MAG 21-12 Management

Geringes Vertrauen in Nachhaltigkeitsversprechen von Unternehmen

kreislaufwirtschaft scheer sap scott russell [shutterstock_1731631537_Jerry Kozlowski]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Das Wort nachhaltig ist zum Mode- und Füllwort verkommen, kaum jemand kennt die ursprüngliche Bedeutung, und mangelnde Kennzeichnung und hohe Reparaturkosten sind eine Hemmschwelle für „nachhaltigen“ Einkauf. Anbieter und Verbraucher sind verunsichert.

Nachhaltig ist etwas, wenn daraus wieder Neues entsteht, wenn Ressourcen geschont werden und der Energiekreislauf positiv bleibt. Aus der Physik ist bekannt, dass die Summe der Energie eine Konstante ist, hier geht es aber um die nachhaltige Nutzung der Ressourcen, damit im eigenen Tun keine Energie „verschwendet“ wird. Steigendes Umweltbewusstsein und Sorge über Verschwendung und erschöpfte Ressourcen führen dazu, dass immer mehr Verbraucher auf nachhaltigeren Konsum setzen. Dies geht aus der Studie des Capgemini Research Institute „Circular Economy for a Sustainable Future: How Organizations Can Empower Consumers and Transition to a Circular Economy“ hervor.

Dafür wenden sich Verbraucher zunehmend an Unternehmen, die auf das Prinzip der Kreislaufwirtschaft setzen. Fast die Hälfte glaubt jedoch, dass Unternehmen derzeit noch nicht genug für Recycling, Wiederverwertung und Abfallreduktion tun.

SAP Responsible Design

SAP hat die Verfügbarkeit der Lösung Responsible Design and Production bekannt gegeben, die eine nachhaltige Gestaltung von Produkten und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft ermöglichen soll. Dies ist das neueste Angebot in einem wachsenden Portfolio von nachhaltigkeitsspezifischen Softwareanwendungen, die Unternehmen mehr Messbarkeit und ein umfassenderes Datenmanagement bieten.

Während Vorschriften für nachhaltiges Wirtschaften eingeführt werden, die zum Beispiel Abgaben auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen festlegen, soll die SAP-Lösung Responsible Design and Production den Unternehmen ermöglichen, schneller auf bewährte Verfahren der Kreislaufwirtschaft umzusteigen. Die neue Lösung kann Unternehmen einen besseren Überblick über die Materialströme in ihren Prozessen bieten und hilft ihnen, die sich schnell ändernden Vorschriften, vor allem zu Produktverpackungen und Kunststoffen, zu
verfolgen und einzuhalten.

Da Unternehmen zunehmend nachhaltige Produkte entwickeln, wird die Steuerung von Materialien und die Verwaltung gesetzlich vorgeschriebener Daten eine der komplexesten Herausforderungen in der heutigen Konsumgüterindustrie.

Die Kreislaufwirtschaft beruht auf drei Prinzipien, die vom Design beeinflusst werden: Abfall und Umweltverschmutzung vermeiden, Produkte und Materialien immer wieder verwenden und natürliche Systeme regenerieren. Digitale Lösungen spielen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle“, sagte Andrew Morlet, CEO der Ellen MacArthur Foundation. „Unternehmen können dadurch Verfahren der Kreislaufwirtschaft in ihre sämtlichen Abläufe einbinden – vom Produktdesign, das die Vermeidung von Abfall von vornherein berücksichtigt, bis zur Verfolgung des Lebenszyklus der verwendeten Materialien.

Für die oben erwähnte Studie hat das Capgemini Research Institute mehr als 8000 Konsumenten in 14 Ländern befragt. Sie zeigt, dass Verbraucher nachhaltiger konsumieren möchten, indem sie beispielsweise ihren gesamten Konsum reduzieren (54 Prozent), langlebigere Produkte kaufen (72 Prozent) oder Produkte reparieren und warten lassen, um deren Lebensdauer zu verlängern (70 Prozent). 67 Prozent erwarten, dass Unternehmen ihre Produkte verantwortungsbewusst bewerben und keinen übermäßigen Konsum fördern.

Aus früheren Untersuchungen von Capgemini geht hervor, dass Unternehmen es bisher versäumt haben, das Modell der Kreislaufwirtschaft zu etablieren, mit dem Materialkreisläufe möglichst geschlossen werden. Gleichzeitig wenden sich immer mehr Verbraucher jenen Unternehmen zu, die ein solches nachhaltiges Geschäftsmodell entwickelt haben. Dies gilt insbesondere für Bereiche, für die Konsumenten bereits ein hohes Bewusstsein entwickelt haben, wie Lebensmittel- und Plastikabfälle. So haben 44 Prozent der Verbraucher in den vergangenen zwölf Monaten ihre Ausgaben bei Lebensmittel- und Getränkeherstellern erhöht, welche sich auf Recycling, Wiederverwertung und Abfallvermeidung konzentrieren. 40 Prozent der Verbraucher haben dies im Bereich der Körper- und Haushaltspflegeprodukte getan.

Nachhaltige Kernprozesse

Mit der SAP-Lösung können Unternehmen Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in ihre Kernprozesse integrieren und damit Abfall vermeiden und zusätzlichen Mehrwert erzielen, indem sie Produkte gestalten, die von Anfang an nachhaltig sind. So erhält zum Beispiel ein Markenmanager für Shampoos einen Überblick über den gesamten Produktlebenszyklus, einschließlich der Verpflichtungen aus der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) und der Abgaben auf Kunststoffverpackungen in verschiedenen Märkten. Er ist dadurch in der Lage, das Design zu verändern, um Abfälle zu verringern, und entsprechende Entscheidungen zu treffen, um die Kosten des nachgelagerten Abfallsystems zu senken.

Jedes Jahr verbrauchen wir fast doppelt so viele Ressourcen, wie unser Planet wieder bereitstellen kann. Unternehmen können hier einen entscheidenden Beitrag zur längeren Ressourcennutzung in unseren Systemen leisten, indem sie auf ein intelligentes, verantwortungsvolles Produktdesign setzen, bei dem Ressourcen wiederverwendet und nicht entsorgt werden“, sagte Scott Russell, Mitglied des SAP-Vorstands und Leiter des Bereichs Customer Success. „Produkte zu gestalten, mit denen Abfall vermieden wird und für die ökologisch verantwortungsvolle Materialien verwendet werden, ist grundsätzlich sehr kompliziert. Aber SAP Responsible Design and Production verringert diese Komplexität und dient unseren Kunden als Maßstab, damit sie Produkte bereitstellen können, die dem Produktionszyklus wieder zugeführt werden und schließlich eine regenerative Wirtschaft erreichen.

Die Kreislaufwirtschaft ist der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum. Schon jetzt tragen die Verbraucher mit ihrem Verhalten ihren Teil dazu bei, doch sie können
nur aus einem gering bestehenden Angebot auswählen. Es liegt daher an Industrieunternehmen, Produkte mit einem nachhaltigeren Lebenszyklus zu entwickeln
“, kommentiert Simon El Dib, Head of Capgemini Invent Austria, die Studie. „Dafür müssen sie einen tiefgreifenden Wandel in drei Bereichen einleiten: die Minimierung des CO2-Impacts ihrer bestehenden Produkte und Dienstleistungen, ein Produktdesign, welches das Prinzip der Kreislaufwirtschaft von Beginn an berücksichtigt, sowie die Etablierung einer nachhaltigen Geschäftsstrategie für den gesamten Betrieb. Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist die Kreislaufwirtschaft eine Investition in die Art und Weise, wie wir in Zukunft wirtschaften wollen.

Im Gegensatz zum linearen Wirtschaftsmodell „Take – Make – Waste“ ist die Kreislaufwirtschaft regenerativ und zielt darauf ab, Wachstum schrittweise vom Verbrauch endlicher Ressourcen abzukoppeln. Für Verbraucher bedeutet dies, langlebige Produkte zu kaufen, die recyclebar sind oder aus recycelten Materialien hergestellt wurden, sie durch effektive Wartung und Reparatur lange in Gebrauch zu halten, oder am Ende ihrer Lebensdauer so zu entsorgen, dass wenig oder kein Abfall entsteht.

Center for Digital Green-Tech

SAP Responsible Design and Production ist eine gemeinsam mit Accenture auf der SAP Business Technology Platform entwickelte native Cloudlösung. Sie bietet maßgeschneiderte Informationen, die Unternehmen helfen, über EPR-Bestimmungen und Abgaben auf Kunststoffverpackungen auf dem Laufenden zu bleiben, Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in die Kernprozesse zu integrieren und für nachhaltiges Wirtschaften das Design zu optimieren.

Auch das neue Center for Digital Green-Tech des August-Wilhelm-Scheer-Instituts am Standort der Technischen Universität (TU) Clausthal arbeitet an den Herausforderungen einer digitalen Kreislaufwirtschaft. Der Klimawandel, der Rohstoffmangel und der Rückgang der Biodiversität sind klare Argumente für die Notwendigkeit einer Kreislaufwirtschaft. Gerade digitale Innovationen können dabei Nachhaltigkeit maßgeblich fördern. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt das Vorhaben mit einem Fördervolumen von zwei Millionen Euro. Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft waren bei den Feierlichkeiten im Kuppelsaal der Aula Academica unter Coronaauflagen vor Ort.

Fraglos gehört es zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, unsere Wirtschaft nachhaltig zu gestalten. Hierzu zählt unter anderem der sparsame Umgang mit endlichen Ressourcen und deren intelligente Wiederverwendung. Aktuell erleben wir, welche wirtschaftlichen Auswirkungen Rohstoffknappheit haben kann. Daher ist es im Interesse unseres Landes, gemeinsam mit dem August-Wilhelm-Scheer-Institut und aufbauend auf den Forschungsstärken der TU Clausthal hier Innovationsimpulse zu setzen, die unserer Wirtschaft und Gesellschaft zugutekommen“, so Björn Thümler, Wissenschaftsminister des Landes Niedersachsen.

Ein wichtiger Ansatz ist in diesem Zusammenhang die Kreislaufwirtschaft. „Wir brauchen einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel: vom Rohstoffende zur Rohstoffwende. Nur so können auf ökologischen, ökonomischen und sozialen Erfolgen die Grundsteine für eine nachhaltige Gesellschaft gelegt werden. Möglich wird das durch eine umfassende digitale Transformation“, sagt Professor August-Wilhelm Scheer, Gründer und Geschäftsführer des August-Wilhelm-Scheer-Instituts.

Die TU Clausthal hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2025 weltweit für interdisziplinäre Forschung und Lehre sowie für fachübergreifenden Transfer im Feld der Circular Economy zu stehen. Prof. Dr. Joachim Schachtner, Präsident der Technischen Universität Clausthal, unterstreicht die Dimension des Leitthemas: „Im wissenschaftlichen Profil unserer Universität umfasst die Circular Economy neben der klassischen Kreislaufwirtschaft die erneuerbaren Energien und – ganz wichtig – die digitale Steuerung des Gesamtsystems.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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