MAG 21-04 Satire: Das Letzte

Hana stirbt

Das-Letzte-Satire
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Es steht schlecht um die SAP’sche Datenbank Hana. Das Konstrukt selbst wird weiterhin S/4 On-prem und in der Cloud begleiten – aber der Geist und die Seele sind tot.

Was war das für ein Enthusiasmus, eine Begeisterung, fast ein Volksfest, als Hasso Plattner, Alexander Zeier und Vishal Sikka die In-memory-Computing-Datenbank Hana präsentierten. Die Idee war revolutionär und die SAP-Community war beseelt von einem Aufbruch zu neuen Ufern. Kaum eine Woche verging, in der der damalige SAP-Technikvorstand ­Vishal Sikka nicht wieder eine neue Erfolgsmeldung vorzuweisen hatte.

Hana schien das Totenglöckchen der etablierten SQL-Datenbanken von IBM, Microsoft und Oracle zu werden. Somit zögerte SAP auch nicht, den Mitbewerber als „AnyDB“ zu bezeichnen und für das neue ERP die Datenbank Hana als das einzig Wahre zu proklamieren.

S/4 und Hana sollten das Dreamteam werden und S/4 werde niemals fremd­gehen. Damit stand den SAP-Bestandskunden nicht nur ein ERP-Releasewechsel ins Haus, sondern auch noch die Migration auf eine neue, unbekannte Datenbankarchitektur. Vishal Sikka verstand diese Herausforderung entsprechend in Szene zu setzen, siehe Illustration.

S/4 mit dem Zusatz „Hana only“ ist eine gewaltige Herausforderung. Technisch analysiert ist Hana auch nur eine SQL-Datenbank und steht damit logisch auf einer Stufe mit IBM DB2, Microsoft-SQL-Server und Oracle. Unter der Motorhaube ist Hana eine Revolution, das kann Fluch und Segen zugleich sein.

Technikbegeisterte SAP-Bestandskunden lieben Hana, aber heiraten will sie niemand. Von der anfänglichen Begeisterung für die In-memory-Computing-Technik ist kaum etwas geblieben. Anstatt Hana zur Hausherrin eines neuen ERPs zu machen, ist sie heute nur Dienstmagd für die digitale Transformation. Vishal Sikkas Enthusiasmus ist Vergangenheit – die Revolution frisst ihre Kinder. Im Schauprozess werden die einstigen Freunde IBM, Microsoft und Oracle abgeurteilt.

Aber SAP hat Hana vernachlässigt, sich selbst überlassen und ihr keine tragfähige Roadmap vermacht. Ein Karriereende steht kurz bevor. Naturgemäß muss Hana das AnyDB-Gesinde beseitigen und eine neue Ordnung in das ERP-Haus bringen – aber die Ablöse geschieht ohne Begeisterung.

Ein Aufbruch zu neuen Ufern schaut anders aus. Als noch Technikvorstand Vishal Sikka der Beschützer von Hana war, verging kaum ein Monat ohne Jubelmeldungen, neue Erkenntnisse und spannende Projekte. Hana setzte sogar an, die Welt außerhalb der SAP-Community zu erobern.

Hana-Geburtshelfer Professor Alexander Zeier war sich mit Professor Hasso Plattner einig, Hana sei die nächste Computerrevolution, und Intel leistete eifrig Beistand. Sollte doch die Hana-Architektur maßgeschneidert für die Prozessoren von Intel sein. Die Allianz aus Software von SAP und Hardware von Intel durchkreuzte aber IBM mit der Power-Server-Architektur.

Damit war schnell allen Beteiligten klar, dass die Hana-Story nicht so konsistent ist, wie ­Vishal Siakka sie gerne präsentierte. Momentan scheint Hana eine Bürde für die S/4-Conversion zu sein. Ein offenes S/4 mit Kompatibilität zu der In-memory-Computing-Technik von IBM, Oracle und Microsoft wäre wahrscheinlich schon weiter.

Aber S/4 ist an Hana gefesselt und schleppt diese Verantwortung wie einen Mühlstein um den Hals. Dass es auch anders sein könnte, deutete vor vielen Jahren Ex-SAP-Technikvorstand Bernd Leukert an. Wer nun S/4 sagt, muss immer Hana mitdenken – das ist für die digitale Transformation eine deutliche Bremse.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
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