MAG 2009 SAP und Azure Szene

Fundament für Integrationsszenarien

[shutterstock.com: 243454546, ESB Professional]
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In den letzten Ausgaben wurde an dieser Stelle sehr viel über die Wege in die Cloud berichtet: Das Vorgehen mittels Best Practices wurde beleuchtet, technologische Alternativen für den eigentlichen Betrieb besprochen. Ein Aspekt kam aber bis jetzt zu kurz.

Das unglaubliche Potenzial, das die Cloud gerade bei Integrationsszenarien bietet, ist ein nicht unerheblicher Faktor, der ebenso besprochen werden sollte wie die besten Tools für eine reibungs­lose Cloudmigration. Nahezu überall haben Firmen um ihre SAP-Anwendungen herum Applikationen hinzugekauft oder selbst gebaut.

Dazu integrieren mehr und mehr Unternehmen Kunden und Lieferanten in ihre SAP-Landschaften. Einer der Retail-Kunden von Arvato Systems hat beispielsweise mehr als 360 seiner Kunden an das zentrale S/4 Hana angebunden, um seinen Bestellprozess zu automatisieren.

Noch übernimmt SAP in vielen Unternehmen die Funktion der zentralen Datendrehscheibe. Ja, Sie haben richtig gelesen: noch – die Frage ist nur, wie lange.
Welche Vorteile die Cloud für die Inte­gration von Drittapplikationen sowie von Lieferanten und Partnern bietet und warum Daten immer häufiger den Ausschlag über den Betrieb von Applikationen geben, wollen wir uns im Folgenden genauer ansehen.

Winshuttle
Markus-Krenn

Integration mit Drittapplikationen

Mit der „Keep Your Core Clean“-Politik versucht SAP auf ein Problem aufmerksam zu machen, das die SAP-Anwender verfolgt, seitdem es SAP-Systeme gibt: Gemeint ist die Abkehr vom Paradigma, alles möglichst im Kern von SAP zu lösen. Ziel ist es, die Modifikationen in der Kernanwendung auf ein notwendiges Minimum zu beschränken und damit die Problemanfälligkeit bei Upgrades zu verringern. Dazu werden alle spezifischen Entwicklungen in andere Lösungen, zum Beispiel in die SAP Cloud Platform oder zu Hyperscalern, ausgelagert. SAP verlagert damit faktisch Innovationen und Individualisierungen in die Cloud.

Das bedeutet zukünftig vermehrten Datentraffic in hybriden Szenarien (On-premises S/4 Hana und SAP Cloud Platform zum Beispiel auf Azure) und zusätzliche Latenzen. Spätestens beim Thema Latenzen hört für viele Basis-Administratoren der Spaß auf. Wer will schon ständig Anwender am Telefon haben, die melden, dass „das System gerade so langsam ist“? Doch nicht nur das neue SAP-Design-Paradigma ist ein Indiz dafür, dass die SAP-Systeme zukünftig besser zum Beispiel auf Azure aufgehoben sind.

Auch Partnerlösungen und Drittapplikationen wandern zunehmend in die Cloud oder werden schon heute ausschließlich in der Cloud angeboten. Beispiele dafür sind die Vertragsmanagementlösung Icertis, die Business-Process-Mining-Anwendung von Celonis oder das Dokumentenmanagementsystem nScale von Ceyoniq.

Das alles sind Systeme, die in SAP integriert werden und betriebstechnisch eine gewisse physische Nähe zu SAP erfordern. Insofern sollten sich Betriebsverantwortliche regelmäßig selbstkritisch die Frage stellen, ob eine hybride Gesamtarchitektur die bestmögliche Lösung für den Betrieb ist. Im Zuge von Modernisierungsschritten bei den SAP-Systemen stellt ein Betrieb auf Azure vielleicht die bessere Alternative dar.

Unsere Welt wird immer vernetzter. Das betrifft nicht nur die Anwendungen innerhalb eines Unternehmens. Auch weit über die Unternehmensgrenzen hinweg können Kunden mittlerweile Bestände einsehen, Bestellungen aufgeben oder Verbräuche live durch IoT-Anwendungen gemeldet werden.

Gerade im Bereich der Innovationen haben sich die Geschäftsmodelle rapide geändert – oftmals ohne Anpassung ihrer Betriebsszenarien. Auch wenn die Innovationsszenarien von Branche zu Branche verschieden sind, haben sie am Ende eines gemeinsam: Der Datenaustausch zwischen den beteiligten Parteien steigt rapide an. Auch die Anforderungen an die Aktualität der Daten dulden keine Neartime-Szenarien. Realtime wurde von den Marktführern als neuer Standard ausgerufen.

Integration von Lieferanten und Partnern

Viel Arbeit also für die IT-Abteilung, die neben der Anbindung selbst auch noch die Qual der Wahl hinsichtlich der einzusetzenden Technologie hat. SAP bietet neben SAP PI/PO mit der „SAP Cloud Platform Integration Suite“ ein weiteres Produkt für die Integration an. Im Rahmen der Embrace-Initiative kommt als dritte Produkteinheit Azure Logic Apps hinzu.

Auch hier zeigt sich: Alle neuen Integrationsprodukte der Softwarehersteller sind in der Cloud geboren. Alle Anfragen über diese Tools an SAP führen daher zu einem „technischen Kommunikationsoverhead“. Aus einer On-premises-Anfrage wandern die Daten folglich einmal in die Cloud zur Logic-App, von dort wieder zurück zum SAP System On-prem – und die Ergebnisse dieser Anfrage laufen auf dem gleichen Weg wieder zurück. Effizienz sieht anders aus. Gleiches gilt für die Anfragen von Lieferanten und Partnern.

Auch hier ergeben sich deutliche Vorteile in der Gesamtarchitektur, wenn nicht nur das Integrationstool, sondern auch die SAP-Systeme in der Cloud stehen. Genau aus diesem Grund haben wir bei Arvato Systems unsere SAP-PI/PO-Lösung, die wir für verschiedene Kunden als gemanagte PaaS-Lösung betreiben, schon vor einiger Zeit nach Azure geschoben. Bei sechs Millionen Transaktionen monatlich läuft nun der Hauptteil unserer Kommunikation in der Cloud.

Gerade beim direkten Vergleich von Cloud- vs. On-premises-Architekturen werden oft Äpfel und Birnen gegenübergestellt und wesentliche Aspekte wie Verkürzung von Projektlaufzeiten nicht oder nur unzureichend bewertet. Oft werden auch die Anforderungen an die Elastizität der Hardware unterschätzt, die bei SAP weniger im Monatsverlauf zu sehen ist, sondern viel mehr im Wachstum, in Carve-Outs oder Akquisitionen mit dem entsprechenden Bedarf an Systemharmonisierung.

Auf dem Weg zur unternehmensweiten Datenarchitektur

Auf die Frage, wo die Daten eines Unternehmens liegen, werden wohl sehr viele Mitarbeiter im Unternehmen mit SAP antworten. Doch ist das wirklich so? Bei Daten rund um Aufträge, Produktions- und La­ger­informa­tionen sowie allen notwendigen Finanzkennzahlen ist die Sache klar. Kampagnendaten, Kaufinteressen, IoT oder Nutzungsdaten liegen allerdings oft in fragmentierten und isolierten IT-Systemen.

Gerade diese Daten wachsen in den letzten Jahren exponentiell, können aber oft nur unzureichend analysiert werden. Kunden berichten uns, dass die Daten so schnell wachsen, dass sie selbst in kurzen Hardwareaustauschzyklen von drei Jahren nicht mehr genügend Ressourcen bereitstellen können, um mit dem Wachstum Schritt zu halten. Beim Thema Storage bietet Azure zahlreiche Möglichkeiten, sowohl die Performance als auch die Kosten an den individuellen Use Case anzupassen. In On-premises-Szenarien ist die Storageauswahl kleiner.

So ist es oft kein Wunder, dass in vielen Firmen die Kosten für die Datenspeicherung nahezu explodieren. Folglich ist es auch keine Überraschung, dass viele Kunden beginnen, ihre vorhandenen Datenarchitekturen in die Cloud zu verlagern. In vielen Unternehmen wurde darüber hi­naus eine Praxis entwickelt, um Daten aus Hana wieder zu entladen, damit die kostenintensive Speicherung der Daten dort auf ein Mindestmaß beschränkt werden kann.

Auch dabei kann die Cloud mit intelligenten Lösungsansätzen helfen. Kostenvorteile im Betrieb von mehr als 50 Prozent sind hier keine Seltenheit. Vielen Firmen ist durchaus bewusst, dass ein klarer Handlungsbedarf besteht – lediglich über den optimalen Zeitpunkt herrscht oft Ratlosigkeit. Neben den üblichen Szenarien wie Hardwaretausch oder Anhebungen und Hana-Migrationen ist als zusätzliches Argument für baldiges Handeln noch der End of Support von Hana 1.0 zu erwähnen.

Auch die viel genutzten Front­end-Technologien Flash und Microsoft Silverlight laufen in den nächsten zwölf Monaten aus der Wartung. Als Faustregel gilt: Wenn sich wesentliche Komponenten ändern oder Hardware neu angeschafft werden muss, ist der ideale Zeitpunkt, für eine Migration in die Cloud zu planen.

https://e-3.de/partners/arvato-systems-gmbh/

Über den Autor

Markus Krenn, Arvato Systems

Markus Krenn ist Customer Success Manager bei Arvato Systems

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