischen immer mehr auch mit Nachhaltigkeit und zukünftig auch mit der produktiven Verwendung von Abwärme zusammen, um die gesellschaftliche Akzeptanz von Rechenzentren zu erhöhen – sowohl auf kommunaler Ebene als auch in der breiten Öffentlichkeit. Damit steigt die Relevanz eines professionellen und zukunftsorientierten Facility Managements weiter“, sagt Thomas Ball, Partner bei Lünendonk und Hossenfelder.

Die meisten langjährigen SAP-Bestandskunden kommen aus der Tradition des Besitzes eines eigenen Rechenzentrums. Hier erfolgte über viele Jahre eine nachhaltige Konsolidierung und Optimierung, sodass bei einer Gesamtschau auf die Kosten der betriebswirtschaftliche Vorteil eines Hyperscalers marginalisiert – umso wichtiger wird nun eine ganzheitliche Betrachtungsweise, wofür die Lünendonk-Studie eine wichtige Basis darstellt.

Im Vorwort der Studie steht: Unternehmen, die heute ein Rechenzentrum wirtschaftlich und zukunftssicher planen möchten, müssen sowohl den Nutzungszweck als auch die wahrscheinliche Marktentwicklung berücksichtigen.

Ein wesentlicher Teilaspekt ist die Suche nach geeigneten Standorten. Je nach beabsichtigtem Ziel kann der initiale Suchradius sehr groß sein oder ist bereits von vorn­herein begrenzt. Die Standortwahl ist oft ein Kompromiss zwischen Latenz, Verfügbarkeit von Flächen, Stromversorgung und immer öfter auch Nachhaltigkeit.

Neben der Standortwahl ist das Bewirtschaftungskonzept entscheidend für den störungsfreien und wirtschaftlichen Betrieb. In einem dynamischen Markt kann die Zusammenarbeit mit einem Service-Partner Zeit- und Kostenvorteile bringen, wenn Standortsuche, Transaktionen, Betriebskonzepte und operative technische und infrastrukturelle Leistungen gebündelt werden.

Die meisten Rechenzentren erfordern Nähe zu einem internationalen Netzwerkknoten wie dem DE-CIX in Frankfurt am Main oder dem AMS-IX in Amsterdam. So wird die Distanz, die Informationen über Glasfaserleitungen zwischen Ursprungs- und Empfängerpunkt überwinden müssen, möglichst gering gehalten.

Das gilt zumindest für alle Rechenzentren, die Empfänger an mehreren unterschiedlichen Punkten in Europa und der Welt miteinander verbinden. „Gerade dort sind aber auch die geeigneten Grundstücke knapp und teuer. Befinden sich die zu erwartenden Nutzer mehrheitlich in einer Region, kann für die meisten Betreiber ein regionaler Knotenpunkt, der an die Backbone-Netze angeschlossen ist, deswegen eine gute Alternative sein“, ergänzt Anna Klaft, Business Development Manager für Data Centre Solutions beim Imobiliendienstleister CBRE.

Internet of Things, eingebettet in Smart Home und Smart City, Industrie 4.0 und andere Anwendungen wie autonomes Fahren werden aber auch in der Peripherie stattfinden. Unter anderem durch die voranschreitende Verbreitung von 5G-Mobilfunk, der hinsichtlich Datenraten und Latenz deutliche Fortschritte gegenüber LTE/4G bringt, werden diese Anwendungen den Bedarf nach kleineren Rechenzentren in der Fläche steigern.

Seit rund fünf Jahren ist eine deutliche Zunahme von sogenannten Edge-Rechenzentren, die nahe am Entstehungsort von Daten platziert werden, zu beobachten. Bis 2025 könnte der Anteil des in Edge-Rechenzentren gespeicherten und verarbeiteten Datenvolumens auf 75 Prozent ansteigen. Diese Entwicklung ist jedoch keine Alternative zu den großen Rechenzentren, sondern eine Ergänzung“, sagt Klaft.

Nachhaltigkeit durch Abwärme

Die Umweltbilanz von Rechenzentren lässt sich nicht nur durch den Bezug umweltfreundlich erzeugten Stroms verbessern, sondern auch durch die Anschlussverwendung der anfallenden Abwärme. Diese kann dazu beitragen, an anderer Stelle Strombedarf und damit Emissionen einzusparen. Unternehmen, die zukünftig ein neues Rechenzentrum planen, können daher Standorte wählen, die eine Einspeisung der Abwärme in das lokale Nah- und Fernwärmenetz ermöglichen.

Das Beratungsunternehmen Techconsult hat im Rahmen einer aktuellen Studie zusammen mit Gridscale untersucht, wie Unternehmen die Modernisierung ihrer IT-Infrastrukturen vorantreiben.

Die hieraus resultierende Studie bietet tief­gehende Einblicke, mit welchen Herausforderungen sich die Unternehmen bei ihrer Transformation konfrontiert sehen, wie eine zukunftssichere Cloud- und Rechenzentrumsstrategie umgesetzt werden soll, und zeigt die zentralen Anwendungsfälle, Nutzen und Vorgehensmodelle hyperkonvergenter Infrastrukturen auf.

Die vollständige Studie ist ab sofort unter gridscale.io/HybridCloud verfügbar. Die Studie „Gut gerüstet? Hybride Cloud-Infrastrukturen im deutschen Mittelstand“ wurde von Techconsult im Auftrag von Gridscale durchgeführt und ist in Partnerschaft mit dem Branchenverband EuroCloud Deutschland e.V. entstanden.

Hierzu wurden 150 Anwenderunternehmen aus verschiedensten Branchen ab 50 Mitarbeitern zu Einsatz­szenarien, Vorgehensmodellen und Status quo von Hybrid Cloud und hyperkonvergenten Infrastrukturen (HCI) im IT-Betrieb der nächsten Generation befragt.

Hyperkonvergente Infrastrukturen

Die Studienergebnisse zeigen eindeutig, dass die mittelständischen Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich ein Großteil der Unternehmen absolut bewusst ist, dass nur die Fortentwicklung starrer, veralteter IT hin zu einer dynamischen, flexiblen und leistungsfähigen IT-Infrastruktur dazu beiträgt, den steigenden Anforderungen innerhalb einer „digitalen Welt“ gerecht zu werden.

Cloud Computing hat sich dabei zum wichtigen Bestandteil der IT-Strategien entwickelt. Der zukünftige Fokus der Unternehmensverantwortlichen liegt klar in der Nutzung hybrider und Multi-Cloud-Infrastrukturen.

Künftig wollen 40 Prozent der Unternehmen – unter großen Unternehmen immerhin bereits jedes zweite – durch den Einsatz gemischter Cloud-Modelle die Flexibilität und Agilität ihrer IT-Infrastruktur deutlich erhöhen. Hybride Cloud-Infrastrukturen werden aber schnell zu einem komplexen Unterfangen und führen nicht selten zu Ernüchterung.

So sind 43 Prozent der Unternehmen mit der fehlenden Providerunabhängigkeit unzufrieden und für jeweils circa ein Drittel der Unternehmen stellen sich Management und Verwaltung, Zugriffs- und Rechtekontrolle (IAM) und fehlendes internes Know-how und Ressourcen nicht minder problematisch im Betrieb ihrer hybriden Cloud-Infrastrukturen dar. Die Folge: Die eigentlichen Ziele wie Agilität, Flexibilität, Skalierbarkeit, weniger Managementaufwand, erhöhte Sicherheit und Kostenvorteile bleiben auf der Strecke.

Ohne den Einsatz externer Experten, Automatisierungstools oder innovativer Technologien wie HCI sind diese Probleme nur schwer zu lösen. Die Modernisierung der Infrastruktur unter Einbindung von hyperkonvergenten Lösungen bietet mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit, IT-Infrastruktur und Rechenzentren zukunftssicher und flexibel aufzustellen und gleichzeitig der Komplexität hybrider Infrastrukturen Herr zu werden“, so Frank Schmeiler, Senior Analyst der Techconsult.

Eine schnelle Bereitstellung und einfache Verwaltung bieten alle Vorzüge der Cloud, ohne auf die Vorteile einer eigenen IT-Infrastruktur verzichten zu müssen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass sich bereits nahezu zwei Drittel der Unternehmen mit hyperkonvergenten Infrastrukturen beschäftigen und diese entweder bereits Teil der IT-Infrastruktur sind, innerhalb der nächsten zwölf Monate geplant oder grundsätzlich als Alternative in Erwägung gezogen werden.

Die Vorteile, die sich Unternehmen dabei versprechen, bestehen insbesondere in einer höheren Skalierbarkeit, einem verbesserten Datenmanagement und Datensicherung sowie in der Steigerung von Effizienz und Profitabilität. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist für die Befragten darüber hinaus eine einheitliche Managementoberfläche, mit der sich hy­bride Cloud-Infrastrukturen leichter administrieren, überwachen und steuern lassen.

Hierdurch entfällt die Notwendigkeit separater Managementlösungen für Server, Speichernetzwerke, Speicher, Virtualisierung sowie die einzelnen Cloud-Services, wodurch deutliche Effizienzgewinne erreicht und Ressourcen für höherwertige Aufgaben frei werden.

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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