MAG 21-07 Szene

Führende IT-Dienstleister in Deutschland

[shutterstock 682456528, Gajus]
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Geschrieben von E-3 Magazin

Lünendonk hat die Ergebnisse einer Marktstudie und die Listen der führenden IT-Dienstleister in Deutschland veröffentlicht. Auch dieses Jahr gibt es einige Überraschungen im Ranking.

Die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen ist im Coronajahr 2020 wie erwartet nicht eingebrochen, liegt aber dennoch unter dem Niveau des Vorjahres. Die 83 analysierten IT-Dienstleister steigerten 2020 ihre Umsätze in Deutschland um 2,7 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 25 Milliarden Euro (2019: 24,3 Mrd. Euro). 2019 betrug das Wachstum noch 3,3 Prozent.

Im Durchschnitt verbuchten die untersuchten IT-Dienstleister ein Wachstum von 4,9 Prozent, und 65 Prozent der IT-Dienstleister konnten 2020 im Umsatz zulegen, was 2019 noch 82 Prozent der IT-Dienstleister gelungen ist. Während die Nachfrage nach IT-Dienstleistungen aus den zwei wichtigsten Branchen Industrie und Finanzdienstleistungen im Vergleich zu 2019 nahezu konstant blieb, bauten die befragten IT-Dienstleister ihr Geschäft mit dem Handel sowie dem öffentlichen Sektor deutlich aus.

Der zu Beginn der Coronapandemie eingesetzte -Digitalisierungsschub sorgte bei vielen IT-Dienstleistern vor allem ab dem dritten Quartal für volle Auftragsbücher: Branchenübergreifend dominierten Themen rund um die Entwicklung und Umsetzung digitaler und datenbasierter Geschäftsmodelle, IT-Modernisierung sowie die Migration von IT-Anwendungen in die Cloud. Vor allem aber investierten Unternehmen massiv in den Aufbau von Online-Vertriebskanälen, um den Wegfall physischer Absatzwege auszugleichen, wovon einige IT-Dienstleister besonders stark profitieren konnten.

Führende IT-Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen in Deutschland.

Im Zuge eines virtuellen Pressegesprächs kommentierte Sebastian Hauptmann, CSO von Valantic: „Customer Experience und E-Commerce boomen. Teilweise auch aus der Not geboren, aber dieser Trend wird sich weiter durchziehen. Corona hat der Digitalisierung in allen Bereichen einen Boost gegeben. Mittlerweile hat, glaube ich, jeder Vorstand verstanden, dass das Thema digitale Transformation geschäftsentscheidend ist.“

IT-Beratung und Systemintegration

Dies sieht man auch in der Lünendonk-Liste „Führende IT-Beratungs- und Systeminte-grationsunternehmen in Deutschland“. In das Ranking aufgenommen wurden Unternehmen, die mehr als 60 Prozent des Umsatzes mit Management- und IT-Beratung, Systemintegration, Softwareentwicklung und -einführung erzielten.

Marktführer ist weiterhin Accenture mit einem geschätzten Deutschland-Umsatz von 2,2 Milliarden Euro für das Jahr 2020. Auf dem zweiten Platz folgt IBM mit einem ebenfalls geschätzten Umsatz für das IT-Beratungs- und Systemintegrationsgeschäft von 1,5 Milliarden Euro. In die Top 3 der aktuellen Lünendonk-Liste ist Capgemini aufgestiegen.

Der französischstämmige Beratungs- und IT-Dienstleister hat seinen Umsatz in Deutschland um geschätzt 25 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro erhöht. Die in der letztjährigen Lünendonk-Liste zweitplatzierte T-Systems findet sich im aktuellen Ranking auf dem vierten Platz wieder; hauptsächlich verursacht durch die Ausgliederung der beiden Einheiten TC Services und Classified ICT von der T-Systems auf die Telekom Deutschland. Die Top 5 komplettiert NTT Data.

Auch die Themen aus dem Jahr 2020 werden 2021 und 2022 relevant sein.
Mario Zillmann,
Partner bei Lünendonk & Hossenfelder

2020 wurde endlich in die
aufgeschobenen Technologien zur Digitalisierung investiert.

Rolf Werner,
Head of DACH bei Cognizant
Unsere Aufgabe: mit breitem Portfolio die Digitalisierung im Mittelstand zu unterstützen.
Michael Zitz,
Mitglied des Vorstands, All for One Group

Innerhalb der Top 10 konnten neben Capgemini die beiden IT-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) und Infosys überproportional in Deutschland zulegen. Eine große Veränderung gab es 2020 bei Allgeier: Das börsennotierte Unternehmen hat die 2011 erworbene Nagarro abgespalten und an die Börse gebracht. In Nagarro ES ist vor allem das Softwareentwicklungsgeschäft gebündelt.

Neu in der Lünendonk-Liste ist Conet. Mit einem Umsatzplus von 16,6 Prozent, unter anderem aufgrund der Übernahme der Procon IT, gelang dem Hennefer Unternehmen der direkte Einstieg auf Platz 24. Damit sah diese Liste mehr grobe Veränderungen als die zweite veröffentlichte Liste, die sich mit den führenden IT-Service-Unternehmen befasst.

IT-Service

In das Ranking der führenden IT-Service-unternehmen aufgenommen werden IT-Dienstleister, die mehr als 50 Prozent des Umsatzes mit IT-Outsourcing und Managed Services am externen Markt erzielen. Den Spitzenplatz hält T-Systems mit einem geschätzten Umsatz von 2,2 Milliarden Euro.

Unverändert auf dem zweiten, dritten und vierten Platz folgen Atos, IBM sowie DXC. In die Top 5 konnte die Datagroup mit einem Umsatzsprung von 306,8 Millionen Euro auf 358,2 Millionen Euro aufsteigen, sie erzielte das höchste Wachstum innerhalb der Top 10.

Damit tauscht Datagroup den Platz mit dem indischen IT-Dienstleister HCL, der im Jahr 2020 einen geschätzten Deutschland-Umsatz von 342 Millionen Euro erzielen konnte. Das Top-10-Ranking komplettiert q.beyond mit einem Umsatz in Deutschland in Höhe von 138,3 Millionen Euro. Mit 13,4 Prozent gelang dem Kölner IT-Dienstleister das zweitstärkste Umsatzwachstum innerhalb der Top 10.

Neu in diesem Jahr war die Markt-stichprobe der zehn führenden internen IT-
Dienstleister in Deutschland. Hierbei handelt es sich um konzerninterne Dienstleister von großen Unternehmen. Die Top 5 belegen Allianz Technology, Finanz Informatik, Fiducia & GAD IT, DB Systel und BWI. BWI ist der IT-Dienstleister der deutschen Bundeswehr.

Frank Leidenberger, Chief Digital Officer von BWI, beschreibt die Notwendigkeit des Unternehmens: „Historisch gab es eine Partnerschaft mit IBM und Siemens, aber 2016 musste sich die Bundeswehr entscheiden, wie es nach der Modernisierung der IT-Landschaft weitergeht. Damals wurde die BWI gegründet. Wir können die digitalen Skills, die hier gebraucht werden, zur Verfügung stellen. Die BWI ist für die Bundeswehr ein essenzieller Bestandteil.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Coronapandemie einen nicht unerheblichen Einfluss auf den IT-Dienstleistungsmarkt hatte, aber eher positiv als negativ. Der zunehmende Digitalisierungsdruck zwang immer mehr Firmen, sich mit Themen wie Cloud, KI oder modernisierten Prozessen auseinanderzusetzen.

Alleine wollte sich fast kein Unternehmen auf diese Reise machen – eine tolle Ausgangslage für Dienstleister. Und diese Transformationsprozesse sind noch lange nicht abgeschlossen. Auch in den nächsten Jahren werden IT-Dienstleister wahrscheinlich ein gutes Geschäft machen.

Über den Autor

E-3 Magazin

Information und Bildungsarbeit von und für die SAP-Community.

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