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Hippokratischer Eid für IT-Professionals

[shutterstock: 1396338971, Panchenko Vladimir]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Mathematiker, Informatiker und Computeringenieure sollten einen hippokratischen Eid ablegen, so die Forderung von Hannah Fry, Professorin für Mathematik.

Der Ruf nach einem hippokratischen Eid in der Forschung ist nicht neu. Nach dem Vorbild der Mediziner sollen auch andere Wissenschaftler durch eine solche öffentliche Selbstverpflichtung an moralisches Handeln gebunden werden.

Unterstützt wird diese Idee seit Jahrzehnten unter anderem von der Unesco, von zahlreichen Vertretern von Forschungsinstituten, Wissenschaftsverbänden und Ethikkomitees.

Mediziner halten sich seit mehr als 2500 Jahren an den hippokratischen Eid, der als ethischer Kodex für ärztliches Handeln zwar nicht verbindlich ist, aber einen hohen Stellenwert genießt.

Im Zuge des zunehmenden Einflusses von Algorithmen auf unseren Alltag, dem wir uns teilweise gar nicht bewusst sind, nimmt die Diskussion um eine ethische Selbstverpflichtung in technischen Berufen erneut Fahrt auf.

„Wir brauchen einen hippokratischen Eid, so wie er für die Medizin existiert“

fordert die aus unterschiedlichen TED-Talks bekannte Mathematikprofessorin Hannah Fry gegenüber „The Guardian“.

In der Medizin lerne man die Ethik vom ersten Tag an kennen, in der Mathematik dagegen spiele sie kaum eine Rolle. Das möchte die Britin gerne ändern:

„Ethische Grundsätze müssen vom ersten Tag an im Vordergrund unserer Gedanken stehen“

so ihre Forderung.

Hannah Fry

Allerdings ist es etwas anderes, Probleme in der realen Welt zu bedenken als in geschlossenen Systemen. Das weiß auch die 35-jährige Professorin:

„Mathematiker, Computeringenieure und Physiker sind so an abstrakte Probleme gewöhnt, dass sie selten darüber nachdenken, ob die Anwendung ihrer Arbeit in der Praxis ethische Regeln verletzten könnte.

Ein ethisches Versprechen dagegen würde die Wissenschaftler verpflichten, gründlich über die mögliche Nutzung ihrer Arbeit nachzudenken, und sie dazu zwingen, nur solche Ansätze zu verfolgen, die der Gesellschaft zumindest keinen Schaden zufügen“

sagt Fry.

So mahnt sie, dass Forscher heute Systeme bauen, die persönliche Daten sammeln und verkaufen, menschliche Schwächen ausnutzen und Entscheidungen über Leben oder Tod treffen.

„In den Technologieunternehmen dieser Welt finden wir heute meist sehr junge, sehr unerfahrene und oft weiße Männer. Sie wurden nie gebeten, darüber nachzudenken, wie sich die Lebensper­spektiven anderer Menschen von ihren unterscheiden, und letztendlich sind dies die Menschen, die die Zukunft für uns alle gestalten.“

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