Die Meinung der SAP-Community MAG 2004 No/Name - Kolumne

Homeoffice

NoName
Geschrieben von no-name

Arbeiten von zu Hause ist nicht genug. Homeoffice ist in der aktuellen Situation ein Megatrend. Jeder sollte in den eigenen vier Wänden bleiben, um sich und andere zu schützen. Aber wir müssen Homeoffice weiterdenken.

Fast über Nacht hat uns das Virus gezeigt, wie traditionell und die technischen Möglichkeiten nicht ausschöpfend wir noch arbeiten. Für den mobilen Wissensarbeiter sind Notebook und Smartphone selbstverständlich. Über das WLAN in die Cloud ist nicht nur simpel, sondern selbstverständlich – aber die IT-Community besteht nicht nur aus Cloud Computing.

Ein Freund, der in leitender Position in einer Bank arbeitet, schilderte mir verzweifelt seine Situation: Der PC auf seinem Schreibtisch lässt sich nicht nach Hause transportieren. Von zu Hause kann er aufgrund von Security-Maßnahmen mit seinem privaten Notebook nicht auf die IT-Banksysteme zugreifen.

Videokonferenzen mit Bankkunden sind nicht vorgesehen. Es bleibt nur der Weg ins Büro oder der Smalltalk per Smartphone mit Kunden von zu Hause aus.

T-Systems

Ähnlich „komplexe“ Situationen haben wir auch. Aufgrund von Compliance und Security sollten bestimmte Daten nicht das Büro verlassen. Ausgewählte Applikationen brauchen Rechenleistung und hohe Datenmengen, die in diesem Umfang nicht unbedingt auf einem privaten PC oder Notebook zur Verfügung stehen.

Was tun? Unsere bewährte Lösung – nicht erst seit ein paar Tagen – sind VPN-Verbindungen (Virtual Private Network) und Remote-Desktop-Apps. Mit VPN bekommen wir die sichere Verbindung an den offiziellen Arbeitsplatz und Remote-Desktop belässt die Daten und Programme dort, wo sie hingehören – im geschützten Raum unserer IT.

Natürlich ist das keine Blaupause für Tausende Mitarbeiter, aber unsere Leitungsstäbe können damit ein Mindestmaß an Reak­tionsfähigkeit aufrechterhalten.

Mein Plädoyer soll aber weiter gehen, speziell vor dem Hintergrund der sich verbessernden Umweltbedingungen: Ja, es wird bereits ein deutlicher Rückgang des Feinstaubs und der CO2-Belastung gemessen.

Die Einschränkungen bei der individuellen Mobilität zeigen auch positive Wirkung. Es ist erstaunlich, was arbeitstechnisch und kommunikativ möglich ist, auch wenn man nicht per Auto und Flugzeug die ganze Woche unterwegs ist. Warum bei den vielen positiven Erfahrungen von Telefonkonferenzen, Webinaren und Livestreams unsere SAP die Sapphire 2020 in Orlando noch nicht abgesagt hat, bleibt ein Rätsel.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es im Mai keine Lufthansa-Flüge nach Florida geben und die US-Regierung wird vermutlich die Einreisebeschränkungen ausdehnen. SAP wäre gut beraten, zeitgerecht und umfassend auf andere Kommunikations- und Bildungskanäle umzusteigen.

Es ist nämlich unbestritten, dass die SAP-Community nach der Wartungsverlängerung 2027/2030 und den noch immer zahlreichen offenen technischen, strategischen und betriebswirtschaftlichen Fragen eine Sapphire 2020 unbedingt braucht!

Aber Homeoffice und Livestream sind nicht genug! Im B2B-Bereich brauchen wir neue Konzepte für die Zusammenarbeit, die Kommunikation und Weiterbildung. Kurz zusammengefasst: weniger Mobilität (hilft der Umwelt), aber mehr Content (fördert die Produktivität).

Was technisch möglich ist, konnte ich Anfang dieses Jahres bei einem Besuch in der Microsoft-Zentrale in München erleben: In jedem Besprechungsraum gibt es zumindest einen großen Präsentationsbildschirm, auf diesen verbindet man sich nicht per Kabel, Zwischenstecker etc., sondern per WLAN.

Am Notebook oder Tablet gibt man bekannt, in welchem Raum man sich befindet, und das Netzwerk streamt den freigegebenen Bildschirminhalt. Ähnliche Konfigurationen gibt es für Telefonkonferenzen und Druckdienste. Somit heißt es nicht Büro oder Homeoffice, sondern arbeite dort, wo es Content und Produktivität erfordern.

In jeder Krise liegt auch eine Chance. Mit Innovation können wir unser berufliches Leben effizienter und schonender für die Umwelt gestalten. Für mich zählen Content, Kommunikation und Bildungsarbeit und eben kein teurer Businessclass-Flug nach Orlando oder eine beschwerliche Autoreise zum DSAG-Jahreskongress nach Leipzig.

Ich freue mich schon auf die neue Zeit nach der Krise, wenn das „Überangebot“ an Kongressen, Messen und Präsentationen einem inhaltlich orientierten Handeln und Denken weicht, wenn Content mehr zählt als Flugmeilen.

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Unser geheimnisvoller, anonymer Kolumnist.

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