Infrastruktur MAG 1511

Ist Lumira eine Konkurrenz zu Design Studio?

2015

Lumira und Design Studio Apps sind die beiden Anwendungen, auf die SAP für die visuelle Datenanalyse setzt. Die Frage ist, was kann Lumira, was Design Studio nicht kann, und für wen lohnt sich der Einsatz?

Ziel und Strategie von SAP ist, die Vielzahl der BI Tools zu reduzieren und zu vereinfachen. Außerdem sollen Endanwender in die Lage versetzt werden, Berichte selbst zu erstellen, ohne Unterstützung durch die IT.

Was kann Business Objects Design Studio?

SAP Business Design Studio (DS) in der aktuellen Version 1.5. erstellt individuelle und interaktive Dashboards, die beispielsweise Leistungskennzahlen und Detail-Analysen in verdichteter Form grafisch visualisieren.

Fachbereiche wie Controlling und Management schätzen diese Darstellung – vor allem, da sie in Echtzeit und im eigenen Look bzw. Corporate Design durch die kundeneigene CSS-Formatierung aufbereitet werden können.

Erweiterungen in Form von Software Development Kits (SDK) für Funktionalitäten, Darstellung und Datenquellen, wie CSV-Files oder URL, erlauben ganz individuelle Berichtsformen. Ein SDK für Grafiken ist in Design Studio und Lumira verwendbar.

Grundsätzlich wird bei DS ein professionelles Design für eine größere Anzahl von Nutzern entwickelt, die damit Entscheidungen treffen sollen. Daher ist es im ersten Schritt wichtig zu fragen, wer die Anwender sind und welche Informationsbedarfe sie haben.

So kann ein Entwickler ein Konzept erstellen, das die benötigten Funktionen und die beste Darstellungsweise festlegt. Die benötigten Daten werden über den BEx Query Designer aufbereitet und das Konzept im Design Studio umgesetzt. Die Fachbereiche verifizieren die Stimmigkeit der Daten.

Gegebenenfalls werden Anpassungen der Funktionen oder der Darstellung vorgenommen. Am Ende kann die Anwendung im SAP-NW-Portal oder als SAP BO Launchpad für z. B. Abteilungsleiter und Manager bereitgestellt werden.

Ir1511Was kann Lumira?

SAP Lumira gilt als „Self-Service“ Tool für Endanwender. In der aktuellen Version 1.28 können Daten visuell erforscht werden. Ein Controller kann beispielsweise schnell einen Trend oder eine Entwicklung visuell darstellen und innerhalb seiner Abteilung verteilen.

Das Tool ist für den internen Gebrauch als praktische Fachbereichslösung gedacht. Lumira zeichnet sich durch einen einfachen Daten-Import von unterschiedlichsten Datenquellen aus, wie beispielsweise Excel und anderen Datenquellen.

Excel und BW lassen sich sogar in einer Tabelle kombinieren – was bei DS nicht möglich ist. Die grafischen Berichte können in der Cloud, auf der BI-Plattform oder auf dem Desktop direkt aus der Anwendung heraus veröffentlicht werden.

Die spaltenbasierte Datenbank Sybase IQ sorgt dafür, dass das Tool performanceorientiert ist – im Gegensatz zu DS – und optimal in SAP Hana angewendet werden kann.

Im Unterschied zu Design Studio ist Lumira also eine Anwendung, um Daten selbst visuell zu analysieren und die Ergebnisse mit Kollegen zu teilen. Der Controller aus unserem Beispiel würde also zunächst Daten aus einer Datenquelle importieren, wie Excel, Text, SQL, SAP Hana oder SAP BW, und die Daten aufbereiten.

Er kann eigene Queries mit benötigten Kennzahlen und Merkmalen erstellen. Es ist aber mög-lich, ohne Queries auf Daten zuzugreifen. Zur Visualisierung stehen verschiedene Diagrammtypen, aber auch Landkarten, Heatmaps oder Tag-Clouds zur Verfügung.

Zusätzlich können über SDK-Erweiterungen eigene Berichte kreiert werden. Schließlich lassen sich die Daten visuell analysieren. Für Berichte stehen Vorlagen für Storyboards mit mehreren Grafiken zur Verfügung – für Analyse oder statische Berichte.

Entwicklersicht

Design Studio weist eine intuitive Entwicklungsumgebung (WYSIWYG) auf, die an das Design des BEx Web Application Designer angelehnt ist. Diese Entwicklungsumgebung ist auf Eclipse-Basis aufgebaut. Entwickler sollten Programmierkenntnisse und IT-Wissen haben.

Doch bietet ihnen der Content Assistant eine große Hilfe beim Programmieren. Funktionen werden mit Beschreibung und Beispielen aufgelistet. Globale Skript-Funktionen sorgen für Wiederverwendbarkeit. Lumira benötigt im Gegensatz dazu keine IT.

Die Anwendung ist intuitiv, schnell und einfach zu erlernen und zu bedienen, weil Funktionen und Oberfläche sehr übersichtlich aufgebaut sind. Das Tool verlangt keine Programmierkenntnisse, mithilfe von Drag-and-Drop-Verfahren werden einzelne Dimensionen und Kennzahlen in die entsprechenden Wertefelder gezogen. Außerdem können mehrere Datenquellen angebunden und kombiniert werden.

Anwendersicht

Für die Endanwender sind die durchdacht konzipierten und somit geführten Dashboards in Design Studio ausgesprochen arbeitserleichternd. Dashboards mit Leistungskennzahlen lassen sich auf viele Ebe-nen bis auf kleinste Einheitenebenen herunterbrechen.

In Puncto Funktionalität und Design bietet DS große Flexibilität. Lumira hilft Anwendern, schnelle Entscheidungen zu treffen, wenn große Datenmengen zu analysieren sind. Wie bereits erwähnt, können Daten aus mehreren Quellen kombiniert und Daten aus BW mit Excel angereichert werden.

Doch besteht kein Vergleich zu bekannten Reportingtools mit BEx- oder SAP-BO-Funktionen. Einige, aber nicht alle Funktionen aus dem BEx Analyzer sind zu finden. Zur Interoperabilität von Design Studio und Lumira gehört, dass die Datenansicht von DS exportiert und in Lumira für Ad-hoc-Analysen weiterverwendet werden kann.

Fazit

Lumira ist in der aktuellen Version 1.28 noch keine optimale Lösung als visuelles Analyse-Tool. Der fast monatlich stattfindende Release-Zyklus zeigt, dass SAP mit Nachdruck an der Verbesserung arbeitet, es bedeutet für Nutzer allerdings viele Änderungen, ständige Updates, fehlende Funktionen oder Qualitätsprobleme bei neuen Funktionen. Erst nach weiteren Releases zeigen sich Funktionen stabil und zuverlässig.

Die Entscheidung, Design Studio oder Lumira einzusetzen, hängt entscheidend vom Verwendungszweck ab. Lumira als Hilfe für Entscheider zu präsentieren, da es ein schnelles Ad-hoc-Reporting ermöglicht, ist kritisch zu betrachten.

Fachbereiche prüfen Daten erfahrungsgemäß eher mit Excel-basierten Analyse-Tools wie BEx Analyzer bzw. SAP BO Analysis, weniger mit grafischen Tools wie Lumira. Wird eine Visualisierung benötigt, können einfache Grafiken zudem auch mit Analysis erstellt werden.

Auf Management-Ebene sind für strategische Entscheidungen die durchdachte Aufbereitung von Daten und die Darstellung in interaktiven Dashboards erforderlich, die nur Design Studio ermöglicht. Und für druckoptimierte Reportings kommen letztlich nur Crystal Report oder Webi-Berichte infrage.

Es lässt sich festhalten, dass Lumira aktuell keine Konkurrenz zu Design Studio darstellt. Unternehmen bei der Auswahl von BI-Frontend Tools zu unterstützen, Entscheidungsprozesse und Informationsbedarfe zu analysieren und Daten neuesten Erkenntnissen entsprechend zu visualisieren, ist das Anliegen des SAP-Beratungshauses Infocient in Mannheim.

Die SAP-Experten unterstützen strategisch als auch technologisch, um die Wettbewerbsfähigkeit von mittelständischen Unternehmen und Konzernen zu sichern.

Über den Autor

Martin Kunzmann, Infocient Consulting

Martin Kunzmann ist SAP BI Consultant und Frontend-Spezialist beim SAP-Beratungshaus Infocient.

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