Infrastruktur MAG 1605

Hana und Cloud in einem Schritt

2016

Jedes Unternehmen muss sich derzeit mit der Umstellung auf Hana und dem Cloud-Einsatz auseinandersetzen. SAP bietet hierzu die Hana Enterprise Cloud an, welche beiden Trends auf einmal begegnet. Über diese managed Cloud können Unternehmen in die Cloud migrieren und von Hana profitieren.

Alle Unternehmen nehmen derzeit zwei sehr starke Trends auf dem Markt wahr. Der eine Trend ist das Cloud Computing, welches die Unternehmen zwingt, sich immer mehr mit dem As-a-Service-Modell auseinanderzusetzen.

Dieser Trend lässt sich auch im Umfeld von SAP feststellen. Viele große Anbieter, wie Amazon oder Azure, haben ihr Angebotsportfolio für den Bezug von SAP-Systemen aus deren Cloud stetig erweitert. Unternehmen können somit SAP als ein Service nutzen und brauchen keine Installationen mehr im eigenen Rechenzentrum.

Der zweite wichtige Trend ist Hana, welcher durch SAP forciert wird. Hierbei ist ein Wechsel von SAP AnyDB (also Oracle, DB2, MSSQL, MaxDB, ASE) auf die Hana-Plattform der von SAP präferierte zukunftsträchtige Weg. Kunden müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen, denn es ist nicht gewiss, wie lange SAP-Systeme noch auf AnyDB verfügbar sein werden.


 

Aufgrund beider Trends werden alle Unternehmen in die Lage versetzt, handeln zu müssen. Eine Möglichkeit, die Themen Hana und Cloud zu kombinieren, bietet die Hana Enterprise Cloud. Hierbei handelt es sich um eine managed Cloud von SAP, welche neben den grundlegenden IaaS-Services auch weitergehende PaaS-Services anbietet.

Alle Kunden von SAP können die Hana Enterprise Cloud in Anspruch nehmen und damit auf ein anderes Servicemodell „aus der Cloud“ wechseln. Somit lassen sich die SAP-Systeme in der Cloud von SAP betreiben.

Die Hana Enterprise Cloud ist eine managed Cloud, welche in Deutschland und weiteren Ländern zur Verfügung gestellt wird. Hierbei verfolgt SAP die Prämisse „follow the customer“ und baut den Service strategisch weiter aus.

Multinationale Unternehmen, welche mit spezifischen Anforderungen aus verschiedensten Ländern konfrontiert sind, können diese Anforderungen nach Data Privacy/Security mit der SAP HEC adressieren. Da die SAP HEC in den Rechenzentren von SAP gehostet wird, ist damit auch die Erfüllung von wichtigen Sicherheitsstandards für den Betrieb gewährleistet.

Ein großer Unterschied zu den Clouds von Amazon oder Microsoft ist der Gedanke der managed Cloud. Während Kunden bei den Clouds von Amazon, Microsoft oder Oracle selbst neue Infrastructure/Services bereitstellen können, ist dies bei der SAP HEC so nicht möglich.

Es gibt hier keine Konsole, welche Sie öffnen können und wo sich nach und nach neue Instanzen bereitstellen. Hier ist der eigentliche Betrieb nach dem Konzept der managed Services strukturiert, wie es aus dem Outsourcing bekannt ist. Bei einem neuen Bedarf starten Kunden zunächst den üblichen Prozess zum Anfragen von neuen Ressourcen etc.

Ähnlich wie bei dem Beginn eines neuen Outsourcings müssen Kunden zunächst mit SAP einen Prozess zur Definition des Zielzustandes durchlaufen. Ziel des Prozesses ist es, die Anforderungen des Kunden hinsichtlich Anzahl der Systeme, Größe der Systeme, Art und Typ der Systeme und des technischen Zielzustandes zu definieren.

Kunden haben die Möglichkeit, schon vor der eigentlichen Migration in die SAP HEC, eine Migration eines SAP-Systems auf Hana zu planen und mit SAP während der Transition durchzuführen. SAP hat den Prozess als „Customer Adoption Journey“ bezeichnet und in fünf große Schritte unterteilt (hec.sapjourneymap.com).

Als erster Schritt kann sich der Kunde mit der Hana Enterprise Cloud vertraut machen. SAP stellt hierzu die entsprechenden Informationen zur Lokation der Cloud bereit. Hier können Kunden nähere Informationen zu der Zertifizierung der Rechenzentren und der gesamten Cloud finden.

Der zweite Schritt ist ein Fragebogen, welcher das eigentliche Anliegen des Kunden zusammenfasst. Als Kunde bietet sich hier die Möglichkeit, spezifische Informationen bereitzustellen, welche es SAP ermöglichen, eine erste indikative Bepreisung durchzuführen.

Der finale Preis kann erst dann abgeleitet werden, wenn SAP alle Eckdaten zu den SAP-Systemen kennt. Der Report umfasst aber neben den grundlegenden Daten auch schon die Arten und die Größe der Systeme. Den Report können Kunden mit einem sehr geringen Aufwand zunächst ausfüllen.

Es bietet sich hier an, nicht jedes System aufzuführen, sondern sich zunächst auf die großen Systeme zu konzentrieren. Die kleineren Systeme werden später in einem der Folgeschritte aufgenommen und bewertet. Der Report wird weiter an SAP geleitet und von ihr ausgewertet.

Nachdem der Kunde den Report bereitgestellt hat, wird das Assessment mit dem Kunden gestartet. Hierbei werden die wichtigsten Fragen zur Zielarchitektur und dem eigentlichen Migrationsvorgehen geklärt.

Dies kann SAP nicht allein durchführen, sondern benötigt die Unterstützung des Kunden. Wichtige Details zum Netzwerk, zu der neuen Infrastruktur, dem Migrationsvorgehen, den Services und der letztlichen Bepreisung der Lösung sind das Ziel des Assessments. Hierbei ist es wichtig, dass Kunden die Anforderungen genau kennen und präzise benennen können.

Zu diesem Zeitpunkt kann sich der Kunde auch entscheiden, welchen Servicekatalog er nutzen möchte. Es kann entweder nur Infrastructure Management oder aber auch Applica­tion Management genutzt werden.

Ein großer Servicekatalog ist im Format einer RACI-Matrix (Roles and Responsibilities) vorhanden (siehe DigiPlus). Wenn das Assessment abgeschlossen ist, wird im Schritt vier das eigentliche Deployment (auch Onboarding genannt) gestartet.

In dieser Phase stellt SAP die neue Zielinfrastruktur zur Verfügung und die ersten SAP-Systeme werden in die Cloud migriert. Die Migration wird nach den spezifischen Bedürfnissen des Kunden geplant und ausgeführt. Hierbei kommen Faktoren, wie die maximale Downtime und die Größe des SAP-Systems, zum Tragen und auch die Übertragungsart.

Nach der Migration werden die Systeme live geschaltet und das Kundensystem wird in der Cloud betrieben (Schritt fünf). Der gesamte Prozess von dem initialen Assessment bis hin zum Go Live wird von SAP betreut.

Nach dem Go Live gibt es entsprechende Frameworks zur Kommunikation und auch Eskalation. Diese unterscheiden sich prinzipiell nur wenig von den Frameworks, welche auch die Nicht-Kunden der SAP HEC kennen.

Der Prozess vom ersten Gedanken eines SAP-Systems in der Cloud bis hin zum letztendlichen Betrieb in der Cloud erscheint zunächst einmal kompliziert. Insbesondere wenn Kunden sich das einfache Bereitstellen von neuen virtuellen Maschinen in einer Public Cloud von Amazon oder Microsoft anschauen und dies mit dem langwierigen Assessment vergleichen, kann die Hana Enterprise Cloud nicht überzeugen.

Jedoch sind SAP-Systeme kritisch für den Betrieb eines Unternehmens und Ausfälle können sich die Unternehmen nicht leisten. Daher legt SAP viel Wert auf eine detaillierte und fundierte Planung. Eine anschließende Migration kann bei SAP durch die verfügbaren Experten sogar noch schneller als bei anderen Anbietern vonstattengehen.

Auch wenn die Hana Enterprise Cloud keine wirkliche Cloud im Sinne von Amazon, Microsoft oder Oracle ist, ist sie für Kunden mit SAP-Systemen relevant und sollte entsprechend bei einem Bestreben in die Cloud in Betracht gezogen werden.

Über den Autor

André Bögelsack, Accenture

Dr. André Bögelsack hat lange Zeit als SAP-Basisadministrator an der Technischen Universität München gearbeitet und in diesem Umfeld promoviert. Danach war er kurze Zeit in der Forschung und arbeitet seit 2012 bei Accenture im Bereich Infrastructure Transformation. Er leitet große SAP-Migrations- und -Transformationsprojekte.

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