Coverstory 2002 MAG 2002

JiVS IMP: Vom Produkt zur Plattform

JiVS IMP: Vom Produkt zur Plattform
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Digitalisierung, Agilität, Multi-Cloud – Vorstände und Geschäftsführer sind getrieben von den aktuellen Technologietrends. Entsprechend groß sind ihre Anstrengungen in Sachen IT-Modernisierung. Voraussetzung ist allerdings eine neue Art des Informationsmanagements.

Selbst Großbaustellen wie die immer drängendere Implementierung von S/4 Hana sind nur ein Teil dieser Trends. Als Folge davon lassen sich technische und geschäftliche Ebene, Strategien und Aktivitäten immer weniger voneinander trennen.

Häufige Zu- und Verkäufe, Konsolidierungen von Rechenzentren und Standorten, Harmonisierung von Applikationslandschaften und Prozessen, Design und Einführung neuer digitaler und datengesteuerter Geschäftsprozesse und -modelle sowie die Migration auf neue Softwaregenerationen und ihr kontinuierliches Rightsizing – all diese Initiativen sind Ausdruck ein und desselben Phänomens: der digitalen Transformation.

Wie aber soll die Applikations- und Systemlandschaft der Zukunft aussehen, damit sie agile Geschäfts- und Big-Data-Szenarien so performant und kostengünstig unterstützen kann wie vom Vorstand und der Geschäftsleitung und nicht zuletzt von den Anwendern, Kunden und Lieferanten gewünscht und erwartet?

Eine der wichtigsten Antworten auf diese Frage besteht in der Trennung der im laufenden Geschäftsbetrieb nicht mehr benötigten Daten und Dokumente von den operativen Informationen in der Anwendungsumgebung. Denn die Welt der Informationen und die Welt der Anwendungen verfolgen unterschiedliche Ziele: Während Agilität von den Applikationen und Geschäftsobjekten unterstützt wird, brauchen Informationen Stabilität.

Weil sie aus rechtlichen Gründen im Nachhinein nicht verändert werden dürfen, insbesondere auch dann nicht, wenn neue Datenbankmanagementsysteme oder Geschäftsobjekte Änderungen an ihrer Struktur verlangen: Sie müssen unabhängig von den Apps und Geschäftsobjekten verwaltet werden. Und dieses applikationsunabhängige Management muss sich über den gesamten Lebenszyklus von Daten und Dokumenten erstrecken, und zwar bis zu ihrer endgültigen Löschung à la EU-DSGVO.

Unternehmen, die ihre historischen Informationen nicht von den Applikationen trennen, betreiben in der Regel ihre Altsysteme weiter. Dies ist aber ein wesentlicher Grund dafür, dass typischerweise 80 Prozent des gesamten IT-Budgets allein für den Betrieb aufgewendet werden, was die Innovationskraft der Unternehmen nachhaltig beeinträchtigt.

Anstatt in neue Softwaregenerationen zu investieren und neues Digitalwissen aufzubauen, muss das Know-how zu den Altsystemen aufrechterhalten, teuer eingekauft oder intern weitergegeben werden. Neue Software, die das Unternehmen in die digitale Zukunft bringen würde, wird langsam oder später als nötig eingeführt.

Die Lösung für dieses finanzielle wie rechtliche Problem heißt Stilllegung von Altsystemen oder neudeutsch Application Retirement. Dazu müssen sämtliche Informationen – Daten wie Dokumente – in eine zentrale und neutrale Umgebung migriert und in einem modernen Datenformat gespeichert werden.

Dabei handelt es sich aber nicht um klassische Archivierung. Denn weder ein Steuerprüfer noch ein Fachanwender greifen auf Felder in Tabellen zu, sondern suchen nach Rechnungen, Lohnzetteln, Produktplänen etc. und bestehen auf einer Darstellung wie in der Altanwendung. Die Informationen müssen folglich zusammen mit ihrem Geschäftskontext gespeichert werden, bei Bedarf auch verschlüsselt. Das entsprechende Konzept heißt Historisierung.

Die historisierten Informationen bleiben jedoch nicht nur aus rechtlichen, sondern auch aus geschäftlichen Gründen von hohem Wert. Je länger in einer Branche die Laufzeiten von Aufträgen und Projekten sind, desto regelmäßiger müssen Fachanwender auf weiter zurückliegende Informationen zugreifen.

Außerdem erhalten sie nur dann einen Rundumblick auf einen Kunden oder Vorgang, wenn sie überhaupt wissen, welche Informationen dazu insgesamt existieren. Zu diesem Zweck wollen sie aber nicht zwischen verschiedenen Umgebungen hin und her wechseln. Aus diesem Grund muss eine zentrale Umgebung für Legacy-Informationen in die neue Ziellandschaft wie S/4 Hana integriert sein.

Application Retirement, Retention Management, Reduzierung des Volumens an Daten und Dokumenten, Unterstützung von Big-Data-Szenarien, Automatisierung, Datensicherheit und -verschlüsselung, Integration in Ziellandschaften und dynamische Anpassung auf Geschäftsobjektebene – all dies sind zentrale Anforderungen an ein modernes Management von Legacy-Informationen.

Sie beziehen sich alle auf deren Lebenszyklus, begleiten und unterstützen ihn. Um sie mit entsprechenden Funktionalitäten abzubilden und zu erfüllen, sind Einzellösungen deshalb ungeeignet. Vielmehr bedarf es einer einheitlichen zentralen Plattform. Das Smartphone, das früher getrennte Geräte wie Kamera, Telefon, Radio, HiFi-Anlage oder sogar Fernseher als Funktionen auf einem einzigen Gerät bereitstellt, ist hier die richtige Analogie.

Um all diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat Data Migration International seine Softwarelösungen zu einer „Information Management Platform“ weiterentwickelt: JiVS IMP ist die dritte Produktgeneration des Schweizer Anbieters, nach einem ­Framework und komponentenbasierenden Lösungen. JiVS IMP bietet gegenüber der Vorgängerversion zahlreiche Vorteile, von denen Neukunden wie Bestandskunden profitieren.
Transfer auf Knopfdruck

Rund 50.000 SAP-ECC-6.0- und ältere Systeme müssen bis 2025 auf S/4 Hana migriert werden. Dazu bietet JiVS IMP in einem ersten Schritt den Transfer sämtlicher Informationen aus den Altsystemen gleichsam auf Knopfdruck. Das ist dank hoher Automatisierung gegenüber der Vorgängerversion noch einmal eine Beschleunigung um mehrere Größenordnungen.

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JiVS IMP senkt Datenvolumen, Kosten und Komplexität und erhöht Agilität und Sicherheit.

Bis zu 95 Prozent weniger Daten

Eine Faustregel besagt, dass Bewegungsdaten nicht länger als ein Jahr benötigt werden. Dieser Erfahrungswert bedeutet im Umkehrschluss, dass sämtliche älteren Informationen – Daten wie Dokumente plus der Geschäftskontext, in dem sie entstanden sind – nicht in neue Softwaregenerationen wie S/4 Hana oder C/4 Hana migriert werden müssen.

Das bedeutet bei einem Altsystem, das zehn Jahre in Betrieb war, 90 Prozent und bei einem System, das 20 Jahre in Betrieb war, 95 Prozent Reduktion des ursprünglichen Informationsbestands. Darüber hinaus lassen sich die neuen Systeme dauerhaft schlank halten und deshalb kostengünstiger betreiben, indem dort entstandene und bearbeitete Informationen zu einem Stichtag – zum Beispiel ein Jahr nach Erzeugung – kontinuierlich auf JiVS IMP ausgelagert werden.

Offenheit und Integration

JiVS IMP unterstützt jeden Migrationsansatz, den die Kunden wählen. Zu diesem Zweck verfolgt JiVS IMP den gleichen geschäftsobjektorientierten Ansatz wie Konversions- und Migrationswerkzeuge von SAP (z. B. Migration Cockpit) oder von Dritt­anbietern wie SNP.

Diese Unterstützung spiegelt sich direkt auf Repository-Ebene von JiVS IMP wider. Wer wie JiVS IMP den kompletten Lebenszyklus von Altinformationen abbildet und managt, muss in der Lage sein, sowohl die Geschäftsobjekte der Altsysteme als auch der neuen Softwaregenerationen und ihrer Weiterentwicklungen auf Datenbankebene abzubilden.

Zum Beispiel unterscheidet S/4 Hana nicht mehr wie SAP ECC 6.0 die Geschäftsobjekte Kunde und Lieferant, sondern kennt nur das gemeinsame Business-Objekt Geschäftspartner. Folglich muss JiVS IMP Wirtschaftsprüfer in die Lage versetzen, sich Kundendaten und -dokumente anzeigen zu lassen, wie sie einmal in SAP ECC 6.0 entstanden sind.

Ein Kundenbetreuer jedoch, der mit S/4 Hana arbeitet, erwartet in JiVS IMP eine Sicht auf den Kunden, so als ob dieser in der neuen Softwaregeneration angelegt worden wäre. Schließlich bedeutet Lebenszyklusmanagement auch die Fähigkeit, künftige Änderungen an Geschäftsobjekten und völlig neue Business-Objekte zu unterstützen.

Bühne frei für Daten

JiVS IMP fungiert im Rahmen von Migrationsprojekten als zentraler Sammelpunkt und Bereitstellungsraum oder Data Staging Area für Unternehmensinformationen. Die Data Staging Area spielt auf dem Weg zu S/4 Hana und C/4 Hana eine entscheidende Rolle.

Mit ihrer Hilfe lassen sich Daten und deren Qualität analysieren und zum Beispiel mittels Anreicherung und Harmonisierung optimieren, eine Analyse zum Reduktionspotenzial des Informationsbestands erstellen, die Filterregeln zur Datenübernahme definieren und in einem neutralen Format für die anschließende Transformation und Migration der Informationen durch geeignete SAP-Werkzeuge oder Drittlösungen bereitstellen.

Ist die Migration erfolgt, sorgt JiVS IMP für den rechtssicheren und geräte-, zeit- sowie ortsunabhängigen Informationszugriff und unterwirft den Bestand an Legacy-Informationen einem durchgängigen Retention Management für eine lückenlose Verwaltung des Lebenszyklus von historisierten Daten und Dokumenten. Zudem bietet der geschäftsobjektorientierte Ansatz von JiVS IMP die Möglichkeit zur Integration der Plattform in die Zielumgebungen wie S/4 Hana oder C/4 Hana.

Alles Multi

Multi-Cloud heißt der neue Standard in der IT. Die Unternehmen nutzen immer mehr Services von verschiedenen Public-Cloud- Anbietern, und das neben ihren angestammten sowie Private-Cloud-Umgebungen in ihren eigenen Rechenzentren oder bei Dienstleistern.

In diesen hybriden Szenarien kommen verschiedenste Technologie-Stacks inklusive Datenbankumgebungen zum Einsatz. Vor diesem Hintergrund bietet JiVS IMP im Vergleich zur Vorgängergeneration eine Multi-Cloud- und Multi-Datenbank-Unterstützung.

Zu den unterstützten Public-Cloud-Umgebungen zählen die Google Cloud Platform, Amazon Web Services und Microsoft Azure. Gleichzeitig können die Kunden unter einer Vielzahl gängiger Datenbankmanagementsysteme (DBMS) wählen, von IBM Db2 über Oracle Database und Microsoft SQL Server bis hin zu SAP IQ.

Dadurch passt JiVS IMP perfekt zu den Cloud- und Big-Data-Strategien von SAP-Bestandskunden. Neben der Möglichkeit zur Implementierung in verschiedensten Public-Cloud-Umgebungen stehen die in JiVS IMP gemanagten Informationen für Big-Data-Szenarien jederzeit zur Verfügung.

Sie können über den Application- Layer der Plattform abgerufen werden oder lassen sich als eigener Datensatz exportieren und in den Big-Data-Systemen verarbeiten.

Thomas Failer CEO

Editionen, Funktionen, Preise

Neben der Standardversion von JiVS IMP gibt es die Information Management Platform auch in zwei Editionen speziell für SAP-Kunden. Die S/4- und C/4-Edition von JiVS IMP sind für das Zusammenspiel mit den neuen Softwaregenerationen aus Walldorf für ERP und CRM konzipiert.

Zum Funktionsumfang der S/4-Edition gehören im Standard unter anderem die Funktionalitäten für Historisierung und Retention Management. Ferner sind die Data Staging Area sowie die Funktionalitäten zur Analyse des Datenreduktionspotenzials und zur Definition und Übergabe der Filterregeln enthalten.

Zusätzliche Kosten fallen bei Bedarf für das Cloud-Booster-Modul und obligatorisch für die Lizenz zum Datentransfer von den Legacy-Systemen auf JiVS IMP an, wobei diese Lizenz stets zwei Transfers abdeckt: einmal zu Beginn eines Migrationsprojekts und zum anderen nach dessen Beendigung.

Dadurch werden auch die ab Projektbeginn in den Altsystemen neu hinzugekommenen Informationen rechtssicher erfasst, sodass die Altsysteme endgültig abgeschaltet werden können. Optional erhältlich und eigenständig bepreist werden Add-ons von JiVS IMP über SAP ArchiveLink oder die Integrationen zu S/4 oder C/4 Hana angeboten.

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Wechsel auf SAP S/4 Hana: JiVS IMP stiftet Nutzen vor, während und nach der Migration.

Handfester Nutzen

JiVS IMP senkt die Betriebskosten im Vergleich zum Weiterbetrieb der stillgelegten Altsysteme in der Regel um 80 Prozent, in vielen Fällen sogar mehr. Da IT-Abteilungen im Allgemeinen rund 80 Prozent ihres Gesamtbudgets allein für den Betrieb ausgeben, schafft JiVS IMP umso größere finanzielle Spielräume für Investitionen und Innovationen im Rahmen des vorhandenen Budgets, je größer die Zahl der entsorgten Legacy-Systeme ist.

Als von Wirtschaftsprüfern zertifizierte Information Management Platform sorgt JiVS IMP für dauerhafte Rechtssicherheit bei Altinformationen. Diese bleiben zu 100 Prozent im Zugriff und werden über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg gemanagt bis hin zur EU-DSGVO- konformen Löschung.

Wird JiVS IMP gezielt im Rahmen von Migrationsprojekten auf neue Softwaregenerationen wie S/4 Hana und C/4 Hana eingesetzt, lassen sich Kosten und Aufwand dieser Projekte in der Regel um 50 Prozent reduzieren. Gleichzeitig sinkt der zu migrierende Informationsbestand um bis zu 90 Prozent und mehr, während sich dessen Qualität optimieren lässt.

Als Teil der Zielarchitektur erhöht JiVS IMP dank der Trennung der operativen von den nicht operativen Informationen die Agilität der Unternehmen, weil die Produktivsysteme dauerhaft schlank bleiben. Da­rüber hinaus rechnet Data Migration International mit um 25 Prozent niedrigeren
Gesamtbetriebskosten der Zielarchitektur über ihre gesamte Lebensdauer hinweg.

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Über den Autor

Thomas Failer, Data Migration Services

Thomas Failer ist Gründer der Data Migration International.

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