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Kommunikation bleibt ausbaufähig

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Geschrieben von E-3 Magazin

Aus dem DSAG-Investitionsreport 2022 geht hervor, dass die SAP-Strategie oft meilenweit von der Realität der Anwenderunternehmen entfernt ist. Das ist allem voran ein Kommunikationsproblem.

Laut dem Research- und Beratungsunternehmen Gartner werden sich die weltweiten IT-Ausgaben im Jahr 2022 auf 4,5 Billionen US-Dollar erhöhen, was einem Anstieg von 5,1 Prozent gegenüber 2021 entspricht. Die wirtschaftliche Erholung inklusive der hohen Erwartungen an einen aufblühenden digitalen Markt wird Technologieinvestitionen weiter ankurbeln – trotz möglicher Beeinträchtigungen durch die Omikron-Variante. Auch Ergebnisse der IT-Trends-Studie von Capgemini, an der im September und Oktober 2021 195 IT- und Fachverantwortliche von Großunternehmen und Behörden im DACH-Raum teilnahmen, bestätigen diese Ansicht: Fast drei Viertel der Unternehmen und Behörden werden im kommenden Jahr die IT-Ausgaben erhöhen. Die Prognosen für 2023 sind ähnlich positiv. 

Capgemini Studie
Die Studie von Capgemini zeigt deutlich, dass die zusätzlichen Investitionen nicht vornehmlich
in Neuentwicklungen fließen, sondern in Modernisierungen bestehender Systemlandschaften.
Quelle: Capgemini.

Die Ergebnisse des Investitionsreports 2022 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) sprechen eine ähnliche Sprache: Die Zeiten der Zurückhaltung sind vorbei, was die Investitionsneigung in die IT betrifft. Bei 59 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) steigt das IT-Gesamtbudget, vor einem Jahr waren es noch lediglich 39 Prozent. Bei 29 Prozent bleibt es gleich (2021: 37 Prozent) und bei fünf Prozent sinkt es (2021: 18 Prozent). Bei den Investitionen in SAP lässt sich festhalten, dass bei 57 Prozent der befragten Unternehmen das Budget steigt (2021: 43 Prozent), bei 32 Prozent unverändert bleibt (2021: 35 Prozent) und bei sieben Prozent sinkt (2021: 18 Prozent).

Danach gefragt, welche SAP-ERP-Lösungen die Unternehmen aktuell einsetzen, kommt die SAP Business Suite auf 75 Prozent, gefolgt von 32 Prozent mit S/4 Hana On-premises. S/4-Cloud spielt im Vergleich eine eher untergeordnete Rolle. Nur sechs Prozent der Befragten setzen S/4 als Private-Cloud-Lösung ein und zwei Prozent als Public-Cloud-Lösung. Zum Vergleich: Im DSAG-Investitionsreport 2021 gaben 14 Prozent der Befragten an, dass sie S/4 bereits im Einsatz hätten. In einer gemeinsamen Befragung der DSAG und der American SAP User Group (ASUG) Mitte des Jahres 2021 gaben dies sogar 24 Prozent an. Hier ist also eine Steigerung zu verzeichnen. „2022 ist das Jahr, in dem die Zukunft für CIOs wieder zurückkehrt“, sagt John-David Lovelock, Distinguished Research Vice President bei Gartner. „Sie können nun die krisenbedingten, kurzfristigen Projekte der letzten zwei Jahre hinter sich lassen und sich auf Langfristiges fokussieren.“

Parallelbetrieb die Norm

Interessant ist, dass knapp die Hälfte der Unternehmen, die S/4 On-premises im Einsatz haben, auch angegeben hat, die SAP Business Suite einzusetzen. Dies könnte darauf hindeuten, dass einige Unternehmen aufgrund der Komplexität des Umstiegs ihr bisheriges System noch eine Zeit lang parallel betreiben, ehe sie die vollständige Transformation vollziehen. Gefragt nach der Relevanz der Business Suite für die SAP-Investitionen im Jahr 2022 planen sechs Prozent der Unternehmen hohe Investitionen (2021: drei Prozent) und 18 Prozent mittlere Investitionen (2021: 22 Prozent). Bei S/4 sind hohe Investitionen für 26 Prozent relevant (2021: 25 Prozent) und mittlere Investitionen für 24 Prozent (2021: 31 Prozent). „Die Zurückhaltung in Sachen S/4 Hana ist etwas überraschend. Ich hätte erwartet, dass für dieses Jahr die Transformationsaktivitäten in Richtung S/4 Hana zunehmen würden. Rise with SAP kann hier offensichtlich noch nicht für den notwendigen Push sorgen“, fasst Jens Hungershausen, DSAG-Vorstandsvorsitzender, zusammen.

Jens Hungershausen, DSAG
Rise with SAP kann bei den S/4-Transformationsaktivitäten offensichtlich noch nicht für den notwendigen Push sorgen. – Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender, DSAG

Lösungen cloudfähig machen

Auch die erwähnte Capgemini-Studie bestätigt dieses Bild: Die zusätzlichen Investitionen fließen nicht vornehmlich in Neuentwicklungen, sondern in Modernisierungen bestehender Systemlandschaften. Flossen im Jahr 2021 noch knapp 47 Prozent des IT-Budgets in den Erhalt der bestehenden Systemlandschaft, werden es im kommenden Jahr nur noch knapp 44 Prozent sein. Damit fließen immer noch 20 Prozent mehr Budget in bestehende Systemlandschaften als in Neuentwicklungen: Das Budget sinkt hier von rund 26 Prozent im Vorjahr auf 24 Prozent. Unternehmen und Behörden planen, mehr Geld für Modernisierungen auszugeben: Der Anteil dieser Investitionen am Gesamt-IT-Budget steigt von rund 27 Prozent im Vorjahr auf jetzt knapp 32 Prozent.

„Wir gehen davon aus, dass es sich bei den Modernisierungen in vielen Fällen um Projekte handelt, bei denen Anwendungen cloudfähig gemacht werden. Denn angesichts der hohen Sicherheits- und Umweltstandards, des breiten Serviceangebots und des Preis-Leistungs-Verhältnisses lohnt es sich, jetzt auch ältere Kernanwendungen zu modernisieren und in die Cloud zu bringen“, erklärt Thomas Heimann, Enterprise Architect Director bei Capgemini und Co-Autor der IT-Trends-Studie.

Rise with SAP scheint noch nicht Fuß gefasst zu haben in der Community: Nur ein Prozent der Befragten hält es für sehr wahrscheinlich, Rise einsetzen zu wollen, zwei Prozent haben bereits einen Rise-Vertrag. Quelle: DSAG.

Der Blick auf die SAP-Cloud-Lösungen und deren Relevanz für Investitionen im Jahr 2022 zeigt SuccessFactors mit hohen Investitionen und mittleren Investitionen von 21 Prozent (2021: 15 Prozent) klar in Führung, gefolgt von SAP Customer Experience (CX) und Ariba gleichauf mit jeweils neun Prozent (2021: jeweils acht Prozent). Concur und SAP Integrated Business Planning kommen auf jeweils sechs Prozent. Kaum Relevanz haben für die Befragten 2022 die Industry Cloud und Qualtrics. „Etwas erstaunlich, wenn man die Bedeutung der Industry Cloud in der SAP-Strategie kennt, ist, dass laut unserer Umfrage keine Investitionen in diese Lösung geplant sind.

Das ist allem voran ein Kommunikationsproblem“, erläutert Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Lizenzen, Service, Support. „Es hat sich viel verändert mit Rise with SAP und S/4 Hana und die große Frage ist nun: Wie transparent ist das SAP-Portfolio dem Kunden?“ In Sachen Business Technology Platform werden für die Analyselösungen von 20 Prozent der Befragten hohe und mittlere Investitionen geplant, knapp gefolgt von Datenbank- und Datenmanagement- Lösungen mit 19 Prozent. Auf den weiteren Plätzen liegen mit elf Prozent die Integration und Erweiterung/Anwendungsentwicklung sowie die intelligenten Technologien mit vier Prozent.

Auf die Frage „Wie entwickelt sich der Deutschland-Umsatz Ihres Hauses?“ antwortete über ein Drittel der Teilnehmer mit einem äußerst positiven Ausblick. Grundlage: alle Teilnehmer; unbereinigt; im Geschäftsjahr 2021: n = 85; im Geschäftsjahr 2022 (Prognose): n = 85. Quelle: Lünendonk.

Verständnis für Rise ausbaufähig

Ein weiteres wichtiges Thema der DSAG-Umfrage war Rise with SAP, das Business-Transformation-as-a-Service-Angebot auf der Basis von S/4-Cloud. Elf Prozent geben an, noch nie von Rise gehört zu haben (DSAG-ASUG-Umfrage 2021: zehn Prozent). 60 Prozent haben bereits davon gehört (DSAG-ASUG-Umfrage 2021: 56 Prozent), sind aber nicht vertraut damit. 21 Prozent geben an, mit Rise eher vertraut zu sein (DSAG-ASUG-Umfrage 2021: 27 Prozent). Die Ergebnisse zeigen, dass seit dem vergangenen Jahr noch keine allzu deutliche Bewegung in dieses Thema gekommen ist.

Konsequenzen für SAP

Die Skepsis unter den DSAG-Mitgliedern ist nach wie vor groß. Entsprechend deutlich sind die Werte bei der Frage nach der Nutzung von Rise with SAP: 57 Prozent der Teilnehmenden halten es für sehr unwahrscheinlich und eher unwahrscheinlich, Rise in Betracht zu ziehen. 21 Prozent sind in diesem Punkt neutral. „Neben den grundsätzlichen Herausforderung – dem Druck, auf S/4 Hana umzusteigen – haben wir mit dem überraschenden Launch von Rise vergangenes Jahr auch das Problem, dass es kontinuierlich weiterentwickelt wird. Da ist es natürlich schwer, stetig am Ball zu bleiben und sein Wissen zu erweitern. Der Bedarf an Informationen ist definitiv da“, so Thomas Henzler.

Der Bedarf an Informationen über Rise with SAP ist definitiv da. Es ist schwierig, hier stetig am Ball zu bleiben. – Thomas Henzler, Fachvorstand Lizenzen, Service, Support, DSAG

Dies könnte weitreichende Konsequenzen für SAP haben. Finanziert werden IT-Innovationen nämlich inzwischen fast genauso häufig von der Business- wie von der IT-Seite. Das zeigt zum einen, dass das Kerngeschäft vieler Unternehmen mittlerweile auf IT fußt. Zum anderen stufen Business-Entscheider die IT als Wettbewerbsfaktor ein und initiieren deutlich mehr Digitalprojekte als früher. Dies bedeutet für Softwarehersteller wie SAP ganz konkret, dass auch Businessanwender den Mehrwert der Produkte verstehen müssen, damit es hier zu nachhaltigen Investitionen kommt.

Nicht nur Anwender optimistisch

Die allgemeine Investitionsbereitschaft der Anwender geht Hand in Hand mit dem steigenden Optimismus der B2B-Dienstleister. Gerade Themen wie die digitale Transformation, ein möglicher Cloud-Umstieg oder die anstehende Migration auf S/4 Hana erfordern kompetente Beratung und Fachwissen. Dementsprechend positiv fallen die erwarteten Umsatzgewinne für Professional-Services-Anbieter aus: Dass gerade Managementberatungen mit einem deutlich zweistelligen Umsatzwachstum rechnen, ist eines der Ergebnisse aus der aktuellen Lünendonk-Blitzumfrage unter Verantwortlichen unterschiedlicher Business-to-Business-Segmente. Jedoch hatten die Consultants nach 2020 viel aufzuholen.

Die S/4-Hana-Nutzung nimmt zu, aber nicht so stark, wie sie müsste. Unternehmen fahren eher einen gewissen Parallelbetrieb, es wird also nicht wirklich umgestiegen. Quelle: DSAG.

Strategie-, Organisations- und Prozessberater rechnen mit einem Umsatzplus von durchschnittlich 12,4 Prozent. Ihnen folgen IT-Service und -Beratungshäuser mit einer durchschnittlichen Umsatzwachstumsprognose von 11,4 Prozent. Lediglich die befragten Wirtschaftsprüfer und Steuerberater zeigen sich verhaltener: Sie gehen von 4,6 Prozent Umsatzsteigerung im laufenden Geschäftsjahr aus.

„Die Zeichen stehen deutlich auf Wachstum“, sagt Lünendonk-Geschäftsführer Jörg Hossenfelder. „Auch wenn die konkreten Werte für die einzelnen Segmente sehr unterschiedlich ausfallen, so prognostizieren doch 96 Prozent der Befragten ein positives Geschäftsjahr 2022 – und das trotz anhaltender Pandemie.“

Auf der Stelle treten

Die Zurückhaltung der vergangenen beiden Jahre weicht einem optimistischen Blick nach vorn, der sich in steigender Investitionsbereitschaft ausdrückt, sowohl in die IT im Allgemeinen als auch in SAP im Besonderen. Die Business Suite hat bei den aktuell eingesetzten Lösungen immer noch die Nase deutlich vorn im Vergleich zu S/4, das sich jedoch verhalten positiv entwickelt. Wobei S/4 in Sachen Investitionsbereitschaft im Vergleich zu der Business Suite mittlerweile bei rund doppelt so vielen Unternehmen vorn liegt. Eher auf der Stelle tritt Rise with SAP in Bezug auf die Akzeptanz bei den DSAG-Mitgliedern

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Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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