Coverstory 21-05 MAG 21-05

Eine perfekte Roadmap

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Das Thema eines technischen Releasewechsels beherrschte lange Zeit den Diskurs in der SAP-Community.

Die etablierten SAP-Partner waren das sich wiederholende Prozedere von neuem Release mit Testen, Testen und Testen gewohnt. Partner wie Devoteam, die nicht nur in der SAP-Community erfolgreich verankert sind, sondern auch andere IT-Partnerschaften erfolgreich pflegen, bringen neue Aspekte für SAP-Bestandskunden.

ERP ist immer eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Wer den Betrieb von SAP Business Suite 7 mit AnyDB oder S/4 mit Hana auf ein technisches Niveau reduziert und lediglich den Diskurs zwischen On-premise und Cloud Computing wahrnimmt, der hat die Komplexität aktueller und zukünftiger ERP-Systeme im Rahmen der digitalen Transformation nicht verstanden. Transformation ist Gestaltung von betriebswirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Prozessen.

Nur ein ganzheitlicher Ansatz für die Aufbau- und Ablauforganisation wird die gesetzten Erwartungshaltungen erfüllen. Mit S/4 und Hana kann diese Transformation gelingen, wenn die richtigen Mitarbeiter, Experten und Partner an Bord sind. Der SAP-Partner ­Devoteam hat es sich zum Ziel gesetzt, über den Tellerrand zu blicken und für SAP-Bestandskunden mit ganzheitlichen Konzepten nachhaltige Antworten auf Fragen der digitalen Transformation zu finden. Mit Andreas Klinger, COO Devoteam Germany, und Tobias Hummel, Geschäftsführer Devoteam GmbH und Director SAP Devoteam S Team, sprach Chefredakteur Peter Färbinger.

In den vergangenen Jahren oszillierte die Frage nach dem bestmöglichen ERP immer zwischen Best of Breed und einer Black-Box wie R/3. Mit NetWeaver, SAP Data Hub, OData und anderen Werkzeugen haben sich die Ränder eines zentralen ERPs aufgeweicht. „Wir können ganz klar beobachten, dass der reine On-prem-Betrieb für viele Unternehmen nicht mehr infrage kommt“, erklärt Andreas Klinger.

Selbstverständlich sind die Lösungen immer so unterschiedlich wie die Kunden, aber der Trend geht ganz klar hin zu hybriden Szenarien und vollständig in der Cloud befindlichen Systemen und Architekturen. Dabei ist eine Folge dieses Trends allerdings auch, dass man sich zunehmend von allumfassenden Lösungen verabschiedet und sich mehr auf die Verbindung von speziellen, auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen Produkten zubewegt. Da kommt es selbstverständlich gelegen, dass Cloud-Plattformen hochkomplexe Funktionalität aus der Steckdose ermöglichen.

Zu Beginn dieses Jahres präsentierte SAP-Chef Christian Klein mit Rise die nächste Transformationsstufe nach Embrace und Conversion: „Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse schnell anpassen können, gehören zu den Gewinnern. SAP kann helfen, hier erfolgreich zu sein. Genau darum geht es bei Rise with SAP: Wir helfen Kunden, Geschäftsabläufe in der Cloud neu zu erschließen und damit dem Wettbewerb in ihrer Branche voraus zu sein.

Wie beurteilt Devoteam die Richtung von SAP mit Embrace, Conversion und Rise? „Insbesondere mit Blick auf Unternehmen, die vollständig auf SAP-Lösungen setzen, ist zum Beispiel Rise eine sehr umfassende Lösung, die zentrale Aspekte und Wünsche vieler SAP-Kunden aufgreift und erfüllt“, beschreibt Tobias Hummel die aktuelle Situation. „Alles in allem darf aber auch nicht zu kurz kommen, dass auch Non-SAP-Kunden ein Bedürfnis nach umfassenden Lösungen haben und diese auch anwenden wollen.“ Rise und Conversion können hierbei – je nach Unternehmen und Kunden – passende Antworten sein.

Tobias Hummel,
Geschäftsführer Devoteam und Director SAP Devoteam S Team

Wir erleben alltäglich im Kundenkontakt, wie schwierig die genaue Einschätzung der benötigten Lösungen und der bereits implementierten Technologie ist. Daher muss auch für SAP-Bestandskunden am Anfang der Ausrichtung für die Zukunft der erste Schritt ein genaues Assessment der eigenen IT-Architektur sein – selbstverständlich inklusive der Cybersecurity-Maßnahmen, Datenbanken und Applikationen“, kann Tobias Hummel aus vielen erfolgreichen Kundenprojekten berichten. Sobald der Ist-Zustand klar ist, können Ziele erarbeitet werden, die den weiteren Weg und die langfristige Digitalisierungsstrategie darlegen.

Natürlich steht am Anfang die Frage nach den Prioritäten: Worauf sollten die SAP-Bestandskunden nach Meinung von Devoteam in der digitalen Transformation besonders Wert legen – auf die betriebswirtschaftlichen, organisatorischen, technischen oder lizenzrechtlichen Aspekte?

Tobias Hummel: „Zentral für eine funktionierende und zukunftssichere digitale Transformationsstrategie ist eine stabile technische Basis. Sie stellt zugleich auch das Fundament für den betriebswirtschaftlichen Erfolg und eine funktionierende Organisationsstruktur und andere Rahmenbedingungen dar. Dementsprechend sollten sich Unternehmen vor allem an der technischen Dimension ihrer Transformationsstrategie orientieren und damit als Basis planen. Darüber hinaus rücken lizenzrechtliche Aspekte zunehmend in den Hintergrund. Ursache hierfür ist die stetig zunehmende Zahl an Lizenzen, die auf das Pay-what-you-use-Modell umgestellt werden. Lizenzrechtliche Bedenken sollten daher immer weniger relevant für die weitreichenden Entscheidungen sein, die heutzutage getroffen werden müssen. Viel wichtiger sind hier die Aspekte im Rahmen der Cybersecurity und die zunehmende Fokussierung auf eine agile Infrastruktur.“ (Zum Thema Cybersecurity siehe auch Seite 46 f. in dieser Coverstory.)

Aus Sicht von Devoteam: Ist die digitale Transformation mit SAP-Angeboten zu bewältigen oder braucht der SAP-Bestandskunde ergänzende Werkzeuge und Infrastruktur? „Wenn wir uns die gesamte Bandbreite an technologischen Möglichkeiten ansehen, dann gibt es neben SAP auch eine Vielzahl anderer Produkte und Lösungen, auf die man achten sollte“, definiert Andreas Klinger die Bandbreite des aktuellen IT-Angebots und er betont im E-3 Gespräch, dass auch hier gilt, dass man das große Ganze nie aus den Augen lassen sollte – ergänzende Werkzeuge und Kooperationen sind also definitiv eine Notwendigkeit. Das Schlagwort digitale Transformation deckt schließlich nicht nur einen Teilaspekt der Unternehmensstruktur ab. Unternehmen tun gut daran, holistische Konzepte zu entwickeln, um auch in Zukunft handlungsfähig zu bleiben.

Andreas Klinger,
COO Devoteam Germany

Der Diskurs in der SAP-Community war in den vergangenen Monaten stark von der Divergenz zwischen On-prem und Cloud Computing geprägt: Ist die Entscheidung on On-prem, Cloud oder Hybrid eine strategische oder operative, die sich automatisch aus den vorliegenden Parametern ergibt? „Dabei handelt es sich eindeutig um eine strategische Entscheidung“, antwortet Andreas Klinger und er erklärt: „Man muss bedenken, wo will ich in fünf Jahren stehen?

Mit AnyDB und ERP/ECC 6.0, Business Suite 7, geht es theoretisch noch bis 2030. Der SAP-Bestandskunde könnte das ERP wechseln oder auf S/4 Hana wechseln. Wie sieht Devoteam die Zukunft? Dazu Tobias Hummel: „Die IT muss dem Unternehmen das Rüstzeug an die Hand geben, die alltäglichen Herausforderungen und Probleme zu meistern, und im Optimalfall zu einer Produktivitätssteigerung bei gleichzeitiger Reduzierung von Kosten führen.

Hyperscaler sind wesentlich flexiblere Plattformen, als es jede On-prem-Lösung sein könnte. Andreas Klinger meint dazu, dass die Möglichkeiten, die diese bereits heute bieten, für althergebrachte IT-Architekten atemberaubend sind. Damit endet die Entwicklung jedoch nicht.

Jedes Jahr kommen Hunderte neue Lösungen und nützliche Produkte aus der Steckdose hinzu, die die Bedürfnisse einer Vielzahl von Kunden befriedigen. „Man kann Hyperscaler also als regelrechte Innovationstreiber bezeichnen, an denen sich der restliche Markt orientieren muss – und die von den Unternehmen als nützliche Partner im Blick behalten werden sollten!“, definiert Devoteam-Manager Andreas Klinger.

Angesichts der vielfältigen Herausforderungen für einen SAP-Bestandskunden stellt sich die Frage, ob es sein könnte, dass Bestandskunden versuchen, ein AnyDB-­Suite-7-System möglichst lang am Leben zu halten, um dann auf den S/4-Nachfolger zu migrieren. „Das ist eine durchaus denkbare Situation, ja“, meint Tobias Hummel.

Wenn gegebenenfalls das Geschäftsmodell nicht mehr vollständig im SAP-Umfeld aufgebaut werden soll und man sich für einen ausdifferenzierteren Weg entscheidet, kann es stimmig sein, den Status quo zu erhalten, um auf diese Weise langfristige Strategien zu verfolgen.“ Dadurch bietet sich auch die Möglichkeit, die in der Vergangenheit aufgebauten Sonderlösungen zurückzubauen oder spezielle Lösungen in die eigene Architektur einzubinden.

Hierzu gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungsfelder: Etwa, dass Ariba genutzt wird, statt den Einkauf über ERP abzubilden. Ein BW on Hana statt eines integrierten Reportings oder ServiceNow statt CS und SM im ERP sind weitere Beispiele, die Tobias Hummel und Andreas Klinger im E-3 Gespräch nennen.

Aus der Erfahrung von Devoteam: Wo findet der SAP-Bestandskunde das beste Hana-System, on-prem oder in der Cloud? „Was für den einen Kunden eine optimale Lösung darstellt, kann für einen anderen Kunden eine enorme Verschlechterung darstellen“, versucht Andreas Klinge zu differenzieren. „Wir vertreten die Philosophie, dass Lösungen immer maßgeschneidert sein müssen. Dementsprechend richten wir uns bei unserer Planung und der strategischen Beratung unserer Kunden immer genau nach den Ergebnissen des gemeinsamen Assessments. Dabei müssen selbstverständlich auch immer die Fragen nach den gewünschten Kosten, der benötigten Flexibilität und der Dauer bis zum kompletten Deployment geklärt werden. Erst danach weiß man, welche Lösung optimal für den jeweiligen Fall ist.

Leider ist das SAP-Cloud-Angebot noch nicht vollständig, was auch viel Verantwortung auf die Partner abschiebt. Ist die Cloud nicht in jedem Fall ein großes Risiko für den SAP-Bestandskunden, solange es keine nachhaltige Exit-Strategie gibt? „Dieses Risiko besteht ganz genauso, wenn man sich Lösungen ansieht, die auf Outsourcing oder On-prem basieren“, erklärt Tobias Hummel.

Auch hier sollte man immer auf den jeweiligen individuellen Fall schauen, da sich eine allgemeingültige Aussage schlicht und ergreifend kaum treffen lässt. Aber durch mögliche Vorgänge zur Standardisierung kann das Risiko innerhalb eines Assessments sogar gegebenenfalls geringer ausfallen“, erläutert Tobias Hummel.

Generell empfehlen wir hybride Lösungsansätze“, meint somit Tobias Hummel ergänzend. „Unserer Erfahrung nach sind diese sehr zukunftssicher und bieten die notwendige Flexibilität, um eine Vielzahl unterschiedlicher Bedürfnisse abzubilden.“ Aber auch hier stellt sich wieder die Frage: Was braucht der Kunde? Tobias Hummel: „Mit einem Hammer hat man Schwierigkeiten, ein Brett zu zersägen, und die wenigsten Nägel werden mit Sägen in die Wand geschlagen. Werkzeug und Lösung sollten immer individuell zum jeweiligen Problem passen.

Für einen ERP-Masterplan: Wo mangelt es an SAP-Antworten? Wo gibt es ausreichende Informationen? Und wie hilft Devoteam dem SAP-Bestandskunden bei seinem persönlichen ERP-Masterplan? „Unsere Kunden erhalten bei uns sowohl eine spezifische SAP-IT-Strategieberatung als auch Informationen zu Cloud-Plattformen und Möglichkeiten unterschiedlichster Integrationsszenarien“, verspricht Andreas Klinger. „Um genau diese Vorteile und Einblicke zu bieten, nutzen wir unser breites Partnernetzwerk. In der Konsequenz haben unsere Kunden die Möglichkeit, auf innovative und stabile Lösungsansätze zurückzugreifen.

https://e-3.de/partners/alegri-international-group/

Über den Autor

Peter M. Färbinger, E-3 Magazin

Peter Färbinger, Herausgeber & Chefredakteur E-3 Magazin
B4Bmedia.net AG, Freilassing, Deutschland.
Erreichbar unter pmf@b4bmedia.net | Tel.: +49(0)8654 77130-21

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