Infrastruktur MAG 22-02

Handel im Wandel

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Geschrieben von E-3 Magazin

Ein immer volatilerer Markt, steigende Kundenbedürfnisse und wachsende Ansprüche der Mitarbeiter stellen seit einigen Jahren massive Anforderungen an das ERP-System im Handelsbereich dar.

Diese Herausforderungen, nicht zuletzt aber auch das von der SAP angekündigte Wartungsende der SAP Business -Suite 7 (ERP/ECC 6.0), sind gute Gründe, sich zeitnah über die Umstellung auf SAP S/4 Gedanken zu machen. Dennoch verhalten sich viele Handelsunternehmen noch immer zögerlich, wenn es um einen konkreten Transformationsprozess geht. Die Notwendigkeit einer Transformation zu S/4 haben die meisten bereits erkannt. Sie bringt nicht nur den Vorteil, Daten in Echtzeit verarbeiten und analysieren zu können, sondern ermöglicht auch, Systeme maßgeblich zu verschlanken. 

So berichtet Martin Koch, Leiter Programm-Management und stellvertretender Programmleiter des Migros-Genossenschafts-Bunds, dass die Anforderungen der Transformation für Migros recht klar waren. Durch eine heterogene Systemlandschaft wurden hohe Investitions-, Wartungs- und auch Betriebskosten verursacht. Die gesamte ERP-Landschaft sollte in Zukunft weniger schwerfällig sein und die Innovationsfähigkeit beibehalten, für Migros bekannt ist. Da die Umstellung auf S/4 eine große Chance, gleichwohl aber auch einen großen Aufwand bedeutet, sollte sie nicht nur aus IT-, sondern auch aus Business-Sicht erfolgen. Aus diesem Grund startete Migros von Juli bis Dezember 2019 eine Vorstudie. Ziel der Umstellung für die Migros-Genossenschafts-Gruppe ist die Modernisierung der Finanz- und Wirtschaftssysteme, um die Effektivität zu steigern.

Aus diesen Bedürfnissen heraus entwickelten sich vier Prinzipien, auf denen das Umstellungsprogramm aufbaut. Zum einen gilt der Grundsatz der Vereinfachung. Immer wenn es möglich ist, sollen so beispielsweise Funktionen im Umsystem verortet werden, um das ERP-System selbst so schlank wie möglich zu halten. Gleiches gilt für die Wiederverwendbarkeit und die Interoperabilität der Funktionen. Zum anderen müssen der IT- und der Businessbereich eng zusammenarbeiten. Gleichermaßen gilt es im Projekt zu sequenzieren und Schritt für Schritt vorzugehen, statt auf einem Gleichschritt der einzelnen Abschnitte und Module zu beharren. Basierend auf dem Capability-Modell stellt Migros dann den Scope organisatorisch, funktional und technisch fest. Einzelne Schritte gruppierte Migros zu Initiativen, die wiederum priorisiert und in einer Roadmap zusammengestellt sind.

Auch Wolfgang Mähr, Geschäftsleiter Informatik von Spar Schweiz, berichtet von ähnlichen Zielen bei der Umstellung auf S/4, auch wenn die Ausgangslagen für beide Unternehmen unterschiedlich ausfallen. Migros als Genossenschaftsgruppe steht vor der Herausforderung, die Anforderungen seiner zehn Mitglieder zu vereinen. Aber auch die Spar-Südafrika-Gruppe, zu der neben Spar Schweiz auch Sri Lanka, Polen, Großbritannien und Irland gehören, steht vor der Aufgabe, ihre Partner trotz der verschiedenen Ausgangslagen zum Ziel zu führen. Der Fokus liegt bei beiden Unternehmen darauf, die Einfachheit der Abläufe in den Vordergrund zu stellen sowie eine Wiederverwendbarkeit der gemeinsamen Prozesse und Systeme in den einzelnen Ländern und Unternehmensbereichen zu gewährleisten. Eine Herausforderung bei der Einführung von SAP S/4 besteht unter anderem darin, die individuell richtige Strategie für die Implementierung zu finden.

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E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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