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ERP-Metamorphose

Ändern und wandeln sich in der digitalen Transformation die Bedeutung und die Funktion von ERP-Software? Hierbei geht es nicht um die Frage, ob On-prem, Cloud oder Hybrid.

Viele SAP-Bestandskunden stellen das grundlegende SAP-Paradigma infrage: Muss es im Sinne des alten, dreistufigen Client-Server-Modells eine zentrale Datenbank geben? Muss jedes Stück Software vom ERP-Weltmarktführer SAP kommen?

Aufgrund der technischen und organisatorischen Möglichkeiten wäre die Antwort auf diese zwei Fragen vor wenigen Jahren noch ein überzeugtes Ja gewesen. Aber die Informatik hat sich schnell weiterentwickelt: Verteilte Datenbanken mit Blockchain-Technologie sind möglich. Die fast beliebige Kombination von Applikationen mit Container-Technik ist kein Problem. Open Source bei den Hyperscalern ist eine Selbstverständlichkeit. Salesforce, Workday, Slack fällt es nicht schwer, mit SAP-Systemen zu kommunizieren.

Von einer Metaebene aus betrachtet, befindet sich ERP in einer Metamorphose, deren Motor die digitale Transformation ist. Diese Entwicklung ist positiv für SAP-Bestandskunden und die SAP-Community, weil es neue Möglichkeiten eröffnet. Die Entwicklung ist aber auch gefährlich für SAP, weil es das traditionelle Geschäftsmodell mit der starren Lizenzvergabe und den vielfältigen Abhängigkeiten zwischen den IT-Ebenen gefährdet: Wer braucht Hana, wenn er nicht S/4 verwendet?

Wer S/4 Finance und Logistics will, muss auch Hana und Linux wählen. SAP könnte sich einer Metamorphose unterziehen und wie Phönix aus der Asche in einen neuen ERP-Himmel aufsteigen. Aber schafft es SAP, die Altlasten abzulegen?

So viel lässt sich schon sagen: Spätestens in fünf Jahren, also deutlich vor 2030, wird SAP sich unter dem Druck der Mitbewerber wie Salesforce, Workday oder Slack wandeln müssen.

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
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